Umgeben von Kränen, Baggern und Planierraupen hockt Tom Stuart-Smith auf einem Fleckchen brauner Erde und lässt Blumensamen in den Boden rieseln. Er ist dabei, seinen Garten anzulegen, der erst in zwei Jahren zur Eröffnung der Internationalen Gartenausstellung (IGA) in Marzahn seine Vollendung erlangen wird. „Wenn ich schon einen neuen Garten gestalte, will ich den Prozess des Wachsens beobachten“, sagt der Landschaftsarchitekt.
Seine Idee ist, den Vegetations- und Besiedlungsprozess in seinem Gartenkabinett nachzustellen. Nach und nach sollen sich besonders flexible und resistente Pflanzen und Bäume das Gebiet erobern, ihnen folgen die Tiere, die Schneisen durch die Vegetation schlagen. Erst am Schluss kommen die Hütten.
Tom Stuart-Smith aus Großbritannien gehört zu einer Reihe internationaler Landschaftsarchitekten, die für die IGA insgesamt zehn Gartenkabinette gestalten. Sie kommen aus Staaten wie Australien, Brasilien, Chile, China, Südafrika und Thailand und bringen ihre verschiedenen kulturellen und regionalen Hintergründe in ihre Gestaltung ein. „Die bestehenden internationalen Gärten in den Gärten der Welt greifen auf tradierte Landschaftsarchitektur zurück, die über Jahrhunderte entwickelt wurde“, sagt Christoph Schmidt, einer der Geschäftsführer der IGA.
Diese würden ergänzt werden durch die neuen Gartenbilder, die zeitgenössische internationale Tendenzen in der Gartenkunst aufzeigen. Die Entwürfe aller Gartenarchitekten liegen jetzt vor und sind in einer Ausstellung ab dem 15. Mai, montags bis freitags, 9 bis 17 Uhr in der IGA-Markthalle am Blumberger Damm 130 zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Senator Geisel betont Bedeutung der IGA für den Bezirk
Zur Eröffnung der Ausstellung betonte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) noch einmal die Bedeutung der IGA für den Bezirk und die Stadt. Er rechnet mit zwei Millionen Besuchern, die in der Zeit vom 13. April bis 15. Oktober 2017 das Ausstellungsgelände zwischen Blumberger Damm und der Neuen Hellersdorfer Straße besuchen werden. 40 Millionen Euro fließen aus dem Landeshaushalt in das Projekt rund um den Kienberg, wo nicht nur die Gartenkabinette sondern auch eine neue Tropenhalle, ein Besucherzentrum, eine Bühne, Spielplätze und Wassergärten entstehen werden. Bis 2017 werden die Gärten der Welt ihre Fläche verdoppelt haben. Zur IGA können die Besucher mit einer gläsernen Gondel über das gesamte Areal schweben. Die Bergstation ist auf dem Kienberg, von dort aus können sie in zwei Richtungen ins Tal fahren.
Die Internationalen Gartenkabinette entstehen direkt hinter dem Besucherzentrum in der Nähe des Blumberger Damms. Sie werden dort dauerhaft bleiben, auch nach dem Ende der IGA. Die Gärten sind jeweils 380 Quadratmeter groß und über einen durchgehenden Weg miteinander verbunden. Durch mannshohe Hainbuchen werden die einzelnen Anlagen in sich geschlossen sein, damit sich die Besucher auf das jeweilige Gartenbild konzentrieren können.
Jeder Garten erzählt eine Geschichte. So hat der Garten von Cate Cullity und Perry Lethlean aus Australien einen rötliche Erscheinung. „Das ist ein Garten, der aus dem Feuer geboren ist“, sagt Cate Cullity. Sie erzählt, wie seit Jahrtausenden in ihrer Heimat der Boden kontrolliert verbrannt wird, um neue Nährstoffe zu gewinnen. „Das Feuer ist ein Symbol der Erneuerung und Verjüngung“, sagt die Landschaftsarchitektin. In dem Garten werden auf dem roten Boden Eukalyptusbäume stehen und hohe Gräser wachsen, dazu gibt es Blumenbeet mit australischen Pflanzen.
Surreale Landschaften, aufgelöste Grenzen
Tradition und Moderne verbindet der thailändische Garten. Der Besucher tritt über eine Mündungslandschaft, an der Land und Wasser aufeinandertreffen, in den Garten ein. Von dort aus schlängelt sich ein serpentinenartiger Weg an den Beeten vorbei zu einem Ort, wo er auf eine surreale Landschaft trifft. Gold soll in diesem Garten nicht fehlen. Das Thema Freiheit wird in dem Gartenkabinett von Südafrika das verbindende Element mit Berlin sein. Keiner soll sich dort beengt oder isoliert fühlen, Grenzen sollen aufgelöst und das Gefühl der Freiheit gestärkt werden. Landschaftsarchitekt Anton Comrie will vor allem viel Raum schaffen.
Teresa Moller aus Chile erzählt, dass sie lange darüber nachgedacht habe, was sie nach Berlin mitbringen und mit den Menschen in Europa teilen könnte. Grundlage ihres Konzepts ist eine waldähnliche Bepflanzung mit der in Chile heimischen Anden-Scheinbuche. Über Marmorsteine können die Besucher im Schatten der Bäume spazieren gehen. In dem chinesichen Garten von Zhu Yu Fan soll sich die Gartengeschichte widerspiegeln. Er geht auf das 17. Jahrhundert zurück und besticht durch eine offene, geometrische Gestaltung.
Ganz anders der Garten des brasilianischen Gartenarchitekten Alex Hanazaki: Er widmet sich den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde, denen seiner Ansicht nach zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Gleich am Eingang des Gartens wird ein Wasserbecken das Licht reflektieren. Der Besucher geht über eine Brücke zu einer skulpturalen Steinwand, aus der sich Wasserfontänen ergießen.
Tom Stuart-Smith ist der erste, der mit der Gestaltung seines Gartens begonnen hat. Die anderen werden nach und nach folgen. „Man wird lange suchen müssen, um in Europa eine ähnliche Gruppe von Gärten zu finde“, sagt IGA-Geschäftsführer Christoph Schmidt. Es seien authentische Gärten, geschaffen von Landschaftsarchitekten der jeweiligen Kulturen.







