Kriminalität in Berlin

An diesen Orten müssen Berliner und Touristen aufpassen

Diebstahl, Drogen, Gewalt - In Berlin gibt es gefährliche Ecken, vom Alexanderplatz über die Warschauer Brücke bis zum Tiergarten.

Der Alexanderplatz ist aufgrund vieler Gewaltdelikte einer der gefährlichsten Orte Berlins. Hier soll bald eine mobile Wache entstehen, um die Lage zu beruhigen

Der Alexanderplatz ist aufgrund vieler Gewaltdelikte einer der gefährlichsten Orte Berlins. Hier soll bald eine mobile Wache entstehen, um die Lage zu beruhigen

Foto: Reto Klar

Die Berliner Polizei hat erstmals eine Liste mit Berlins gefährlichsten Orten veröffentlicht. Bislang hatte es die Behörde stets abgelehnt, die Liste zu publizieren, da befürchtet wurde, dass die Ermittler im Kampf gegen Kriminelle taktische Nachteile haben könnten. Denn an diesen Orten darf die Polizei, wie berichtet, verdachtsunabhängig durchsuchen und Identitäten feststellen. Der rot-rot-grüne Senat hatte aber im Koalitionsvertrag festgelegt, dass es in diesem Bereich mehr Transparenz geben soll. In einem Schreiben an die Polizei hatte Innenstaatssekretär Torsten Akman nun die Veröffentlichung der Liste angeordnet.

Wie die besondere Gefahrenlage ermittelt wird

Demnach gibt es in Berlin drei Direktion mit insgesamt zehn kriminalitätsbelasteten Orten (kbO). An diesen Orten werden gehäuft Straftaten von erheblicher Bedeutung begangen – das kann von Raubtaten über Brandstiftungen und gefährliche Körperverletzungen bis zu Taschendiebstahl und Drogenhandel reichen. Was zum kbO erklärt wird, entscheiden auf Grundlage einer Einschätzung der örtlichen Direktion LKA, Justiziariat und der Stab des Präsidenten. "Sobald die Zahl der erfassten Straftaten zurückgeht und sich die Sicherheitslage in diesem Bereich nachhaltig verbessert, wird der kbO auch wieder aufgehoben", sagt Polizeisprecher Winfrid Wenzel. So wurden in den vergangenen Jahren mehr als zehn kbO aufgehoben. Laut Polizei sind das Berlins gefährlichste Orte.

Alexanderplatz

Auf dem Alexanderplatzes gibt es verhältnismäßig viele Rohheitsdelikte durch Gruppengewalt. Spätestens seit dem Todesfall Jonny K. 2012 wird eine breite öffentliche Debatte über Gewalt am "Alex" geführt. Nun soll dort noch in diesem Jahr eine mobile Wache entstehen, um die Lage zu beruhigen. Das ist auch nötig: Denn allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres wurden bereits 180 Gewaltverbrechen am "Alex" registriert. 2016 waren es insgesamt 618 Fälle, im Jahr davor 601. Würde man das erste Quartal auf das ganze Jahr umlegen, läge die Zahl mit insgesamt 720 Gewaltverbrechen sogar deutlich über der aus den Vorjahren. Doch die Entwicklung in einzelnen Kriminalitätsfeldern gibt auch Anlass zur Hoffnung. Vergleicht man etwa die ersten Quartale 2017 und 2016 gab es bei Raub (von 16 auf zehn) und Taschendiebstahl (von 480 auf 236) jeweils einen Rückgang der Straftaten.

Kleiner Tiergarten

Seit Monaten schon sorgt der Kleine Tiergarten für negative Schlagzeilen: Drogenhandel, Gewaltkriminalität und Diebstähle. Seit Februar 2016 werden laut Polizei verstärkt Einsätze mit unterschiedlichem Kräfteansatz im Bereich des Kleinen Tiergarten durchgeführt. In der Zeit von Januar bis März 2017 fanden insgesamt 68 Einsätze mit 733 Polizisten statt. Der Kleine Tiergarten ist der Polizei einschlägig als Rauschgift-Umschlagplatz bekannt.

Schöneberg-Nord im Bereich Nollendorfplatz und Teile des "Regenbogenkiezes"

Der sogenannte Regenbogenkiez um den Nollendorfplatz ist das Mekka der lesbischen und schwulen Szene in der Hauptstadt. Neu ist, dass es in Berlins tolerantestem Kiez immer mehr Fälle von Hasskriminalität, wo Menschen gezielt wegen ihrer sexuellen Orientierung angegriffen werden, gibt. Allein zwölf Fälle zählte die Polizei im Zeitraum von Mai 2016 bis März 2017 rund um den Nollendorfkiez. Im vergleichbaren Zeitraum ein Jahr davor war es ein Fall. Außerdem kam es zu Sachbeschädigungen (167), massivem Diebstahl (2276), Raub (70), Beleidigungen (113), Bedrohungen (38). Viele der Diebstahlstaten werden mit dem "Antanz"-Trick" oder ähnlichen Maschen durchgeführt. Weil es in diesem Gebiet auch viel Straßenprostitution gibt, könnte die Berliner Polizei hier auch verdachtsunabhängig kontrollieren, wenn das Areal kein kbO wäre. Das erlaubt das Allgemeines Sicherheits- und Ordnungsgesetz.

Görlitzer Park

Der Görlitzer Park in Kreuzberg ist für die Berliner Polizei einer der Haupteinsatzpunkte. Gemeinsam mit der Warschauer Brücke und dem Kottbusser Tor werden die drei Orte auch als "Achse des Bösen" bezeichnet. Leistete die Polizei im März 2016 noch 31 Einsätze und 3558 Einsatzstunden, waren es im März dieses Jahres 38 Einsätze und 4313 Einsatzstunden. Und das scheint sich auszuzahlen. Registrierte die Behörde im März 2016 im Görlitzer Park bei den Rohheitsdelikten wie Körperverletzung und Raub 27 Taten, waren es im März dieses Jahres noch 13. Ähnlich sieht es beim Diebstahl aus: Hier ging die Zahl der erfassten Fälle von 41 auf 38 zurück. Die Zahl der erfassten Drogendelikte stagnierte bei 97.

Warschauer Brücke

Die Zahl der Eigentumsdelikte wie Taschendiebstahl und Kellereinbrüche ging von 151 im März 2016 konstant auf 64 im März 2017 zurück. Im Bereich der Drogendelikte ist im gleichen Zeitraum ein Anstieg von 77 auf 110 registrierte Taten zu verzeichnen. Bei den Rohheitsdelikten stagnieren die Zahlen. Wurden hier im Januar 2016 noch 46 Taten registriert, waren es im März dieses Jahres 48. Auffällig ist, dass 52 Prozent dieser Taten am Sonnabend und Sonntag passieren – also zu der Zeit, zu der in diesem Gebiet in Friedrichshain die meisten Touristen unterwegs sind.

Kottbusser Tor

Sorgenkind bleibt der "Kotti" in Kreuzberg: Im direkten Monatsvergleich werden mehr Rohheitsdelikte (45 auf 62), mehr Diebstähle (111 auf 126) und mehr Drogendelikte (56 auf 106) gezählt. Im Februar startete der Probelauf "Einsatztrupp Kottbusser Tor", um der Lage Herr zu werden. Zudem befahren seit Dezember 2016 zwei uniformierte Streifen mit je fünf Dienstkräften gegenläufig den Streckenabschnitt von der Warschauer Brücke bis zum Kottbusser Tor.

Leopoldplatz

Der Leopoldplatz in Wedding ist besonders wegen Drogenhandels und -missbrauchs bekannt. Zudem kommt es laut Polizei immer wieder zu Überfällen, Taschendiebstahl und Schlägereien. Bezirksstadtrat Stephan von Dassel (Grüne) hatte erst kürzlich einen Plan vorgestellt, wie er den "Leo" wieder aus der Schmuddelecke herausbekommen will. So möchte er etwa ein Alkoholverbot vor dem Rathaus Wedding und einen gemeinsamen Wachdienstes von Kirche, Land und Bezirk einführen.

Hermannstraße/Hermannplatz

Der Hermannplatz und Teile Hermannstraße in Neukölln sind als kbO eingestuft, weil es hier gehäuft zu sämtlichen Arten von Kriminalität kommt. Laut Polizei ist in diesem Bereich viel Bewegung, die Lage diffus. Beim Hermannplatz handelt es sich um einen der Verkehrsknotenpunkte in der Stadt, der zudem in einem sozialen Brennpunkt liege. Es komme häufig zu Körperverletzungen, Diebstahl und Drogendelikten. Aktuelle Zahlen liegen zwar nicht vor, aber allein am U-Bahnhof Hermannplatz hatte 2016 die Gewalt deutlich zugenommen: auf 87 Vorfälle. Im Jahr zuvor waren es lediglich 50. An der Hermannstraße kommt es zudem häufig zu Überfällen und Körperverletzungen, zwischen rivalisierenden arabischen Clans. Auch illegales Glücksspiel ist an der Hermannstraße großes Thema.

Teil der Rigaer Straße

Die Rigaer Straße ist vor allem wegen ständiger Attacken gegen Polizeibeamte als kbO eingestuft. Zudem kommt es hier häufig zu Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Bedrohungen und Propagandadelikten. Vergangene Woche hatte ein öffentlicher Brief eines Bauunternehmers an den Regierenden Bürgermeister und mehrere Senatoren für Aufsehen gesorgt. Darin beklagte der Unternehmer, der an der Rigaer Straße Wohnungen baut, dass er bedroht werde, Autos seines Unternehmens angezündet würden und ein Sicherheitsmitarbeiter krankenhausreif geschlagen worden sei. In ganz Berlin gab es 2016 laut polizeilicher Kriminalitätsstatistik 1378 Fälle. Davon wurden allein 604 Taten in Friedrichshain-Kreuzberg registriert und davon wiederum ein großer Teil an der Rigaer Straße. Allein im Zusammenhang mit den polizeilichen Maßnahmen im Bereich der Rigaer Straße 94 im Zeitraum 22. Juni bis 11. Juli vergangenen Jahres wurden 280 Fälle politisch motivierter Art registriert.

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