Berlin. Die Eigentümer Oxford Properties will das Gebäudeensemble am Potsdamer Platz für 200 Millionen Euro grundlegend neu ausrichten.

Auch Immobilien kommen in die Jahre: 21 Jahre nach der Eröffnung des Sony Centers am Potsdamer Platz hat die Eigentümerin, die Oxford Properties Group, Investitionen in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro in die Modernisierung des aus sieben Gebäuden bestehenden Ensembles angekündigt.

Neben dem leerstehenden Kino-Komplex, den Außenflächen und dem historischen Kaisersaal ist vor allem der gläserne Bahntower betroffen: Im Zuge der Sanierung müssen die rund 800 Beschäftigten des DB-Konzerns bis spätestens Mitte nächsten Jahres aus dem Turm ausziehen. Sie werden für anderthalb Jahre in andere Büros im Sony Center umziehen, bevor sie in das technisch ertüchtigte und mit neuem Raumkonzept versehene Hochhaus zurückkehren können.

Campus-Charakter soll gestärkt werden

Alle Arbeiten werden nach Angaben des Eigentümers in enger Absprache mit dem Büro Jahn Architecture und PWP Landscape Architecture erfolgen. Der deutsch-amerikanische Star-Architekt Helmut Jahn hatte den Komplex aus sieben Gebäuden, dessen Mitte wie eine Zirkusmanege von einem gläsernen Dach überspannt wird, einst entworfen. Sein Büro muss die Modernisierung nun ohne ihn leiten: Der Architekt war im Mai dieses Jahres bei einem Fahrradunfall in einem Vorort von Chicago ums Leben gekommen.

Simulation der neuen Roof Top Bar des Sony Centers.
Simulation der neuen Roof Top Bar des Sony Centers. © Realace GmbH

„In den kommenden Jahren werden wir den Campus-Charakter und den Erlebnisfaktor des Sony Centers stärken, damit die Menschen mehr von ihrem Tag im Büro haben“, sagte Jay Drexler, Europa-Chef des kanadischen Eigentümers bei einem Rundgang über das Areal. Neu angeboten werden sollen den Bürobeschäftigten in den Gebäuden sowie den Besuchern künftig zusätzlich Sport und Wellness sowie ein deutlich erweitertes gastronomisches Angebot.

Fünf Fitnessbereiche und Boutique-Kino mit drei Sälen

"Die Menschen erwarten heute mehr von ihrem Arbeitsplatz als noch vor 25 Jahren“, ergänzte Steven Cook von Jahn Architecture. "Damals lag der Schwerpunkt der Planung auf einer geordneten Umgebung, um konzentriertes Arbeiten zu fördern. Der Arbeitsplatz von heute muss mehr leisten: Gefragt sind unkomplizierte Lösungen für den kreativen Austausch mit den Kollegen, aber auch Orte, die Entspannung und Erholung bieten."

Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, soll vor allem der Gebäudeteil, der die ehemaligen Kinos beherbergte, umfassend umgebaut werden. Das Multiplex-Kino mit zehn Sälen, in dem häufig Filme in Originalsprache gezeigt wurden, war bereits Ende 2019 geschlossen worden.

Der Filmtheaterkomplex wird in ein kleines, sogenanntes Boutique-Kino mit drei Sälen umgewandelt. Die Umgestaltung schafft zudem Platz für die Einrichtung von fünf Fitnessbereichen. Eines davon soll nach den von Drexler präsentierten Plänen eine Kletterhalle sein.

Baumpflanzungen und neues Wasserspiel

In den ersten drei oberirdischen Etagen, die aktuell noch hinter einer düsteren Fassade verborgen sind, soll künftig eine „Food Hall“ hinter gläserner Fassade verschiedene Angebote des Londoner Gastronomiebetreibers Kerb beherbergen, in den zwei darüberlegenden Etagen entstehen neue Büros. Im historischen Kaisersaal hat der Umbau in Absprache mit dem Denkmalamt schon begonnen.

So sieht aktuell die Front des ehemaligen Imax-Kinos aus.
So sieht aktuell die Front des ehemaligen Imax-Kinos aus. © Chris and Friends GmbH/Chris Hortsch

Ab Februar 2022 wird die Rhubarb Hospitality Collection (RHC), ein neues Restaurant sowie Bar und Loungebereich im Silbersaal eröffnen. Auch der Außenbereich wird umgestaltet: Der trennende Lichtschacht, der die unterirdischen Kinobereiche mit Tageslicht versorgte, wird erheblich verkleinert, Baumpflanzungen und ein neues Wasserspiel sollen die „Zirkusmanege“ neu beleben. Der Großteil der Modernisierungsmaßnahmen soll nach den Worten Drexlers bis Ende 2023 abgeschlossen sein.