Nahverkehr

Bahnhof Friedrichstraße: Darum stehen die Rolltreppen still

Am Bahnhof Friedrichstraße stehen Rolltreppen wegen Defekten häufig still. Doch seit zwei Tagen sind gleich alle Anlagen außer Betrieb.

Am S-Bahnhof Friedrichstraße sind seit derzeit alle Rolltreppen gesperrt. Die Bahn begründet dies mit notwendigen Inspektionsarbeiten.

Am S-Bahnhof Friedrichstraße sind seit derzeit alle Rolltreppen gesperrt. Die Bahn begründet dies mit notwendigen Inspektionsarbeiten.

Foto: Foto: Thomas Fülling

Berlin. Dass am Bahnhof Friedrichstraße eine Rolltreppe oder ein Aufzug nicht funktioniert, überrascht kaum noch einen Reisenden mehr. Immer wieder fallen Anlagen wegen technischer Defekte teilweise über Wochen aus. Doch dass seit zwei Tagen gleich alle Fahrtreppen gleichzeitig außer Betrieb sind, ist schon ein Novum.

Umsteigen ist momentan sehr beschwerlich

Vor allem für Gehbehinderte, Reisende mit viel Gepäck und Eltern mit Kindern ist das Umsteigen seit zwei Tagen sehr beschwerlich, weil sie die steilen Treppen zum oberen S-Bahnsteig, aber auch hinab zum Bahnsteig der Nord-Süd-Linien ohne technische Hilfe bewältigen müssen.

Die Bahn begründet den vorab nicht angekündigten Stillstand mit einer „dringend notwendigen Durchsicht“. Inspiziert werden allerdings nicht die Fahrtreppen selbst, sondern die sogenannten Gleiströge. So werden die Brückenkonstruktionen genannt, auf denen die oberen Bahnsteige und die Gleise verlegt sind.

Laut einem Bahnsprecher müssten während der Inspektion die Fahrtreppen aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden. Angekündigt ist, dass die Treppen sich ab Freitagabend, 22 Uhr, wieder in Bewegung setzen.

Bahnhof seit Jahren eine Baustelle

Der Bahnhof Friedrichstraße, wo täglich Hunderte Regionalzüge, S- und U-Bahnen halten (aktuell 240.000 Reisende am Tag), ist seit Langem eine Dauerbaustelle. Auslöser war ein gefährlicher Zwischenfall vor gut sechs Jahren. Am 13. Dezember 2012 war – ohne Vorwarnung – ein 25 Kilogramm schwerer Betonbrocken herabgestürzt. Wie durch ein Wunder wurde niemand in der zu jeder Tageszeit stark belebten Halle unter den Bahnsteigen verletzt.

Bei der Erneuerung wurde gepfuscht

Bei der Suche nach der Unfallursache stießen die Experten der Bahn auf ein ernsthaftes Problem. Bei der nach der Wiedervereinigung erfolgten Erneuerung des einstigen Grenzbahnhofs war gepfuscht worden. Die Lager, auf denen die Fern- und Regionalbahngleise über der ebenerdigen Halle ruhen, waren während der Bahnhofssanierung Mitte der 90er-Jahre mit Beton verbaut worden, der keine Schwingungen ausgleichen konnte.

Es kam dadurch zu Spannungen, in deren Folge sich das Betonteil löste. Begleitet von umfangreichen Einschränkungen ließ die Bahn bereits 2012 und 2013 die Hallendecke erst einmal provisorisch sichern. Später wurden die Brückenlager für rund zehn Millionen Euro saniert.

Neue Video-Überwachungstechnik

Auch aktuell sind wieder Teile der Deckenverkleidungen abgehängt. Grund ist eine Modernisierung der Videotechnik im Bahnhof. Dabei sei es notwendig, Teile der Deckenbereiche erneut zu öffnen. Geplant ist, an den insgesamt drei Bahnsteigen für die S-Bahn und den Regionalverkehr neue Überwachungskameras zu installieren, die hochauflösende Bilder liefern.

Bahnmitarbeiter werden die Bilder live beobachten. Zugriff auf die Aufzeichnungen hätte dagegen nur die Bundespolizei im Rahmen von strafrechtlichen Ermittlungen, so der Bahnsprecher. Das aktuelle Projekt werde bis „voraussichtlich April 2019“ abgeschlossen sein.