Im Prozess um den Diebstahl der Goldmünze „Big Maple Leaf“ rücken die Sicherheitsvorkehrungen des betroffenen Bode-Museums immer mehr in den Mittelpunkt des Verfahrens. Dass es um die nicht unbedingt zum Besten stand, wurde auch beim Fortsetzungstermin am Montag deutlich. Da sagte der Referatsleiter Sicherheit der Staatlichen Museen zu Berlin, zu denen auch das Bode-Museum gehört, als Zeuge aus.
Knapp zwei Stunden lang wurde der Sicherheitschef vom Gericht und den Anwälten befragt. Dabei kam heraus, dass es bereits wenige Tage vor der angeklagten Tat einen Einbruchsversuch gab, dieser aber nicht als solcher erkannt wurde. Dabei war die Scheibe eines Fensters zersplittert und ein Sicherungsbolzen beschädigt worden. Es habe eine Störungsmeldung gegeben, als Einbruchsversuch sei der Vorfall allerdings „nicht wahrgenommen worden“. Über dieses Fenster waren die Täter am 27. März 2017 in das Museum eingedrungen, um die Goldmünze zu entwenden. Die Reparatur des Fensters war bereits Tage vor dem Diebstahl in Auftrag gegeben, zum Tatzeitpunkt aber noch nicht ausgeführt worden.
Fenster ist von außen nicht zu öffnen
Das Fenster, das zu einem Umkleideraum für Museumsmitarbeiter führt, war Verantwortlichen und Mitarbeitern schon seit Jahren als Schwachstelle bekannt, ebenso wie gelegentliche Störungen der elektronischen Sicherung. Mehrere Zeugenaussagen in dem laufenden Prozess deuten darauf hin, dass die Schwachstellen unter den Mitarbeitern des Museums kein Geheimnis war.
Das Fenster, um das sich in diesem Fall offenbar alles dreht, spielt auch für die Staatsanwaltschaft eine wichtige Rolle. Unklar ist dabei, wie die Täter ins Gebäude gelangten, das Fenster ist von außen nicht zu öffnen. Schwierig, aber nicht unmöglich, scheint eine Öffnung von innen, die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter Helfer aus dem Haus hatten. Zwar waren die Griffe zur Verriegelung des Fensters entfernt worden, der Zeuge äußerte am Montag allerdings, eine Entriegelung sei wohl auch mittels eines Vierkantschlüssels möglich. Rückschlüsse auf die Sicherheitsmaßnahmen lässt auch eine weitere Aussage des Zeugen zu. Auf die Bitte der Vorsitzenden, die Abläufe der nächtlichen Kontrollgänge zu schildern, äußerte der Zeuge, da müsse man differenzieren zwischen den Abläufen, wie sie sein sollten und wie sie tatsächlich waren.
Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter mehrere Versuche starteten, bis der spektakuläre dann schließlich gelang. Einer Antwort auf die Frage, ob es sich bei den Angeklagten um die Täter handelt, ist man in der bisherigen Beweisaufnahme allerdings noch nicht wirklich näher gekommen. Die vier Männer, von denen drei der Großfamilie R. angehören, schweigen bislang zu den Vorwürfen, ihre Verteidiger bestritten bereits zum Prozessauftakt eine Beteiligung ihrer Mandanten.
Klar wurde am Montag, dass die Täter die offenbar letzte Möglichkeit nutzten, um im Bode-Museum an die Münze zu gelangen. Das 3,75 Millionen Euro teure Exponat sollte wenige Tage nach dem Einbruch in eine andere Ausstellung überführt werden. Der Prozess wird am 4. Februar fortgesetzt.


