Interreligiöses Projekt

Herber Rückschlag für das „House of One“

Catherine Dussmann zieht sich wegen des muslimischen Trägervereins zurück. Die Stiftung des interreligiösen Projekts bedauert das.

Sie sind sich einig: Pfarrer Gregor Hohber, Rabbiner Andreas Nachama und Imam Kadir Sanci (v.l.) wollen das „House of One“ in Mitte errichten und den interreligiösen Dialog vorantreiben.

Sie sind sich einig: Pfarrer Gregor Hohber, Rabbiner Andreas Nachama und Imam Kadir Sanci (v.l.) wollen das „House of One“ in Mitte errichten und den interreligiösen Dialog vorantreiben.

Foto: Klemens Renner

Berlin. Das interreligiöse Dialogprojekt „House of One“ muss einen Rückschlag hinnehmen: Die Unternehmerin Catherine von Fürstenberg-Dussmann zieht sich als Botschafterin und Spenderin zurück. Die Vorsitzende des Verwaltungsrates der Dussmann-Gruppe, zu der das Kulturkaufhaus Dussmann an der Friedrichstraße gehört, kritisierte den muslimischen Projektpartner „Forum für interkulturellen Dialog“. Er wird der umstrittenen Gülen-Bewegung zugerechnet.

Der Verein werde von anderen muslimischen Verbänden und Moscheevereinen als Projektpartner abgelehnt. Dies habe unter muslimischen Gemeinden zu Spannungen geführt. „Ich kann kein Projekt unterstützen, das anstelle Verständigung und Dialog zwischen und innerhalb der Religionen zu fördern neue Konflikte erzeugt“, sagte Dussmann. Die Beteiligung der auf muslimischer Seite umstrittenen Gülen-Bewegung sei „zu wenig, um islamische Gläubige in Deutschland insgesamt anzusprechen“.

Ort der Begegnung für Christen, Juden und Muslime

Das „House of One“ soll ein Ort der Begegnung für Christen, Juden und Muslime sein. Die Initiative ging von der evangelischen Gemeinde St. Petri-St. Marien aus. Außerdem sind die Jüdische Gemeinde zu Berlin mit dem Rabbinerseminar Abraham-Geiger-Kolleg beteiligt und der zur Bewegung des türkischen Predigers Fetullah Gülen zählende Verein „Forum Dialog“. Der Grundstein für das „House of One“ soll 2020 am Petriplatz in Mitte gelegt werden. Das Projekt wird vom Bundesinnenministerium und vom Berliner Senat gefördert.

Die Gülen-Bewegung ist seit Jahren umstritten. Der wegen diktatorischer Züge selbst kritisierte türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan wirft ihr vor, für den Putschversuch im Jahr 2016 verantwortlich zu sein.

Kritiker in Deutschland und anderen Staaten behaupten, die Gülen-Bewegung versuche, eine islamische Unterwanderung von Staat und Gesellschaft voranzutreiben. Befürworter sehen in den zur Gülen-Bewegung zählenden Vereinen dagegen konstruktive und gemäßigte, sowie bildungsorientierte Partner des interreligiösen Dialogs.

Putsch in der Türkei hat den Dialog nicht einfacher gemacht

Die Initiatoren des „House of One“ bedauerten Dussmanns Rückzug. Eine breite Beteiligung muslimischer Akteure könne „nur in kleinen Schritten geschehen“, sagte der Verwaltungsdirektor der Stiftung, Roland Stolte. Der Rabbiner Andreas Nachama, der dem Stiftungsrat des House of One vorsitzt, sagte, der Rückzug zeige „einmal mehr die Notwendigkeit eines Verständigungsprojekts, wie das House of One eines ist“.

Das „Forum für interkulturellen Dialog“ hat sich nach eigener Darstellung immer wieder bemüht, weitere muslimische Verbände für das „House of One“ zu gewinnen. „Das ist auf vielen Ebenen gelungen, sagte der Imam Kadir Sanci, der auch Mitglied im Präsidium des „House of One“ ist. Der Putsch in der Türkei habe den Dialog aber „nicht einfacher“ gemacht.