Stadtentwicklung

Erhebliche Bedenken gegen Turm am Alexanderplatz

Die Berliner Verkehrsbetriebe sehen ihre U-Bahntunnel am Alexanderplatz durch das geplante 150 Meter hohe Hochhaus gefährdet.

Über den Turm des Architekten Frank O. Gehry wird seit Jahren diskutiert (Simulation)

Über den Turm des Architekten Frank O. Gehry wird seit Jahren diskutiert (Simulation)

Foto: Manuel Walter (FHP)

Von den aufstrebenden Plänen kündet bislang nur der Bauzaun, an dem die Passanten am Alexanderplatz täglich vorbeilaufen. Dahinter passiert nichts. Berlins Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) kann noch keinen Durchbruch in den Verhandlungen über das geplante 150 Meter hohe Hochhaus des amerikanischen Investors Hines nördlich des Shoppingcenters "Die Mitte" vermelden. "Das Bebauungsverfahren wird erst aufgenommen, wenn die Nachbarschaftsvereinbarung von BVG und Hines unterschrieben ist", sagte die Senatorin am Wochenende auf Anfrage der Berliner Morgenpost. "Derzeit sieht die BVG sich außerstande, die Vereinbarung zu unterzeichnen."

Während der Bezirk Mitte im März die Baugenehmigung für den 150 Meter hohen Alexander Capital Tower der russischen Monarch-Gruppe neben dem Einkaufszentrum Alexa erteilt hat und es dort im Frühjahr 2018 losgehen soll, stockt das Hines-Projekt noch immer.

2013 wurden die Planverfahren auf Eis gelegt

Nach einem Entwurf des Star-Architekten Frank O. Gehry soll ein 39-stöckiger Hines-Turm mit Wohnungen und einem Hotel gebaut werden. Der Bau mit dem Grundriss eines vierblättrigen Kleeblatts sollte eigentlich schon 2015 beginnen. Er sollte nach den Vorstellungen der Investoren das neue Wahrzeichen Berlins werden. Mitte 2013 aber meldeten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Bedenken an, das Planverfahren wurde daraufhin unterbrochen. Der Grund: Das Hochhaus sollte ursprünglich weiter südlich am Alexanderplatz errichtet werden. Nach den damals veränderten Plänen steht der Wolkenkratzer aber über den Schächten für die U-Bahnlinie 5, auch die Trasse für die U2 verläuft in diesem Bereich. Die BVG sieht ihre Befürchtungen, dass die U-Bahntunnel unter den Lasten wegbrechen könnten, bis heute nicht ausgeräumt.

Nicht nur, dass durch den Bau möglicherweise Menschenleben gefährdet werden, bei einer Havarie müsste der U-Bahn-Betrieb unter Berlins verkehrsreichsten Platz für lange Zeit unterbrochen werden, gibt eine BVG-Sprecherin zu bedenken. "Solange es Sicherheitsprobleme gibt, steht ein Baubeginn außer Frage", betont sie.

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"Wir sehen nach wie vor erhebliche Risiken"

Nach Informationen der Berliner Morgenpost wurden die Sorgen der BVG unter Sigrid Nikutta jüngst erneut in einem Schreiben formuliert. "Wir sehen nach wie vor erhebliche Risiken für die U-Bahnanlagen und den U-Bahnbetrieb, sollte dieses Bauvorhaben so wie geplant realisiert werden", bestätigte am Wochenende BVG-Sprecherin Petra Reetz der Berliner Morgenpost.

Christoph Reschke, Geschäftsführer der deutschen Niederlassung von Hines, sagte auf Anfrage: "Wir sind zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden." Man sei "in guten Gesprächen mit der BVG" – hinsichtlich der gutachterlichen Überprüfung des Baugrundes sowie der Anpassung der Statik. Außerdem ist laut dem Investor eine auskömmliche Schadensregelungslösung vorgesehen, sollte es zu einem Schaden kommen. Davon sei aber nicht auszugehen: Es handele sich um die wohl am besten untersuchte Baustelle Berlins, so der Investor. Reschke betonte: "Wir wollen endlich das Signa­l bekommen, loslegen zu können."

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