Man hört eher selten, dass jemand so für seinen Heimatkiez so sehr schwärmt wie der 32-jährige Tuan Le. „Ich möchte was für Karlshorst bewegen“, sagt er. „Es ist der schönste Ortsteil im Osten.“ Um den Menschen in Karlshorst zu helfen, zückt er auch mal das eigene Portemonnaie, wie er sagt. Was ihn antreibt, hat viel mit seiner Familie und seinen vietnamesischen Wurzeln zu tun.
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Le ist Fitnessunternehmer mit inzwischen drei eigenen EMS-Studios in Karlshorst, Köpenick und Adlershof. EMS, das ist eine Trainingstechnik, bei der die Übungen durchgeführt werden, während kleine Stromimpulse durch die Muskulatur fließen. Diese Art des Trainings erlaubt es den Sportlerinnen und Sportlern, sehr gelenkschonend und mit nur 20-minütigen Einheiten pro Woche zu trainieren. Vor etwa fünf Jahren erwarb Tuan Le die dafür nötige Lizenz und machte sich damit selbstständig. Kurz danach holte er seinen heutigen Geschäftspartner Jasar Dzaferi mit an Bord.
EMS-Training in Karlshorst: Personal Trainer begeistern Kunden
Und gerade in Karlshorst sei er mit seinem Franchise-Unternehmen sehr erfolgreich, wie der Vater eines zweijährigen Sohnes sagt. Etwa 300 Kundinnen und Kunden betreue er allein an diesem Standort. „Viele Menschen wollen unser EMS-Training einfach erst mal ausprobieren“, sagt Tuan Le. Bleiben würden sie dann, weil jede Trainingseinheit von einem Personal Trainer begleitet wird. Mit 120 bis 140 Euro im Monat handelt es sich jedoch um ein höherpreisiges Fitnesssystem.

Le selbst begleitet der Sport, seit er etwa 17 Jahre alt ist. Krafttraining und Kampfsport, mehrmals wöchentlich, bestimmen heute sein Trainingsprogramm. „Ich muss einfach regelmäßig an meine Grenzen gehen“, sagt er und erklärt damit, was für ihn die Faszination am Sport ausmacht.
Junge Menschen zu Fitness motivieren: Tuan Le setzt auf Gesundheit
Als studierter Fitness-Ökonom hat er es sich nun zur Aufgabe gemacht, vor allem jungen Menschen eine gesunde Lebensweise und regelmäßiges Training nahezubringen. „Ich halte es für richtig, wenn sich die Menschen auf ihren Körper fokussieren und etwas für ihre Gesundheit tun“, sagt Tuan Le. Er glaubt, dass mit einem fitten, starken Körper auch Selbstbewusstsein und letztlich Erfolg einhergehen. Das möchte er weitervermitteln. „Es lohnt sich, fleißig zu sein.“
Im Alter von 14 Jahren beginnt Tuan Le im Imbiss seines Vaters auszuhelfen. Dieser befindet sich gleich gegenüber seines Fitnessstudios in der Treskowallee in Karlshorst. Seine Eltern kamen einst als Vertragsarbeiter nach Deutschland und lernten sich auch hier kennen. Eine Familie gründeten sie dann in Berlin. Le wuchs zunächst in Marzahn auf, bevor die Familie nach Karlshorst umzog. Über seine vietnamesische Kultur sagt Le: „Vietnamesen sind immer am leisesten. Dabei sind sie gleichzeitig leistungsstark.“ Dort, so Tuan Le, arbeiteten die Menschen gern und viel. Auch in der vietnamesischen Community in Berlin sei das so.
Vietnamesische Community in Deutschland kämpft gegen Vorurteile
Obwohl die Vietnamesen in Deutschland hart arbeitende Menschen seien, so Tuan Le, hätten sie sich immer versteckt. „In Vietnam ist das ganz anders.“ Für die vietnamesische Community in Karlshorst möchte er ein Sprachrohr sein und ihre Interessen besser vertreten sehen. Den Verein, den er zusammen mit anderen Unternehmern zu diesem Zweck gegründet hatte, gibt es zwar nicht mehr. Aber das Ziel bleibe bestehen.
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Tuan Le sind auch Vorurteile und Klischees gegenüber vietnamesischen Mitbürgern bekannt. Die lasse er nicht an sich heran, sagt er. Dass man Vietnamesen häufig in Jobs wie Nagelstudios, Blumenläden oder Restaurants findet, ist für Le einfach zu erklären. „Vietnamesen sind bereit, ihre Existenzen zu riskieren“, so Le. „Vietnamesen sind Unternehmer. Nach der Wende wurden viele arbeitslos und gründeten eigene Firmen.“ Um drei Uhr morgens aufzustehen und harte Arbeit zu leisten, dafür sei sich ein Vietnamese nicht zu schade. Und so sieht sich auch Tuan Le.
Tuan Le unterstützt Kitas und organisiert Joggingrunden in Karlshorst
Aber nicht nur im Beruf möchte er alles geben. Le will sich in Karlshorst mehr einbringen. Insbesondere für Kinder möchte er sich einsetzen und gehe daher aktiv auf die Kitas zu, um seine Unterstützung anzubieten. Durch Spenden versorge er die Einrichtungen mit Dingen, die fehlen, so berichtet Tuan Le es. Aus eigener Tasche. „Ich möchte einen Mehrwert für Karlshorst schaffen.“ Wie seine Hilfe konkret aussehen kann, muss er dabei noch herausfinden.
Mit seinem Fitnessstudio hat er bereits einen Weg gefunden. Jeden Sonntag wird eine gemeinsame Joggingrunde gedreht. Los geht es um 10 Uhr. Jemand aus seinem Team, und meist auch Tuan Le selbst, läuft dann gemeinsam mit seinen Kunden und allen, die Lust haben, durch Karlshorst.





