Drei Meter unter der Erde ist die Luft muffig und feucht. Man ahnt, wie der Geruch zu Zeiten des Hochbetriebs sein muss, wenn Tausende Liter Abwasser durch den unterirdischen Hohlraum unter der Bellermannstraße fließen. Jetzt, während hier noch Baustelle ist, ist das Wasser eingesperrt in ein riesiges Rohr, den Hamburger Heber, der sich wie der Schwanz eines Basilisken über den Boden schlängelt und in einem dunklen Loch Richtung Kläranlage verschwindet. „Es würde hier sonst sehr unangenehm riechen“, sagt Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe (BWB).

2000 Kubikmeter Wasser

Nächste Woche soll das Rohr entfernt werden, nachdem fast achtzehn Monate für 2,4 Millionen Euro gebaut wurde. Ziel ist, die Wasserqualität in der Panke zu verbessern – eine Auflage der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt im Rahmen der Renaturierung der Panke. Dafür hat man zunächst die Schwellen der Regenüberläufe erhöht, der Bereiche, in die bei starkem Regen das Wasser aus dem Kanal, der das Abwasser führt, überläuft.

Stephan Natz und Kay Joswig, Leiter der Strategie Abwasserableitung bei den Wasserbetrieben, stehen nun in einem dieser Überläufe. Ein mit Terrakotta-Fliesen ausgekleideter Raum. Eine Mauer trennt ihn von dem Kanal, in dem sonst das Abwasser fließt und in dem momentan noch bräsig der Hamburger Heber liegt. Nach der Erhöhung der Schwelle können hier nun 2000 Kubikmeter Wasser zwischengespeichert werden. Ein Parkhaus für Abwasser. Denn die Mikroorganismen, die in den Klärwerken das Wasser reinigen, brauchen ihre Zeit, bis sie gefressen und verdaut haben, was so in unserem Abwasser umherschwirrt. Bei einer so großen Menge Abwasser hätten sie dafür nicht genügend Zeit, weil das Wasser einfach zu schnell fließen würde.

Rechen entlastet das Pankewasser

„Wenn es jetzt aber einen starken Wolkenbruch gibt, reicht auch dieser Speicher nicht mehr aus“, erklärt Stephan Natz. Das System muss entlastet werden, das Wasser wird in die Panke geleitet. Nur, was für das Wassersystem eine Entlastung ist, ist für den Fluss eine Belastung. Doch schon die erhöhten Schwellen der Regenüberläufe zur Panke helfen. „Bisher kam es etwa 30-mal im Jahr zu einer Entlastung, jetzt werden es nur noch zehn- bis 15-mal sein“, erklärt Kay Joswig.

Und noch eine Neuerung hilft, das Pankewasser zu schonen: ein 15 Meter langer Rechen, einmalig in Berlin. Oberhalb der Schwelle des Regenüberlaufs, wo sich das Wasser über Regenüberlaufkanäle seinen Weg in die Panke bahnen würde, ist er versteckt hinter einer silbernen Abdeckung. Dicht an dicht stehen die silbernen Metallstangen. Sie sollen den groben Dreck auffangen, der sich im ungefilterten Abwasser befindet. Papier, Plastik, Laub. „Von der Zigarettenschachtel bis zu anderen Dingen, die wir an dieser Stelle jetzt nicht benennen möchten“, sagt Natz lachend. Der Dreck bleibt in dem Rechen hängen, sinkt mit dem fallenden Wasserstand nach unten und wird mit dem übrig gebliebenen Abwasser in die Kläranlage gespült. „Das funktioniert absolut wartungsarm“, versichert Joswig. Nur ab und zu müsse man mal nachsehen, ob sich nicht etwas im Rechen verfangen habe.

Das Land Berlin hat mit den Berliner Wasserbetrieben vereinbart, bis 2020 rund 307.000 Kubikmeter unterirdischen Stauraum in den Innenstadtbezirken zu schaffen. 230.000 sind fertig.