Schon wieder ist es am Fuß des Fernsehturms nahe dem Alexanderplatz in Mitte zu einer blutigen Straftat gekommen. In der Nacht zum Dienstag waren am Neptunbrunnen an der Spandauer Straße mehrere Menschen aufeinander losgegangen. Das Ergebnis: zwei leicht und ein schwer verletzter Mann.

Zu der Auseinandersetzung unweit des Eingangsportals zum Roten Rathaus war es kurz nach Mitternacht gekommen. Nach Angaben der Polizei hatte der Flaschenwurf eines Unbekannten in Richtung einer Gruppe die Schlägerei ausgelöst. Diesem vermeintlichen Angriff folgte ein Handgemenge, bei dem einer der Beteiligten Reizgas versprühte.

Dadurch wurden ein 18- sowie ein 20-Jähriger leicht an den Augen verletzt. Ein 21-Jähriger erlitt eine schwere Schnittverletzung, als ihm laut Zeugenaussagen ein Unbekannter nach der Schlägerei mit einem Messer folgte und ihn angriff. Der Verletzte konnte sich mit einer Stichwunde im Oberkörper vom Neptunbrunnen noch zur Liebknechtbrücke am Berliner Dom schleppen. Dort brach er zusammen.

600 Gewaltdelikte 2016 am Alexanderplatz registriert

Durch Rettungskräfte der Feuerwehr wurde der junge Mann in eine Klinik gebracht und dort stationär versorgt. Er schwebt nach Angaben der Polizei nicht in Lebensgefahr. Bei den verletzten Männern handelt es sich um einen Mann aus dem Irak und zwei aus Syrien. Zwei Tatverdächtige wurden nach Zeugenangaben von der Polizei in Tatortnähe festgenommen.

„Bereits vier Minuten nach dem ersten Alarmruf waren Polizeibeamte am Einsatzort“, sagte ein Sprecher der Polizei. Die Ermittlungsarbeit gestalte sich aber schwierig. Zur Aufklärung müssten eigens Dolmetscher hinzugezogen werden. Nur mit deren Hilfe sei es möglich, den genauen Tathergang zu rekonstruieren.

Trotz vieler Polizeieinsätze sind die Gewalttaten am Alexanderplatz nicht weniger geworden. Im vergangenen Jahr kam es zu etwa 600 Gewaltdelikten wie Körperverletzungen, Raubüberfällen, Bedrohungen und Freiheitsberaubungen. Das heißt: Beinahe täglich registriert die Polizei dort zwei Straftaten. Und diese Anzahl ist seit 2011 etwa gleich hoch.

Der Alex ist Kriminalitätsschwerpunkt

481 der Gewaltdelikte am Alexanderplatz waren im vergangenen Jahr Körperverletzungen. In 62 Fällen ging es um Nötigung und Bedrohung, 51-mal um Raub. Vergewaltigung, Mord und Totschlag wurden dreimal regis­triert. Seit 2012 hat die Polizei daher ihre Präsenz auf dem Platz verstärkt und den angrenzenden Bereichen erhöht. Denn insbesondere während der lauen Sommernächte kommt es dort oft zu Zusammenstößen Betrunkener und auch rivalisierender Gruppen.

Der tödliche Angriff auf den damals 20-jährigen Jonny K. im Oktober 2012 hatte den Alexanderplatz dann endgültig zu einem der Kriminalitätsschwerpunkte in Berlin gemacht und bundesweit Entsetzen sowie eine hitzige Debatte über Jugendgewalt ausgelöst. Jonny K., der auf dem Alexanderplatz in Berlin von sechs jungen Männern getreten worden war, hatte die Attacken nicht überlebt.

Mit gezielten Fußtritten gegen den Kopf hatten sie ihn bewusstlos getreten, sodass er wenige Tage nach dem Überfall in einem Krankenhaus an den Folgen starb. Das Berliner Landgericht hatte die sechs Schläger zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Unter ihnen war auch ein Boxer, er bekam viereinhalb Jahre Jugendhaft.

Die anderen fünf Angeklagten im Alter zwischen 19 und 25 Jahren wurden wegen gefährlicher Körperverletzung zu Freiheitsstrafen zwischen zwei Jahren und drei Monaten und zwei Jahren und acht Monaten verurteilt.

Eindämmung der Kriminalität durch mehr Polizeipräsenz

Nur wenige Wochen nach der schrecklichen Tat entschied sich die Berliner Polizei für den Einsatz eines Kontaktmobils am Alexanderplatz. Es ist ein mit Polizisten besetzter Bus, der tagsüber und an den Wochenenden auch nachts dort im Einsatz ist. Sollten Besucher des Platzes beispielsweise Opfer einer Straftat geworden sein, erhalten sie dort sofort Hilfe.

Doch das Areal rund um den Fernsehturm ist weitläufig und zum Teil für die Beamten schwer einzusehen. Denn schließlich erstreckt es sich vom Hotelkomplex an der Alexanderstraße bis zum Roten Rathaus an der Spandauer Straße, vorbei am Brunnen der Freundschaft, den Wasserspielen unter dem Fernsehturm und dem Neptunbrunnen.

Forderung nach Einsatz von Tasern

Auch der Neptunbrunnen stand in der Vergangenheit mehrfach im Fokus zahlreicher Polizeieinsätze. Einer der tragischsten war der Tod eines Mannes durch einen Schuss aus der Dienstwaffe eines Polizeibeamten im Jahr 2013. Ein damals 31-Jähriger hatte sich Ende Juni in dem Brunnen mit einem Messer selbst verletzt und dann einen Polizisten angegriffen. Dieser zog seine Dienstwaffe. Der 31-Jährige erlitt einen Lungendurchschuss und starb.

Auch dieser Fall hatte in der Öffentlichkeit zu einer breiten Diskussion geführt. Die Forderung nach dem Einsatz von Tasern kam erneut auf die Tagesordnung. Beinahe vier Jahre später, im Februar diesen Jahres, gab es dann grünes Licht für einen ersten Testlauf zum Einsatz dieser Waffen bei der Berliner Polizei.

Getestet wird, inwieweit sich die Elektroschocker neben anderen Einsatzmitteln wie etwa Tränengas, Pfefferspray oder Schusswaffen für den täglichen Dienst eignen. Bisher war der Einsatz der „Elektroimpulsgräte“, wie sie offiziell heißen, lediglich auf Spezialeinheiten der Polizei beschränkt.

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