Bei Nancy Taege ist mehr oder weniger das ganze Jahr Weihnachten. Sie ist durchweg damit beschäftigt, Geschenke zu verpacken. Die 47-Jährige aus Biesdorf beteiligt sich seit etwa 15 Jahren gemeinsam mit ihrer Familie an der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“. Und dafür packt sie das ganze Jahr Spenden in weihnachtlich dekorierte Kartons. Doch bald schon beginnt wieder die Zeit, in der alle Berlinerinnen und Berliner gefragt sind und fertig gepackte Kartons bei Taege abgeben können, um sie Kindern zum Geschenk zu machen.

„Weihnachten im Schuhkarton“, im deutschsprachigen Raum unter anderem organisiert vom Verein Samaritan’s Purse, ist eine weltweite Aktion, die dazu aufruft, Kindern und Jugendlichen im Ausland rund um die Weihnachtszeit eine Freude zu machen. 239.160 Kartons aus Deutschland wurden im vergangenen Jahr verschenkt. Seit 1993 konnten weltweit etwa 244 Millionen Kinder durch diese christliche Aktion beschenkt werden.

Ehrenamtliche Helfer packen und versenden Weihnachtsgeschenke

Ohne ehrenamtliche Helfer wie Nancy Taege und ihren Mann Markus würde das Verpacken und Verschicken der vielen Kartons nicht funktionieren. Das Haus der Taeges in der Irmfriedstraße in Biesdorf fungiert dabei als Sammelstelle. In der Abgabewoche vom 9. bis 16. November werden Haus, Garten und Garage wieder voll mit den weihnachtlich verpackten Geschenken sein. Freiwillige Helfer unterstützen die Taeges beim Durchschauen und Versenden der Geschenke.

Weihnachten im Schuhkarton
Ein ganzes Zimmer voller Präsente: Die Taeges verpacken das ganze Jahr über Geschenke für Kinder.© FUNKE Foto Services | Florian Boillot

Das Prinzip ist dabei ganz einfach, und dennoch gibt es einiges zu beachten. „Für die Kinder ist es das erste Mal, dass sie etwas geschenkt bekommen“, sagt Nancy Taege. „Die Geschenke sollten dabei unbedingt neu sein.“ Dabei gehe es nicht darum, besonders teure Dinge zu kaufen. Es sollte eine Mischung aus den dringend benötigten und schönen Dingen des Lebens sein. Die noch jungen Empfänger leben in prekären Verhältnissen. Die Familien haben wenig Geld, oft fehlt es am allernötigsten.

Weihnachten im Schuhkarton: Was wirklich in die Pakete gehört

Das erste eigene Paket hat Nancy Taege vor vielen Jahren mit ihrer Mutter und ihren drei Kindern gepackt. „Damals sind bei mir noch Dinge im Karton gelandet, die ich heute nicht mehr verschenken würde“, sagt Taege und lacht. Wenn ein unpassendes Geschenk dabei ist, sortieren die Helfer es aus. „Heute weiß ich es besser und würde allen Spendern sagen: Eure Liebe kommt wirklich bei den Kindern an.“ Für die Kinder sei die Botschaft aber noch viel wichtiger, sagt Taege. „Sie sollen das Gefühl bekommen: Du wirst gesehen, du bist geliebt.“

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Den eigenen Hausrat auszumisten, darum geht es bei „Weihnachten im Schuhkarton“ also nicht. Benötigt werden vor allem Kleidung, Hygieneartikel, Schreibwaren und Schulartikel sowie natürlich Spielzeug. Nicht im Karton landen sollten Gebrauchtes, Zerbrechliches, Süßigkeiten und Lebensmittel sowie Flüssigkeiten. Ungeeignet ist auch Kriegsspielzeug oder Ähnliches, da dies bei Kindern Angst auslösen kann. Zu den Empfängerländern gehören Bulgarien, Estland, Georgien, Kroatien, Lettland, Litauen, Rumänien und viele mehr. Insgesamt sind es etwa 150 Länder.

Weihnachtspäckchen: Abgabe in vielen Berliner Annahmestellen möglich

Wer einen Karton packen will, kann diesen nicht nur bei Nancy Taege abgeben. In ganz Berlin gibt es Annahmestellen. Inzwischen ist es auch nicht mehr zwingend nötig, einen alten Schuhkarton selbst mit Geschenkpapier einzuschlagen – Nancy Taege hat davon schon Hunderte hergestellt. Inzwischen gibt es fertige Kartons, die mit einem weihnachtlichen Motiv versehen wurden. Kontrolliert und versendet werden sie in jedem Jahr in Annahmestellen wie bei Nancy Taege. Oder aber in der zentralen Weihnachtswerkstatt. In diesem Jahr befindet sich diese in der Willstätterstraße 12 in Berlin-Neukölln und eröffnet am 25. November.

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Die Werkstatt ist die Zentrale der Aktion in Deutschland. Die allermeisten Pakete aus dem deutschsprachigen Raum werden dort sortiert. Kleinere Werkstätten gibt es auch in Thüringen, Baden-Württemberg oder Österreich. Von dort aus gehen die Pakete auf ihre Reise zu den Kindern. Hilfsorganisationen in den Zielländern übernehmen dann die Verteilung. „Die Menschen in den Organisationen kennen die Menschen vor Ort sehr gut“, weiß Nancy Taege. „Und sie halten Kontakt zu den Familien, auch nach der Aktion.“

Jetzt, wo das Weihnachtsfest nur noch zwei Monate entfernt ist, sammeln viele Organisationen wieder für Kinder in Not. Auch die Freiwilligenagentur Marzahn-Hellersdorf nimmt fertig gepackte Schuhkartons am Helene-Weigel-Platz 6 (nahe S-Bahnhof Springpfuhl) an. Die Abgabe ist vom 23. Oktober bis 23. November jeweils dienstags und freitags von 10 bis 14 Uhr sowie mittwochs und donnerstags von 10 bis 18 Uhr möglich.