Dass da ein Cottage stehen soll, kann man schon ahnen. Der Rohbau ist errichtet, mit hölzerner Dachkonstruktion und Schilf. Noch grenzt ein Bauzaun den künftigen Englischen Garten auf dem Gelände der Gärten der Welt in Marzahn ab.
Er soll fertig sein, wenn die Internationale Gartenausstellung (IGA) im April 2017 beginnt. Bis dahin häufen sich die Besprechungstermine und Aufgaben für Christoph Schmidt, den Geschäftsführer der IGA Berlin 2017 GmbH.
Er hat mit seinem Vorbereitungsteam bislang in Tempelhof gearbeitet, nun ist die Gruppe nach Marzahn gezogen, um ganz nahe am Baugeschehen zu sein. Denn die Planungen für das ehrgeizige Ausstellungsprojekt sind fast abgeschlossen, die eigentlichen Arbeiten beginnen.
Englischer Garten entsteht
Die IGA wird 170 Tage lang öffnen, bis Oktober 2017. Etwa 2,4 Millionen Besucher werden erwartet. Das Ausstellungsgelände wird etwa 100 Hektar groß sein, es besteht aus den Gärten der Welt, dem Wuhletal und dem Kienberg. Bislang erstrecken sich die Gärten der Welt an der Eisenacher Straße über ein Areal von rund 25 Hektar. Sie zeigen auf neun Flächen internationale Gartenkunst aus Asien, dem Vorderen Orient und Europa, darunter der Orientalische Garten, der Chinesische Garten, ein Labyrinth und der Karl-Foerster-Garten. Für die IGA wird dieses Areal um 22 Hektar vergrößert. Der künftige Englische Garten nimmt etwa drei Hektar in Anspruch. Britisches Flair soll diese Fläche ausstrahlen. Christoph Schmidt hat die Einzelheiten schon vor Augen, auch wenn sie noch nicht sichtbar sind.
Neben dem reetgedeckten, kleinen Landhaus werden ein Küchengarten, ein Wasserspiel und ein Taubenhaus gebaut sowie eine Mauer aus roten, in einer Manufaktur gefertigten Ziegelsteinen. Obstbäume werden gepflanzt. Und ein „Pleasure Ground“ wird angelegt, mit sanft geschwungenen Wiesen. „Es wird sehr authentisch“, sagt Schmidt. „Ich bin mir ganz sicher, dass der Englische Garten ein Besuchermagnet wird.“
Landschaftsarchitekten aus Manchester gestalten ihn. Eine weitere Baustelle ist in Vorbereitung. Im Herbst 2014 werden auch die Arbeiten für das neue Besucherzentrum in den Gärten der Welt beginnen. „Dann wird die Erde ausgehoben“, sagt Geschäftsführer Schmidt. „Voraussichtlich im Februar fängt der eigentliche Bau an.“ Im Februar werde auch der Neubau einer großen Tropenhalle am Balinesischen Garten beginnen. „Mit 14 Metern Höhe und 2000 Quadratmetern Größe. Ein sehr interessantes Projekt, das viel Spaß macht.“
Ein 60 Hektar großer Naturpark
Für die IGA werden das Wuhletal und der Kienberg zu einem eigenen, etwa 60 Hektar großen Naturpark entwickelt. Auf der Südseite des Kienbergs werden Terrassen angelegt, an denen Wein wachsen soll. Biotope entstehen, in denen sich Insekten, Vögel und Eidechsen wohlfühlen. „Das ist die Zielsetzung, mit all unserem Tun zu einer größeren Artenvielfalt beizutragen“, sagt Schmidt, der ausgebildeter Landschaftsarchitekt ist. Auch von der geplanten Seilbahn ist Schmidt begeistert. „Sie ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel. Es wird keine Stütze im Wuhletal errichtet“, sagt er.
„Die Besucher sollen mit der U-Bahn anreisen, und sie sollen bequem und behindertengerecht auf das IGA-Gelände kommen.“ Auf dem Kienberg werden die Gäste aussteigen können, am „Wolkenhain“, einer Aussichtsplattform mit Platz für 400 Personen.
Die Seilbahn wird von einem österreichischen Unternehmen gebaut und finanziert. Rund 14 Millionen Euro soll das Vorhaben kosten. In einer Höhe von 30 Metern schweben die Gäste über das Wuhletal zu den Gärten der Welt. Die Geschwindigkeit liegt bei 21 Kilometern pro Stunde, die Strecke ist 1,5 Kilometer lang. Geplant ist, dass etwa 3000 Besucher pro Stunde transportiert werden. In den 65 Kabinen werden auch Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder Platz haben. Vorgesehen ist, dass die Seilbahn auch nach Ablauf der IGA fährt.
Neuer Name für U-Bahn-Station
Der Bau der Seilbahn soll 2016 beginnen. Es werde ein Planfeststellungsverfahren dazu geben, sagte Geschäftsführer Schmidt. Auch Anwohner und Verbände könnten sich zum Projekt äußern. Im September werden die Unterlagen öffentlich ausgelegt. Startpunkt der Seilbahn wird der U-Bahnhof Neue Grottkauer Straße sein, „den wir natürlich gern umbenennen möchten“, sagt Christoph Schmidt. Und zwar in „Gärten der Welt“.
Er ist sich sicher, dass die IGA in Marzahn-Hellersdorf ein Erfolg wird. Zum Erfolgsrezept gehöre das Gespräch mit Anwohnern und Naturschutzverbänden, betont er. „Die Impulse, die von dort kamen, haben maßgeblich dazu beigetragen, die Planung besser werden zu lassen.“ Man sei derzeit in einer intensiven Phase, in der auch die Hinweise von den Bezirksämtern und Senatsverwaltungen aufgenommen werden. „Um im Herbst mit den größeren Baumaßnahmen beginnen zu können.“
Es gehe nicht nur um eine Schau von 170 Tagen. „Wir möchten, dass Wuhletal und Kienberg in eine lange Pflege- und Entwicklungsphase übergehen.“ Am 25. August, 18 Uhr, können sich Anwohner in der IGA-Markthalle am Blumberger Damm 130 über die Pläne der IGA für die Entwicklung des Kienbergs informieren.
Für die IGA 2017 stehen insgesamt 40 Millionen Euro zur Verfügung. Berlin beteiligt sich mit etwa 9,8 Millionen Euro.




