Infoveranstaltung der Signa

Müllerstraße: Verunsicherung bei Karstadt bleibt

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Birgit Lotze
Blick auf das Karstadtkaufhaus in der Müllerstraße in Berlin-Wedding.

Blick auf das Karstadtkaufhaus in der Müllerstraße in Berlin-Wedding.

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Karstadt an der Müllerstraße wird schließen. Wie es für die Mitarbeiter weitergeht, ist unsicher.

Berlin.  Der Karstadt an der Müllerstraße gilt als angeschlagen, er soll geschlossen werden. Erstmals hat die Signa, Eigentümerin der insolventen Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof, die Beschäftigten und Anwohner in einer Veranstaltung über ihre Pläne informiert – und auch nach deren Interessen befragt. Signa will am Leopoldplatz zunächst schließen und umbauen, doch danach unter anderem weiterhin ein Warenhaus betreiben. „Wir glauben an den Standort“, sagte Achim Nelke, Projektleiter Signa Real Estate Management. Doch das Misstrauen bei den Angestellten und auch bei Anwohnern bleibt groß.

Für Signa ist klar, dass sie das Gebäude so nicht weiterbetreiben will. „So, wie es hier steht, ist kein wirtschaftlicher Betrieb möglich“, sagte Reiner Müller, Head of Development. Das Gebäude sei extrem sanierungsbedürftig, habe immens hohe Betriebskosten und eine äußerst schlechte Klimabilanz.

Bis August nächsten Jahres ist der Betrieb, zumindest die Lohnfortzahlung für die Beschäftigten, gesichert. Noch ist keine Kündigung ausgesprochen. Doch für die Zeit nach August 2023 gibt es bislang nur eine vage Absichtserklärung. Conny Weißbach von Verdi Berlin Brandenburg forderte Investor René Benko auf, seine Zusagen einzuhalten. Er habe mit Immobilien eine Milliarde Gewinn gemacht. „Doch die Warenhäuser lässt er ausbluten.“

Ein Warenhaus mit Wohnen und kleinteiligem Gewerbe

Thema der Veranstaltung war vor allem das Gebäude und was nach dem Umbau darin integriert werden soll. Die Signa hat sich im Frühjahr mit 50 Prozent an dem Grundstück, das bis dahin der Bayerischen Versicherungskammer gehörte, beteiligt, daraufhin kam es zu ersten Gesprächen mit Bezirksstadtrat Ephraim Gothe (SPD), der für Stadtentwicklung zuständig ist.

Auf der Veranstaltung wurden erste Ergebnisse und ein Zeitrahmen präsentiert. Wegen der Energiebilanz will man das Gebäude nicht ganz abreißen. Darüber hinaus hat man bei Signa einige Ideen und Vorstellungen. Müller sprach von einem „Mix“ aus Kaufhaus, Wohnen, Arbeiten, kleinteiligem Gewerbe im Erdgeschoss und auch Räumen für Initiativen. Dabei will man die Anwohner einbinden, auch später noch, wenn sechs Architekten ihre Planungen vorstellen.

Bei fünf Workshops wurde deutlich, was sich die Anwohner nicht wünschen: keine Büros, kein Hotel oder Hochhaus, keine Luxuswohnungen. Sie wünschten sich vor allem ein gutes, nicht zu teures Kaufhaus, Gentrifizierung und Verdrängung müssten vermieden werden. Der Leopoldplatz solle ein Platz für Weddinger bleiben“, hieß es.