Wettbewerb

Komische Oper bekommt Neubau am Boulevard Unter den Linden

Die Komische Oper erhält bis zum Jahr 2027 einen Anbau am Boulevard nach den Plänen des Aachener Büros Kadawittfeldarchitektur.

In dem Neubau direkt an der Straße Unter den Linden sollen neben Probensälen und Büros eine öffentlich zugängliche Kantine, eine Vorverkaufskasse, Workshopräume sowie eine öffentliche Dachterrasse entstehen.

In dem Neubau direkt an der Straße Unter den Linden sollen neben Probensälen und Büros eine öffentlich zugängliche Kantine, eine Vorverkaufskasse, Workshopräume sowie eine öffentliche Dachterrasse entstehen.

Foto: Kadawittfeldarchitektur

Berlin. Der Realisierungswettbewerb für die Erweiterung, den Umbau und die Erneuerung der Komischen Oper ist entschieden. Nach dem Siegerentwurf des Büros Kadawittfeldarchitektur aus Aachen soll das Opernhaus an der Ecke Behrenstraße und Glinkastraße in Mitte zukunftsfähig gemacht werden. „Das Büro hat die herausfordernde Aufgabe brillant gemeistert“, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, die den prämierten Entwurf am Dienstag gemeinsam mit Intendant Barrie Kosky und Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert (Linke) präsentierte.

Komische Oper Berlin: Baukosten von mindestens 227 Millionen Euro

Der auf mindestens 227 Millionen Euro veranschlagte Umbau soll 2023 beginnen und bis 2027 abgeschlossen sein. „Die Berechnungen basieren allerdings auf einem geprüften und genehmigten Bedarfsprogramm vom April 2018 mit Gesamtkosten – da die Baupreise seitdem gestiegen sind, ist mit Mehrkosten zu rechnen“, sagte Lüscher. In der Zeit soll das Ensemble in das Schiller Theater ziehen und auch an anderen Orten der Stadt spielen. Der bauliche und technische Zustand entspreche nicht mehr den Anforderungen an einen zeitgemäßen Kulturbetrieb, hieß es in der Ausschreibung. Neben der Erneuerung der Bühnentechnik ist auch eine Klimaanlage notwendig. Zu dem Projekt gehört auch der Neubau eines Gebäudes auf einem bislang unbebauten Grundstück an der Ecke Unter den Linden und Glinkastraße. In dem Neubau sollen neben Probensälen und Büros eine öffentlich zugängliche Kantine, eine Vorverkaufskasse, Workshop-Räume sowie eine Dachterrasse entstehen.

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Die Architekten hatten ferner die Aufgabe, nach den Vorgaben des Denkmalschutzes die wechselvolle Geschichte des Gebäudes sichtbar zu machen. So soll der Saal des einstigen Metropoltheaters aus dem Jahr 1892, der den Krieg überstanden hat, behutsam saniert werden. Die neuen Foyers und die moderne Fassade des Hauses aus den 60er-Jahren sollen in den Originalzustand zurückversetzt werden. Der Neubau an der Glinkastraße soll dagegen für das 21. Jahrhunderts stehen. Im Rahmen des Wettbewerbes überzeugte der Entwurf von Kadawittfeldarchitektur die Jury am meisten. „Eine fast unlösbar scheinende Aufgabe hat einen Entwurf hervorgebracht, der alles erfüllt, was wir uns wünschten“, sagte Lüscher. Ein markantes Gebäude, eine prominente Adresse an der Straße Unter den Linden, eine öffentliche Aufwertung entlang der Glinkastraße, einen denkmalverträglichen Umgang mit dem Bestandsbau, für die Mitarbeitenden der Komischen Oper Berlin hervorragende Arbeits- und Probebedingungen und für die Identität der Komischen Oper Berlin ein Gebäude, das Innovationskraft, Wandelbarkeit und Offenheit gegenüber der Stadtgesellschaft signalisiert.“

Komische Oper Berlin: Sieger setzten sich gegen 63 Mitbewerber durch

Begeistert zeigte sich auch der Intendant und Chefregisseur: „Mit diesem Entwurf erhalten die Komische Oper Berlin, ihr Publikum und die Stadt Berlin neue Proben- und Arbeitsräume, Foyers, Restaurants und Terrassen und damit einen Begegnungsort für Künstler und Zuschauer an einer der prominentesten Adressen der Stadt“, ergänzte Barrie Kosky. Die Aachener Architekten hatten sich in der ersten Phase gegen 63 eingereichte Entwürfe nationaler und internationaler Planerbüros und schließlich auch unter den 16 ausgewählten Arbeiten der zweiten Phase durchgesetzt. Ihr Beitrag wurde mit einem Preisgeld von 160.000 Euro honoriert.

Die Wettbewerbsjury unter Vorsitz des Stuttgarter Architekten Stefan Behnisch zeichnete ferner das Berliner Büro Baumschlager Eberle Architekten mit dem zweiten und das AFF + Topotek 1 aus Berlin und Zürich mit dem dritten Preis aus. Im Anschluss an den Wettbewerb wird mit den Preisträgern ein formalisiertes Verhandlungsverfahren durchgeführt und über die konkrete Beauftragung eines Generalplanungsteams verhandelt, das im zweiten Quartal 2021 in die konkrete Planung einsteigen soll. Nach Auszug des Ensembles der Komischen Oper Berlin soll das Bestandsgebäude im Sommer 2023 für vertiefte Bestandsuntersuchungen und die Vorbereitung der Baumaßnahmen an die Bauverwaltung übergeben werden. „Erst danach werden wir die Kosten genauer beziffern können“, sagte Lüscher.

Ausstellung: Alle 63 Wettbewerbsarbeiten werden in der Zeit vom 15.11. – 26.11.2020 täglich von 12 bis 19 Uhr in der Messe Berlin, Halle 7.2a, Messe Süd, in Charlottenburg zu sehen sein.