Es waren teils tiefe Urschreie, die am Donnerstag aus dem Orankesee in Alt-Hohenschönhausen (Lichtenberg) erklangen. „Kalt!“, „Na los, hier!“ oder einfach nur „Ahh!“ sowie lautes Lachen waren zu hören, während am Vormittag um kurz nach zehn Uhr zwischen 30 und 40 Hartgesottene in das klare Wasser des kleinen Sees im Berliner Nordosten liefen. Das hatte zwischen -2 und -4 Grad – Angaben verschiedener Thermometer unterschieden sich im Eifer des Gefechts. Mit Sicherheit kann man aber sagen: Das Wasser war verdammt kalt.
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Organisiert wurde das Weihnachtsbaden vom ortsansässigen Verein „Berliner Seehunde“, der sich dem Winterbaden verschrieben hat und das auch regelmäßig am Orankesee tut. Dabei haben sich feste Rituale etabliert, wie das dreifache „Eis! Frei!“, das vor jedem Gang ins Wasser laut skandiert wird. Raus kommen die Baderinnen und Bader fast alle mit einem Lächeln, oft auch Grinsen über beide Ohren.
Weihnachtsbaden Orankesee 2025
Klarer Vorteil gegen Viren: Winterbaden stärkt das Immunsystem
„Schön! Herrlich!“, sagt Harold Kraft, einer der Badenden, nachdem er aus dem Wasser gekommen ist. Er sei schon seit zehn Jahren dabei. Überwinden müsse er sich schon lange nicht mehr. „Es ist eine reine Kopfsache. Man muss es einfach wollen“, so Kraft, der das Interview noch vor dem Griff zum wärmenden Handtuch gibt. Er finde es beinahe schade, dass sich die Berliner Seehunde regulär nur einmal wöchentlich zum Baden treffen. Er würde auch öfter reinspringen. „Es ist wie eine Sucht“, sagt er lachend.
Weihnachtsbaden am Orankesee bei Minusgraden. „Alles eine Kopfsache“, sagt Eisbader Harold Kraft von den #berliner Seehunden #b2512 pic.twitter.com/64NiGgQsl2
— Philipp Siebert (@SiebertPhilipp) 25. Dezember 2025
Es sei der Spaß in der Gemeinschaft, findet Kraft. Außerdem sei es gut für die Gesundheit, vor allem für das Immunsystem, so der Winterbader weiter. „Wenn andere neun Tage Schnupfen haben, sind es bei mir im ganzen Jahr vielleicht zwei“, sagt Kraft. „Man baut die Viren einfach schneller ab.“
Eisbaden im Orankesee: Kurz ins Wasser, schnell wieder raus

Während im Orankesee im Sommer ins Wasser gesprungen, gerutscht wird oder lange Bahnen gezogen werden, geht es hier im Winter eher kurz, plötzlich und heftig zu. So schnell wie man hier ins Wasser strömt, steuert man spätestens nach wenigen Minuten wieder ans Ufer. Wenige Hartgesottene setzen noch ein zweites Mal an, die meisten greifen aber beherzt zu Handtuch oder Bademantel.
„Es bretzelt auf der Haut richtig doll“, sagt Vereinschefin Peggy Müller. Eine der Baderegeln des Vereins lautet, nur „so lange im Wasser zu bleiben, wie es angenehm ist“. Für Müller waren es in diesem Fall rund 90 Sekunden – ohne Kopf und Hände unterzutauchen. Der Wärmeverlust ist darüber am höchsten. „Aber das Wasser ist wärmer als die Luft“, sagt Müller. Tatsächlich zeigt die Wetter-App in diesem Moment -7,5 Grad.
Weihnachtsbaden: Bunte Kostüme und Neoprenschuhe gegen Eisgefahr

Für die Baderinnen und Bader ist das Weihnachtsbaden offensichtlich auch ein Stück weit ein Happening. Viele kommen mit Perücken, Hüten, Mützen, lustigen T-Shirts, in weihnachtlichem Elfen-Gewand oder schlicht im Adamskostüm. Ausnahmslos alle tragen aber Neoprenschuhe, um sich nicht an Eis zu schneiden. Das ist zwar an diesem Vormittag auf der Wasseroberfläche nicht zu sehen. Allerdings hat sich am Ufer eine dünne, kaum sichtbare Schicht gebildet, vor der die erste Baderin ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter warnt, bevor die ins Wasser strömen.
Die Berliner Seehunde gibt es seit rund 30 Jahren. Die rund 190 Mitglieder werden dann aktiv, wenn am Orankesee die Liegestühle zusammengeklappt und die Kassen geschlossen sind. Von Ende September bis Ende April geht es jeden Sonntagvormittag ins kalte Wasser – außerdem zu Neujahr und eben am 1. Weihnachtstag.
Eisfasching feiert 40. Jubiläum am Orankesee mit buntem Programm
„Und am 10. Januar ist hier unser großer Eisfasching“, sagt Vereinschefin Müller. Der findet in diesem Jahr bereits zum 40. Mal statt. Dazu treffen sich mehrere Vereine am Orankesee, um verkleidet ins Wasser zu gehen. Allerdings sind beim Fasching, anders als bei den regulären Badeterminen, jede und jeder eingeladen, zuzusehen, zu essen und zu trinken, sich zu informieren oder sogar mitzumachen.
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Wer sich einen Sprung ins kalte Wasser zutraut, aber es noch nie gemacht hat, sollte nicht allein gehen, sondern sich Gleichgesinnte suchen. Denn die wichtigste Regel beim Eisbaden ist: „Nie allein baden gehen!“ Die Gefahr, in einem teils zugefrorenen Gewässer unbemerkt unter das Eis zu geraten, sei zu groß, sagt Bader Kraft. Außerdem könne es immer zu Kreislaufproblemen kommen, sodass man auf die Hilfe anderer angewiesen ist.
















