Es sind viel mehr Menschen gekommen als erwartet: Zu der „unteilbar“-Kundgebung am Sonnabend waren 40.000 Demonstranten angemeldet. Am Ende aber marschierten nach Angaben der Veranstalter mehr als 240.000 Teilnehmer vom Alexanderplatz bis zum Großen Stern. Sie alle kamen zusammen, um gegen einen Rechtsruck in Deutschland und für mehr Weltoffenheit zu demonstrieren. Aber auch um ihren Unmut gegen Diskriminierung und Kürzungen im Sozialsystem kundzutun.
Zehntausende demonstrieren gegen Rassismus
Der 29 Jahre alte Nikolas stammt ursprünglich aus Kassel, in Berlin ist er nur zu einem Wochenendbesuch. An der „unteilbar“-Demonstration teilzunehmen, ist für ihn aber dennoch eine Herzensangelegenheit. Er sagt: „In einer Zeit, in der die Gesellschaft sowohl in Deutschland, aber auch auf der ganzen Welt, immer mehr nach rechts rückt, will ich ein Zeichen für Toleranz setzen.“
Ein Sprecher der Polizei berichtete von einer „bunten Mischung“ und einer „vielfältigen Veranstaltung“. Störungen oder besondere Vorkommnisse habe es nicht gegeben, auch keine Gegendemonstrationen. Die Polizei war mit bis zu 900 Beamten im Einsatz. Die Veranstalterangaben zur Zahl der Teilnehmer wollte der Sprecher zunächst nicht kommentieren. Auf Twitter allerdings teilte die Polizei Berlin über ihren offiziellen Kanal mit: „Wir haben bisher nicht festgestellt, dass die Zählungen des Versammlungsleiters unrealistisch wären.“
Friedliche Demonstration quer durch Berlin
Die unzähligen Demonstranten jedenfalls marschieren friedlich durch die Straßen Berlins. Punks laufen neben Eltern mit kleinen Kindern, die an Brezeln rumkauen. Senioren gehen neben Männern her, die eine Regenbogenfahne um die Schultern gebunden haben. Von einem Demonstrationswagen schallt es aus einem Lautsprecher: „Liebe ist ein Menschenrecht.“
Diese bunte Mischung – auch an Themen – lässt sich mit den vielen ganz unterschiedlichen Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen erklären, die zu dieser Demonstration aufgerufen haben. Dazu gehören neben der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung auch der Zentralrat der Muslime. Neben dem deutschen Mieterbund und dem paritätischen Wohlfahrtsverband läuft die linksradikale interventionistische Linke mit. Den kleinsten gemeinsamen Nenner haben alle zusammen in dem Motto „Für eine offene und freie Gesellschaft – Solidarität statt Ausgrenzung“ gefunden.

Ausdrücklich gegen eine Teilnahme an der Demonstration ausgesprochen hat sich die Berliner CDU. Berlins Generalsekretär Stefan Evers sagte auf dem Landesparteitag der Union: „Der Aufruf zu der Demonstration enthält eine lange Reihe wohlklingender Forderungen. Das Entscheidende aber muss sein, wer am Ende hinter einer solchen Demonstration steht. Unter den Anmeldern ist auch ein Anwalt der ‚Roten Hilfe‘. Diese Gruppe unterstützt linksextremistische Verbrecher und Hausbesetzer. Auch andere viele dubiose Organisationen tragen diese Demo mit.“ Wenn demokratische Politiker oder gar Minister Seite an Seite mit linksextremistischen Organisationen durch die Stadt zögen, sei das entweder naiv oder politisch unverantwortlich, so Evers. „Die CDU wird die AfD immer bekämpfen, weil sie keine Distanz zu den Rechtsextremisten kennt. Genauso stellen wir uns aber auch gegen Linksextremisten“, sagte Evers,
Das sieht die 32 Jahre alte Marie aus Spandau ganz anders. Gemeinsam mit ihren beiden kleinen Kindern läuft sie bei der Demonstration mit. „Ich möchte eine friedvolle Welt für meine beiden Töchter“, sagt sie. „Ich will nicht, dass sich Geschichte wiederholt. Aber mit der AfD an der Macht habe ich genau davor Angst.“

Zum Abschluss der Großdemonstration gab es ein Konzert an der Siegessäule. Dort traten unter anderem die Musiker Herbert Grönemeyer, Konstantin Wecker, Dirk von Lowtzow von der Band Tocotronic sowie Joy Denalane und weitere Künstler auf.

















