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IGA Berlin: Einmal über den Garten schweben

Die IGA blüht gerade besonders üppig. Sogar ein Schrebergarten gehört dazu. Für den werden Pächter gesucht.

Foto: Paul Zinken / dpa

Die Seilbahn ist der Hit. Bevor man sich zu Fuß aufmacht, um das 104 Hektar große IGA-Gelände in Marzahn zu erkunden, sollte man unbedingt mit der Bahn darüber hinwegschweben. Die Gondeln schaukeln schön, und man hat einen herrlichen Überblick. Von oben wird deutlich, dass es zwei Bereiche gibt, die es zu erkunden gilt, mit dem Kienberg in der Mitte: den naturnahen Teil rund um das Wuhletal und den parkartigen Teil mit den Gärten der Welt, dem Renaissancegarten und den internationalen Gartenkabinetten.

Zunächst aber sei ein Zwischenstopp auf dem Kienberg empfohlen. Bei schönem Wetter lohnt es sich, von dort aus auf die stählerne Aussichtsplattform, den Wolkenhain, zu klettern (es gibt auch einen Aufzug) – von etwa 120 Metern Höhe sieht die Berliner Skyline phänomenal aus. Außerdem reicht der Blick von dort oben bis weit in die märkische Landschaft hinein. Schade nur, dass nicht beschrieben ist, was man da in der Ferne so alles wahrnimmt. Stattdessen ist fröhliches Rätselraten angesagt. Mit etwas Glück weiß einer der Gäste gut Bescheid.

500 Meter hinunter ins Tal mit 40 Km/h

Von dem Gipfel des Kienberges startet aber auch die Natur-Bobbahn. Es ist die erste Sommerrodelbahn Berlins. Die Fahrt führt knapp 500 Meter hinunter ins Tal, wobei die Bobs eine Geschwindigkeit von bis zu 40 Kilometern erreichen. Unten angelangt, fahren die Wagen auf den sogenannten Panorama-Kreisel, von wo aus die Besucher in zwei „360 Grad-Runden“ in die Gärten der Welt schauen können. Anschließend geht es per Förderband wieder zurück auf den Berg, wo sich Ein- und Ausstiegsstelle befinden. Eine Fahrt kostet drei Euro, Kinder und Jugendliche zahlen zwei.

Und nun ein Geheimtipp. Unterhalb des Kienbergs, direkt neben den Kienbergterrassen, führt eine kleine Pforte in die Kleingartenanlage Am Kienberg (260 Parzellen). Dort können Besucher einen ganz besonderen Schrebergarten besichtigen und sich sogar als Pächter dafür bewerben. Auf 660 Quadratmetern gibt es eine Wildblumenwiese, alte Ostbäume, mehrere Hochbeete, Blumenrabatten und ein graublau gestrichenes Holzhaus mit Terrasse und einem Stall für Kaninchen oder Hühner. Das Ganze ist von einem einfachen Lattenzaun umgeben.

So etwa stellen sich Architekten einen modernen Schrebergarten vor. In diesem Fall sind es Alexander Roscher und Eva Lange. Die beiden Berliner haben den ersten Preis des Wettbewerbs „Startergarten – Kleingarten neu denken“ zur Gestaltung einer gemeinschaftlichen Gartenparzelle im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung Berlin 2017 (IGA) gewonnen. Ihren Garten gibt es deshalb nicht nur auf dem Reißbrett. Als Teil der Gartenschau wurde er in der Marzahner Kleingartenanlage realisiert und ist dort täglich zu besichtigen.

Bestandsschutz für die Kleintiere soll erhalten bleiben

Gert Schoppa kann einen Besuch dieser Anlage nur empfehlen. „Mit ihren breiten Graswegen und den vielen Obstbäumen entlang dieser Wege ist sie eine der schönsten Berlins“, sagt er. Schoppa ist Vorsitzender des Landesverbandes Berlin der Gartenfreunde e.V. und für den Startergarten mit verantwortlich. Den wollen sie verpachten, wenn die IGA zu Ende ist.

„Junge Familien, die den Garten gemeinsam nutzen wollen oder eine Mehrgenerationenfamilie können sich bei uns bewerben“, sagt Schoppa. Die künftigen Nutzer müssten allerdings bereit sein, Kleintiere zu halten. Das sei heute im Kleingarten zwar eigentlich nicht mehr gestattet. 22 Parzellen der Marzahner Anlage hätten diesbezüglich aber Bestandsschutz, den man unbedingt erhalten wolle, sagt Schoppa.

Nach dem Abstecher in den Schrebergarten geht es zurück auf das IGA-Gelände Dort treffen wir Elfie und Liesbeth aus Zehlendorf. Die eine im 50er-Jahre-Look mit Petticoat und weißem Hütchen. Die andere mit grünem Elastik-Kostüm aus den 70ern. Beide schwärmen von den Blumenrabatten, die immer wieder neu bepflanzt werden würden. Gegenwärtig dominieren Sommerblumen: Zinnien, Cosmea, Sonnenhut. Etwas später erfahren wir, dass die Frauen zum IGA-Team gehören und häufig auf dem Gelände unterwegs sind, um den Gäste Tipps zu geben.

Interessant sind schließlich auch zehn Vorschläge für die Gestaltung von Haus- und Privatgärten wie etwa der tropische Hinterhausgarten oder der Bienengarten. Die IGA ist übrigens auch bei Regenwetter sehenswert. Es kommt einem dann so vor, als würde einem dieser riesige Park ganz allein gehören – die saftig grünen Anlagen, die üppigen Sommerblumen und die wohlriechenden Kräuterwiesen.

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