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Tesla könnte in Cleantech-Park nach Marzahn ziehen

Berlin wirbt um die Batteriefabrik des US-Elektroautobauers. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop schickte einen Brief nach Palo Alto.

Noch ist im Marzahner Cleantech-Park

Noch ist im Marzahner Cleantech-Park

Foto: euroluftbild.de/Robert Grahn

Berlin. Die Berliner Landesregierung will den US-amerikanischen Elektroautobauer Tesla vom Aufbau eines Werks in der deutschen Hauptstadt überzeugen. Wie erst jetzt bekannt wurde, hat Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) dafür bereits im August einen Brief an Tesla-Chef Elon Musk geschrieben. Pop betonte darin, die Tradition Berlins im Bereich Automobiltechnologie. Zudem sei die Stadt inzwischen ein „Hotspot für internationale Unternehmen, um ihre digitalen Business Units zu etablieren“, so die Politikerin. „Wir glauben, dass Tesla perfekt in dieses Biotop passen würde, da Berlin und seine digitale Industrie Talente und Spezialisten aus der ganzen Welt anziehen“, schrieb Pop.

Tesla-Chef Elon Musk hatte im Sommer mit einem Tweet das Rennen um eine mögliche Ansiedlung des Unternehmens eingeläutet. Deutschland sei die „beste Wahl“ für eine Batteriefabrik in Europa. Dabei favorisierte Musk allerdings die deutsch-französische Grenze. Erst in der vergangenen Woche hatte eine Initiative in Brandenburg Werbung für die Lausitz als möglichen Tesla-Standort gemacht. In Berlin hatte die Opposition dem Senat daraufhin Untätigkeit vorgeworfen. Es sei bedauerlich, dass Rot-Rot-Grün offenbar kein Interesse an diesem Projekt habe, kritisierte der CDU-Abgeordnete Christian Gräff.

Was Gräff nicht wusste: Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) hatte da schon längst Post an das Tesla-Hauptquartier im kalifornische Palo Alto geschickt.

Berlin könne laut der Politikerin mehrere mögliche Standorte anbieten

Als erste Option nannte Pop den neuen Cleantech-Business-Park in Marzahn. 600.000 Quadratmeter Fläche bietet das Areal im Osten der Hauptstadt. Erst vor wenigen Wochen hatte dort der Speichermedien-Hersteller Swissbit den ersten Spatenstich gesetzt. Auch der Campus Buch käme für eine Tesla-Fabrik infrage, perspektivisch würden auch mit der Urban Tech Republik in Tegel weitere Flächen zur Verfügung stehen.

Die Wirtschaftssenatorin verwies zudem auf Berlins Forschungslandschaft. 25 akademische Institutionen biete die Stadt allein im Umfeld der Automobilindustrie. Universitäten und Fachhochschulen würden mehrere Studiengänge anbieten, die auf Bedürfnisse von Autobauern zugeschnitten seien. Bei der Suche nach Fachkräften seien auch die guten Beziehungen zu den Automobilzentren Ost-Deutschlands, Polens und der Tschechischen Republik ein Vorteil.

Berlin teile die Tesla-Vision einer klimagerechten Mobilität, schrieb Pop. Zudem drückte sie ihre Wertschätzung für Elon Musk aus: „Persönlich bewundere ich Ihre Tatkraft und das hervorragende Engagement, mit dem Sie sich der Elektromobilität verschreiben und damit mithelfen, eine Verkehrswende einzuleiten“, so Pop.

Bundeswirtschaftsminister will Batterieproduktion im Inland

Seit dem Tweet des Tesla-Chefs buhlen europaweit zahlreiche Regionen um das Unternehmen. Insgesamt hält Musk weltweit zehn bis zwölf Fabriken nach dem Vorbild der ersten Tesla-Gigafactory im US-Bundesstaat Nevada für erforderlich.

In Deutschland gibt es bislang noch keine eigene Batterieproduktion für Elektroautos. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) plant deshalb den Aufbau einer großindustriellen Fertigung, stellt dafür auch eine Förderung in Aussicht. Altmaier will so die Abhängigkeit der deutschen Autobauer von Akku-Herstellern im Ausland verringern: Nur mit einer Zellenproduktion im Inland und begleitenden Forschungsaktivitäten ist die Wertschöpfungskette beim E-Auto-Bau komplett. Deshalb plädiert auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für eine Batterieproduktion innerhalb Deutschlands. Die Lausitz kommt dem Vernehmen nach als möglicher Standort infrage. Aber auch Berlin solle seinen Hut in den Ring werfen, forderte CDU-Mann Gräff. Ein Standort wie der Marzahner Cleantech-Park sei ideal für die Anbindung an Wissenschaft und Forschung, so Gräff.

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