Der ehemalige Innensenator und CDU-Landesvorsitzende Frank Henkel gibt sein Amt als Kreisvorsitzender der Union in Mitte ab. In einem Schreiben an die Mitglieder seines Kreisverbandes erklärte Henkel am Freitag, er wolle auf dem Kreisparteitag am 5. Mai nicht mehr für das Amt kandidieren. Zu diesem Entschluss sei er „nach den Erfahrungen der letzten Monate, nach vielen Gesprächen und vor allem nach reiflicher Überlegung“ gekommen. Er sehe dies „auch als Chance für den Kreisverband, sich neu aufzustellen und personell sowie inhaltlich andere Weichen für die künftige Arbeit unserer Partei in Mitte zu stellen“.
Henkel kandidiert im Wahlkreis Mitte für den Bundestag, will dort das Direktmandat holen, wofür ihm allerdings nur sehr geringe Chancen eingeräumt werden. Beobachter gehen übereinstimmend davon aus, dass Eva Högl (SPD) dort erneut den Wahlkreis gewinnt. Frank Henkel ist nicht auf der Landesliste der CDU für den Bundestag abgesichert, der Landesvorstand hatte ihn nicht für einen Listenplatz vorgesehen. Zu einer Kampfkandidatur gegen einen anderen, vom Vorstand vorgeschlagenen Bewerber, trat er bei der Landesvertreterversammlung am vergangenen Sonnabend nicht an.
Henkel nur noch einfacher Abgeordneter
Trotz dieser Ausgangslage hält Henkel an seiner Bundestagskandidatur fest. Das bestätigte er der Berliner Morgenpost am Freitagabend. In dem Schreiben an die Mitglieder heißt es: „In den kommenden Wochen benötige ich noch einmal Ihre Unterstützung, denn es wird darum gehen, dass wir alle gemeinsam noch einmal alles geben, um im Bundestagswahlkampf ein gutes Ergebnis für die CDU zu erzielen, um somit unseren Beitrag zu leisten, Rot-Rot-Grün im Bund zu verhindern.“
Die CDU hatte bei der Abgeordnetenhauswahl im vergangenen September mit 17,6 Prozent ein miserables Ergebnis erzielt. Frank Henkel war Spitzenkandidat seiner Partei. Er kündigte am Montag nach der Wahl an, den CDU-Landesvorsitz abzugeben. Zunächst war geplant, das erst im Juni dieses Jahres zu tun, dann entschied sich die Führungsspitze der Berliner Union, den Wechsel schneller vorzunehmen. Am 2. Dezember wurde Kulturstaatsministerin Monika Grütters zur neuen Landeschefin gewählt.
Henkel hatte Ambitionen, Vizepräsident des Abgeordnetenhauses zu werden. Doch auch hier versagten ihm die Parteifreunde ihre Unterstützung und gaben der stellvertretenden Fraktionschefin Cornelia Seibeld den Vorzug. Frank Henkel ist nun lediglich einfacher Abgeordneter ohne herausgehobene Position in der Unionsfraktion.


