Die Grundsatzdiskussion nicht davor, sondern währenddessen: Bei zwei Hochhaus-Projekten an der Hertzallee will der Senat gegen den Willen der Bezirke übernehmen. Von Philipp Siebert Spätestens mit dem Bau des Zoofensters und des Upper Wests war klar: Die City West wächst auch nach oben. Geht es nach der AG City, sind die 118,8 Meter beider Gebäude aber nicht genug. Auf ihre Initiative hat der Architekt Christoph Langhof Ein Wolkenkratzer für den Hardenbergplatzerstmals vor drei Jahren seine Pläne für das "Hardenberg" vorgestellt: Ein 209 Meter hoher Turm, den er gern in die Mitte des Hardenbergplatzes bauen will. Sollte Langhof seine Pläne eines Tages realisieren dürfen, würde sein Gebäude das Park Inn am Alexanderplatz und die Treptowers (jeweils 125 Meter) als höchste Häuser Berlins ablösen. Nach aktuellem Stand wäre es hinter zwei Wolkenkratzern in Frankfurt (Main) auch das dritthöchste Haus Deutschlands.

Eine Baugenehmigung für das Hardenberg liegt allerdings noch in weiter Ferne. Schneller soll es aber bei zwei anderen Hochhaus-Projekten in unmittelbarer Nachbarschaft auf der anderen Seite des Bahnhofs Zoo gehen. Denn hier will der Berliner Senat jetzt die Federführung übernehmen, die bisher noch in Bezirkshand liegt.
Zwei weitere Hochhäuser am Zoo geplant
Konkret geht es zum einen um das Gelände der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) zwischen Hardenbergstraße und Hertzallee. Die plant dort den Bau eines 100 Meter hohen Büroturms. In ihm sollen 1300 Mitarbeiter der Bundesbehörde Platz finden. Das bisherige Gebäude reicht lediglich für 600 Beschäftigte.

Ein weiteres Hochhaus ist auf dem Areal nördlich der Hertzallee geplant, das bereits im Bezirk Mitte liegt. Es wird bisher zum Teil von der BVG als Betriebshof genutzt. Auf der Brachfläche daneben Das Riesenrad-Gelände ist verkauftwar lange Zeit ein Riesenrad geplant, was mit der Pleite des Projektentwicklers scheiterte. Vor zweieinhalb Jahren wurde das Areal "Hertzallee Nord" vom Münchner Investor Reiß & Co. Real Estate gekauft. Dieser plant dort einen Gebäudekomplex mit Büros, einem Hotel und 400 neue Wohnungen - davon 100 Sozialwohnungen.

Auf diesen beiden Arealen will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Bebauungsplanverfahren nun an sich ziehen. Damit könnte der Streit zwischen dem Land Berlin und den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte um die Zuständigkeit erneut ausbrechen. Dieser schien bisher beigelegt.
Bezirk will zunächst Grundsatzdiskussion führen
Denn im Was sich in der City West alles ändertMai 2017 verkündete Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) eine Einigung. Die "Historie gegenseitiger Beschimpfungen" sei vorbei. Man wolle nun gemeinsam eineinhalb Jahre an einem Masterplan für die City West für den Bereich zwischen Ernst-Reuter-Platz, Technischer Universität, Bima-Gelände und Hardenbergplatz arbeiten. Erst danach sollte entschieden werden, wer welche Bebauungspläne übernimmt. Davon ist der Senat augenscheinlich nun wieder abgerückt. Lediglich der Hardenbergplatz soll zumindest zunächst in Bezirkshand bleiben. "Man würde jetzt gerne mal zu Potte kommen wollen", habe die Senatsverwaltung Schruoffeneger und seinem Amtskollegen aus Mitte, Ephraim Gothe (SPD), mitgeteilt. Dies sei vor allem vor dem Hintergrund unglücklich, dass der erwartete Senatsbaudirektorin braucht mehr Zeit für Hochhaus-PlanHochhausentwicklungsplan noch nicht vorliegt. Auf ihn hatte sich Rot-Rot-Grün im Koalitionsvertrag geeinigt. Auf seiner Grundlage sollen nicht nur die Hochhauspläne am Zoo diskutiert, sondern Standorte und Hochhausachsen in ganz Berlin festgelegt werden. Die Arbeitsgruppe, die ihn auf den Weg bringen soll, ist bislang aber noch nicht einmal zusammen gekommen.

"Bevor wir den Hochhausentwicklungsplan überhaupt diskutieren, schon Setzungen für zwei Grundstücke zu machen, halte ich nicht für die geschickteste Lösung", kritisiert Schruoffeneger. Denn es gebe viele Hochhausvorhaben im Bezirk. Einzeldiskussionen mit Investoren verweigere er jedoch bisher. Dabei würde er stets auf die anstehende stadtweite Gesamtdiskussion verweisen. Diese Argumentation drohe ihm nun weg zu brechen, weil es dann heißen würde: "Warum die und wir nicht?" Im Senat sehe man das jedoch anders. „Da gibt es Druck vom Investor", vermutet der Stadtrat.
Senat will laufende Projekte nicht auf Eis legen
"Dass die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen das Bebauungsplanverfahren für die Bereiche zwischen Hardenbergstraße und Hertzallee (Bima) und Hertzallee Nord (ehemals Riesenrad) nun an sich ziehen will, hat nichts mit Investorendruck zu tun", teilte Sprecherin Katrin Dietl auf Morgenpost-Anfrage mit. Vielmehr habe es bereits vor den Wahlen mit den Bezirken einen Konsens darüber gegeben, dass der Senat die Verfahren übernimmt. Die Rahmenbedingungen seien vor Jahren in einem städtebaulichen Wettbewerb einvernehmlich geklärt worden. Doch kurz vor der Wahl hatte der damalige Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) noch angekündigt, ein Masterplan-Verfahren direkt nach der Wahl zu eröffnen.

Auch am übergeordneten Hochhausleitbild werde gearbeitet, so Dietl. Dieses komplexe Thema sei aber nicht von heute auf morgen erledigt. "Laufende Projekte werden deshalb nicht angehalten oder so lange auf Eis gelegt, bis der übergeordnete Plan steht, sondern den entsprechenden Planungen folgend weitergeführt." Ferner sei auch die Nutzung eines Teils des Geländes durch die BVG ein Grund für die Übernahme. Das sei ein übergeordnetes Thema und hat "im Rahmen der wachsenden Stadt und wachsender Infrastrukturanforderungen eine erhöhte und übergeordnete Priorität". Der gesamte Planungsprozess werde aber weiterhin in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Bezirken geführt.
Zustimmung des Rats der Bürgermeister unwahrscheinlich
Allerdings braucht der Senat die Zustimmung des Rats der Bürgermeister, wenn er Verfahren an sich ziehen will. Dieser würde aber in der Regel ablehnen, wenn auch der betroffene Bezirk ablehnt, so Schruoffeneger. Mit dem Bezirk Mitte würde man sich wohl auch in diese Richtung einigen können. Dann liegt die Entscheidung beim Abgeordnetenhaus. Auf Bezirksebene möchte sich der Stadtentwicklungsausschuss nun noch einmal eingehender mit dem Thema befassen. Die Vorsitzende Susanne Klose (CDU) will eine Sondersitzung anberaumen, in der auch Vertreter der Bima ihre Pläne vorstellen sollen - vorzugsweise noch in diesem Jahr.

