Berlin-Marzahn

Wohnungen oder Gewerbe? Streit im Senat um Grundstück

Das Marzahner Industrieareal ist ein Beispiel für die Flächenknappheit in Berlin. Zwei Senatorinnen streiten um das Gewerbegebiet.

Das Knorr-Bremse-Areal ist etwa 91.000 Quadratmeter groß.

Das Knorr-Bremse-Areal ist etwa 91.000 Quadratmeter groß.

Foto: Knorr-Bremse

Berlin. Zwei Senatorinnen streiten um ein Gewerbegelände in Marzahn. Auf dem gut 91.000 Quadratmeter großen Knorr-Bremse-Areal zwischen Landsberger Allee, den beiden S-Bahn-Trassen und dem Wiesenburger Weg möchte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) bis zu 1500 Wohnungen bauen. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) will das Dreieck unbedingt als Gewerbestandort erhalten. Der Streit wird am heutigen Dienstag in der Senatssitzung erörtert. Eine Entscheidung ist allerdings noch nicht zu erwarten. Es gehe eher darum, einen Verfahrensweg zu finden, den Konflikt aufzulösen, hieß es in Senatskreisen.

Das umstrittene Gelände ist der erste Fall, bei dem alle anderen Stufen der Konfliktlösung nicht gegriffen haben. Anfang 2018 hatte der Senat ein Konzept vorgestellt, um Streitfälle bei Projekten für den Wohnungsneubau schneller zu entscheiden. Erste Stufe ist eine Clearingstelle, danach beschäftigen sich binnen weniger Monate Staatssekretäre in einem Steuerungsausschuss mit dem Konflikt – notfalls sogar zweimal. Ist dann immer noch keine Einigung erzielt, muss sich der Senat damit befassen.

Möglicherweise fällt die Entscheidung erst in einem „Chefgespräch“ mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD). Müller soll nach Morgenpost-Informationen der Auffassung sein, es müsse möglich sein, einen guten Kompromiss für Berlin zu finden.

Lompscher argumentiert, es würden dringend Wohnungen gebraucht, der Standort sei gut und habe einen S-Bahn-Anschluss. Zudem handele es sich nur um eine kleine Teilfläche eines großen Gewerbegebiets. Da an dem Projekt die Howoge beteiligt sei, entstünden auch preiswerte Wohnungen.

„Es handelt sich um ein zusammenhängendes Gebiet für produzierendes Gewerbe. Wir haben uns im Steuerungskreis Industrie zum Ziel gesetzt, Indus­triearbeitsplätze zu erhalten. Daher sollten wir dieses Areal nicht aufgeben“, sagte Pop. Vorsitzender des Steuerungskreises ist Michael Müller. Die Wirtschaftssenatorin bangt um Arbeitsplätze, hält es auch für ein falsches Zeichen an die Wirtschaft, wenn die Koalition per Bebauungsplan gesicherte Gewerbeflächen umnutzt. Zudem sei das Gelände von Industrie und Straßen umgeben – für Wohnungen ungeeignet.

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