Seit der Grundsteinlegung für das House of One vor zwei Jahren hat man nicht mehr viel gehört von den Aktivitäten der gleichnamigen Stiftung. Dabei soll mit dem Gebäude etwas Besonderes entstehen, mit dem House of One bekommt die Hauptstadt ein Haus, das als Kirche, Synagoge und Moschee die Gläubigen der drei großen monotheistischen Religionen aufnimmt. Ein interreligiöses Dialoghaus – in Berlin einzigartig, manche sagen, in dieser Form sogar weltweit.

Der Stiftung ist – auch angesichts der gestiegenen Baukosten – offenbar das Geld ausgegangen. Jetzt hat sie sich wieder gemeldet: Der Bau geht weiter, die prognostizierte Bauzeit wurde um drei Jahre auf bis 2028 angehoben. Am Mittwoch feierte die Stiftung die Eröffnung der House-of-One-Box, eine Info-Box und Schaustelle, in der man sich über die Pläne informieren und von deren Dach aus die Bauarbeiten auf dem Petriplatz verfolgen kann.

„Eine Idee, die in viele Länder ausstrahlt“

Stiftungsleiter Roland Stolte wies dann auch auf der Eröffnungsfeier auf eine „komplexe Planung“ und auf „Turbulenzen im Baubereich“ hin. Allerdings habe man die vergangenen zwei Jahre hervorragend genutzt und viele Menschen dazugewonnen. Das internationale Netzwerk wachse zunehmend. „Das ist eine Idee, die bereits in viele Länder ausstrahlt.“

Das House of One sei nicht nur ein Gebäude, es sei auch eine wachsende Verbindung, sagte Stolte. Drei kleine religiöse Gemeinden hätten das Projekt gestartet. Inzwischen seien dort viele religiöse Richtungen vertreten, es gebe 30 Projektbotschafter in neun Ländern von der Zentralafrikanischen Republik bis nach Georgien.

Rabbiner, Pfarrer und Imam

Rabbiner Andreas Nachama, Pfarrer Gregor Hohberg und Imam Kadir Sanci sprachen davon, dass man in den vergangenen Jahren stark zusammengewachsen sei. Keine der drei Gemeinden stehe exklusiv für ihre Religion, keine fordere einen Alleinvertretungsanspruch. „Wir sind zu einem Körper zusammengewachsen“, sagte Imam Sanci. „Wir setzen uns gemeinsam für Frieden und Sicherheit ein.“

Pfarrer Hohberg wies auf die Verwundbarkeit der Gesellschaft hin, die sich gerade während der Pandemie und des Krieges offenbart habe. „Wir müssen auf das Miteinander setzen, bevor es zu Krisen kommt.“ Für Rabbiner Nachama ist das House of One ein Gebäude, in dem „alle Kinder Gottes unter einem Dach vereint“ sind, „doch jeder in seiner eigenen Tradition“.

Info-Box soll ein Ort für Begegnung und Austausch werden

Mit der House-of-One-Box soll ein Ort der Begegnung, des Gesprächs und des Austauschs entstehen. In der 44 Quadratmeter großen Box sind Diskussionen geplant, Workshops und Projektvorstellungen. In ihr will die Stiftung während der Bauzeit nicht nur über die Bauentwicklung, sondern auch über die Entwicklung der interreligiösen Arbeit berichten.

Das House of One entsteht auf den Fundamenten der einstigen Petrikirche am Petriplatz, nicht weit weg vom Schlossplatz. Wie beim Schlossgebäude geht auch die Idee für das Dialoghaus auf private Initiativen zurück, von Kirchensteuern wird das Haus für interreligiöse Begegnungen nicht finanziert.

Bund und Land finanzieren Projekt größtenteils

Das Projekt war vor einigen Jahren in die Kritik geraten, als die Unterstützer Fördermittel aus dem Emirat Qatar angenommen hatten. Seitdem achtet die Stiftung darauf, wer unterstützt und spendet. Den größten Anteil haben der Bund mit fast 26 Millionen Euro und das Land Berlin mit mehr 15 Millionen Euro bezahlt.

Noch ein zweiter Aspekt hat dem Projekt vor einigen Jahren Kritik eingebracht. Bemängelt wurde der Ausschnitt des Islams, den das Projekt gewonnen hatte. Er sei zu klein, um damit islamische Gläubige in ganz Deutschland anzusprechen. In dem multireligiösen Haus war zunächst nur die türkische Hizmet-Bewegung vertreten, die als „Gülen-Bewegung“ bekannt ist. Lediglich jeder fünfzigste Berliner Muslim soll Teil dieser Gemeinschaft sein.

Die größte Stifterin hat sich zurückgezogen

Die größte Stifterin Catherine von Fürstenberg-Dussmann hat sich damals deshalb zurückgezogen. Vielleicht gibt es inzwischen andere finanzstarke Förderinnen: Auch Verlags-Großaktionärin Friede Springer kam zur Feier in der Infobox für einen kurzen Gruß vorbei.