Bode-Museum

Prozess um gestohlene Münze: Clan-Mitglieder schweigen

Das äußerst wertvolle Ausstellungsstück ist nach dem Diebstahl wohl für immer verloren. Nun stehen vier Tatverdächtige vor Gericht.

Vor dem Landgericht in Berlin begann am Donnerstag der Prozess im Fall der gestohlenen Goldmünze aus dem Bode-Museum. Ein Angeklagter verbirgt sein Gesicht hinter einer Mappe.

Vor dem Landgericht in Berlin begann am Donnerstag der Prozess im Fall der gestohlenen Goldmünze aus dem Bode-Museum. Ein Angeklagter verbirgt sein Gesicht hinter einer Mappe.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Goldpartikel in einem Mercedes sind eines der wichtigsten Beweismittel bei den Ermittlungen zu dem spektakulären Münzdiebstahl im März 2017 im Bode-Museum. Der Wagen gehört einem Mitglied der polizeibekannten arabischen Großfamilie R. Drei Angehörige des Clans stehen seit Donnerstag vor Gericht. Ein vierter Angeklagter soll als damaliger Wachmann im Museum wichtige Informationen zur Durchführung des Einbruchs gegeben und den Tatort zuvor ausgekundschaftet haben. Dem Quartett wird Diebstahl in einem besonders schweren Fall vorgeworfen, die mögliche Höchststrafe im Falle eines Schuldspruchs beträgt zehn Jahre.

Sie wiegt 100 Kilo, hat die Größe eines Autoreifens, kommt auf einen Wert von etwa 3,7 Millionen Euro und ist eine absolute Rarität. Beziehungsweise war eine Rarität, denn mit hoher Wahrscheinlichkeit existiert sie gar nicht mehr, die aus dem Museum entwendete Goldmünze „Big Maple Leaf“, von der nur fünf Exemplare geprägt wurden.

Der große Schwurgerichtssaal 700 im Landgericht Moabit war zum Prozessauftakt bis auf den letzten Platz gefüllt, schon eine Stunde vor Prozessbeginn herrschte großer Andrang, Ausdruck eines riesigen Medieninteresses. Auch die Zahl der Prozessbeteiligten kann sich sehen lassen. Die vier Angeklagten werden von acht Anwälten verteidigt, die Staatsanwaltschaft hat zwei Vertreter in die Verhandlung geschickt. Und da drei der vier Angeklagten zur Tatzeit noch Heranwachsende (unter 21 Jahren) waren, sind auch drei Vertreter der Jugendgerichtshilfe anwesend.

Hinter den Plätzen der beiden Staatsanwälte stapeln sich knapp zwei Dutzend prall gefüllte Aktenordner. Sie erhalten das Ergebnis höchst aufwendiger und langwieriger Ermittlungen in dem Fall. Im Landeskriminalamt ist eigens eine Sonderkommission eingerichtet worden, die Staatsanwaltschaft hat 50 richterliche Beschlüsse für Telefonüberwachung von Verdächtigen und deren Umfeld erwirkt. Fahrzeuge der Verdächtigen wurden über GPS beobachtet, und bei Durchsuchungen in mehr als 30 Objekten kamen Spürhunde zu Einsatz. Die Polizei hat alles getan, um den Fall aufzuklären. Ob das für eine Verurteilung der Angeklagten reicht, muss die weitere Verhandlung zeigen.

Polizei fahndet mit Video nach Münzräubern

Der Fall hat nicht nur in Berlin, sondern auch deutschlandweit und selbst im Ausland Aufsehen erregt, insbesondere in Kanada, wo die Münze geprägt worden war. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen sollen die Angeklagten Wayci (24), Wissam (20) und Ahmed R. (20) am 27. März 2017 zwischen 3.20 Uhr und 3.50 Uhr durch das einzige nicht ans elektronische Sicherungssystem angeschlossene Fenster des Museums in einen Umkleideraum für Mitarbeiter im zweiten Stock eingestiegen sein. Nach dem Zertrümmern einer Vitrine sollen sie die Münze dann ins Freie gehievt, mittels einer Schubkarre entlang der Bahngleise bis zum Monbijoupark transportiert und dort mit einem Seil zu einem bereitstehenden Fluchtwagen heruntergelassen haben. Der Angeklagte Denis W. war als Wachmann der Tippgeber. Die Anklage stützt sich auf zahlreiche Hinweise von Zeugen, Informationen eines V-Mannes und vor allem auf ein Gutachten, wonach Goldpartikel, die in dem auf ein Mitglied der Familie R. zugelassenen Mercedes gefunden wurden, den gleichen, hohen Reinheitsgehalt haben sollen wie die gestohlene Münze.

Prozessauftakt verläuft erstaunlich reibungslos

Der erste Verhandlungstag verlief – durchaus ungewöhnlich für derartige Prozesse – ruhig und reibungslos. Die Fülle von Anträgen, die einen Prozess schon mal zu einer holprigen und mühsamen Angelegenheit machen, blieb vollständig aus. Die nicht in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten bahnten sich ihren Weg durch das Blitzlichtgewitter der Fotografen in den Saal mit schützend vor das Gesicht gehaltenen Zeitschriften, unter anderem einem Modejournal „Für die moderne Frau“ und einem Wissenschaftsmagazin. Kurierfahrer, Student und zweimal Schüler gaben sie auf Befragen der Vorsitzenden als Berufe an. Ansonsten schwiegen sie zum Prozessauftakt.

Dafür gaben zwei Verteidiger Erklärungen ab und sorgten für ein erstes Ausrufezeichen. Die Ermittlungen bezeichneten sie als einseitig, die Ergebnisse als dürftig. Ein Verteidiger verwies zudem darauf, dass sich ein weiterer in der Tatnacht anwesender Wachmann zum Zeitpunkt des Diebstahls vorschriftswidrig statt auf seinem Rundgang im Keller aufgehalten haben soll. Trotz dieses auffälligen Verhaltens sei der Mann schnell als Tatverdächtiger ausgeschlossen worden. Für die Verteidigung ein Beleg, dass sich die Ermittlungen ausschließlich auf Mitglieder der Familie R. konzentrierten. Beamte der Sonderkommission werden sich an den nächsten Prozesstagen als Zeugen dazu noch äußern und vermutlich bohrenden Fragen der Anwälte stellen müssen.

Als wichtiger Zeuge wird auch der ehemalige Sicherheitschef des Museums erwartet. Bei seiner Befragung wird es wohl auch um Berichte gehen, wonach an dem Fenster, durch das die Täter ins Museum gelangten, bereits vor dem Diebstahl Spuren eines Einbruchsversuches entdeckt, aber nicht der Polizei gemeldet worden waren. Für den Prozess sind zwölf Verhandlungstage angesetzt, Fortsetzung ist am 14. Januar.

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