Coronavirus

Stellvertretende Amtsärztin: „Wir sind in Anrufen ertrunken“

Die stellvertretende Amtsärztin berichtet über die Zustände beim Gesundheitsamt. Wie der Bezirk Mitte vorbereitet ist.

Laut Amtsärztin werden sich 70 Prozent der Bevölkerung mit Corona infizieren

Laut Amtsärztin werden sich 70 Prozent der Bevölkerung mit Corona infizieren

Foto: Felix Kästle / dpa

Bislang versuchen die Behörden das Coronavirus einzudämmen. Doch in wenigen Wochen, vielleicht auch schon mehreren Tagen können sie es nur noch verteidigen. Nannette Stange vom Gesundheitsamt Mitte sagt: „Dann werden wir nicht mehr jede Kontaktpersonen ermitteln können und müssen uns auf die Risikogruppen konzentrieren.“

Laut Amtsärztin werden sich 70 Prozent der Bevölkerung mit Corona infizieren

Sie erwartet in den kommenden Tagen einen Anstieg der Infizierten in Berlin. Stange zufolge werden sich in den nächsten zwei Jahren 70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland mit dem Virus infizieren. Erst dann werde die Ausbreitung des Virus zurückgehen, auch weil bis spätestens dahin ein Impfstoff vorhanden sein werde. In diesem Jahr werde das allerdings nicht mehr passieren. Das sagt die stellvertretende Amtsärztin am Dienstag im Gesundheitsausschuss des Bezirks Mitte.

Weiter berichtet Stange, dass das Gesundheitsamt derzeit an der Kapazitätsgrenze arbeite. Sie kümmert sich auch um die Coronavirus-Hotline von Mitte als Ergänzung zur Senatshotline. „Wir sind in Anrufen ertrunken“, sagt Stange. Auch ihre Mitarbeiter seien im Dauereinsatz, um Abstriche bei Personen zu machen, die im Verdacht stehen, sich mit dem Virus infiziert zu haben.

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Coronavirus: Zu wenig Schutzanzüge

„Allein schon an jedem positiven Fall hängt ein Schwanz von 50 anderen Personen“, sagt Stange in der Sitzung. Außerdem berichtet sie von ersten Versorgungsproblemen bei Schutzanzügen für die Ärzte, die einen Abstrich der Kontaktpersonen nehmen. Denn es handle sich um wasserdichte Einweganzüge, die nach jedem Abstrich weggeworfen werden müssen.

Ärzte fahren mit Fahrzeugen des Ordnungsamt zu Patienten

Um das Gesundheitsamt zu unterstützen, hat das Bezirksamt drei Fahrer und drei Fahrzeuge vom Ordnungsamt abgezogen, die die Ärzte herumfahren, um die Abstriche zu nehmen. Der Bezirk Mitte hat indes die Mitarbeiter des Corona-Teams verdoppelt und verschiedene Arbeitsgruppen eingerichtet.

So gibt es laut Bezirksstadtrat Ephraim Gothe das „Team Begleitung“, dass Menschen in Quarantäne mindestens einmal am Tag anruft. Darüber hinaus gebe es ein Team, dass sich um Materialbeschaffung kümmere und eben Mitarbeiter des Amts, die sich um die Hotline kümmern.