„Driving home for Christmas“: Diesen Song von Chris Rea habe ich – das ist meine eigene kleine Tradition – auf den Ohren, wenn ich traditionell am 23. Dezember mit dem ICE von Hamburg los- und einige Stunden später in den Berliner Hauptbahnhof einfahre. Weihnachten in Berlin, das bedeutet für mich Nachhausekommen. Besinnlichkeit. Ruhe.

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Ruhe und Besinnlichkeit in der immer lauten, flirrenden, summenden Hauptstadt? Ja, Sie haben richtig gelesen. Denn wenn ich am frühen Vormittag aus dem Zug am Hauptbahnhof steige, besteigen im gleichen Moment unzählige Zugezogene wiederum andere Züge: Sie verlassen die Stadt, um in ihrer Heimat zur Ruhe zu kommen.
Wenn die „Zugezogenen“ an Weihnachten abreisen, erwacht das wahre Berlin
Genau dann, innerhalb dieser wenigen magischen Stunden und Tage, wird das Flirren und Summen in Berlin ein ganzes Stück leiser. „Weihnachten ist die einzige Zeit des Jahres, in der ich den Kern von Berlin wieder sehe“, sagte ich vergangenes Jahr einem befreundeten Redakteur bei der Berliner Morgenpost. Er verließ die Stadt, um zu seiner Familie zurückzukehren, und noch am selben Tag betrat ich wieder Berliner Boden. Mit im Gepäck: eine Liste mit Dingen, die ich traditionell rund um die Feiertage erleben möchte.
Zur Autorin: Louisa Eberhard
Louisa Eberhard ist in Berlin geboren und aufgewachsen – lebt aber inzwischen in Hamburg. Dort arbeitet sie für das Hamburger Abendblatt, das wie unsere Redaktion zur FUNKE Mediengruppe gehört.
Museen in Berlin, das ist so eine Sache. Wer einmal versucht hat, die nur temporär gastierende Caspar David Friedrich Ausstellung an einem normalen Frühlingswochenende (lief bis August 2024) zu besuchen, weiß, wovon ich schreibe. Spontanität schön und gut – doch in der Kulturhauptstadt funktioniert das selten und nur, sofern man großzügig Wartezeit oder viel Geduld für seine Mitmenschen eingeplant hat. Vor den Kunstwerken von Gerhard Richter ist es ein Drängeln und Schubsen, manchmal ist nur ein kurzer Blick auf die umfangreiche Leihgabe des Künstlers möglich.

Das Geheimnis der Berliner Weihnacht: Jetzt wird es magisch
Doch, psst, ich verrate nun ein Geheimnis: Rund um Weihnachten öffnet sich ein ganz besonderes Zeitfenster. Denn dann ist es auf zauberhafte Weise plötzlich möglich, eingehend und ohne Schubser und Rempler die Richter-Gemälde in der Neuen Nationalgalerie oder die „Gänserupferinnen“ von Max Liebermann in der Alten Nationalgalerie zu betrachten. Ziemlich besinnlich eben.
Zu meinem Weihnachtsritual gehört am Morgen des 24. Dezembers traditionell eine ausgiebige Joggingrunde an der Spree. Vorbei am Bundestag, Schloss Bellevue, der Goldelse und durch den Tiergarten: Normalerweise ist dort das Durchkommen zwischen den Spaziergängern; das Acht nehmen auf fotomachende Touristen und das Ausweichen vor den Fahrradfahrern extrem anstrengend (vom Joggen mal ganz abgesehen).
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Leergefegte Straßen an besinnlichen Feiertagen
Doch in den frühen Morgenstunden des Heiligabends ist das anders. Leergefegte Straßen und freier Blick auf die wunderschönen Gebäude dieser Stadt – in dieser Zeit schlägt ein Morgenlauf jede Stadtrundfahrt, mit Abstand. Also: Wer im neuen Jahr sowieso mehr Sport machen möchte, dem empfehle ich, diesen Vorsatz nicht erst am 1. Januar anzugehen, sondern die besinnlichen Feiertage in der Hauptstadt dafür zu nutzen. Wann sonst hat man Tiergarten, Reichstagsufer und Brandenburger Tor für sich alleine?
Apropos alleine: Das ist ein Zustand, den man in Berlin nur selten erlebt – und schon mal gar nicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Es könnte also als kleines Weihnachtswunder durchgehen, dass es rund um die Feiertage plötzlich eine wahre Freude wird, mit der U-Bahn und dem Bus zu fahren. Sitzplätze en masse – selbst in der ersten Premiumreihe oben im Doppeldeckerbus.
Berlin an Weihnachten: Schön, liebenswert, magisch
So einen Doppeldeckerbus trifft man übrigens häufig auf der Linie M48 oder X83 an, von denen sich beide hervorragend für einen kleinen, entschleunigenden Ausflug ins Berliner Nobelviertel Dahlem eignen. Tipp: Warm einpacken, Glühwein in die Thermoflasche und dann ab Dahlem Dorf oder Lichterfelde West zu einem weihnachtlichen Spaziergang durch die prunkvolle Wohngegend aufbrechen. Die Feiertagsbeleuchtung an so manch majestätischer Stadtvilla ist wirklich außergewöhnlich und selbst ohne Lichterketten und Weihnachtsbäume lässt sich dort die Architektur bestaunen.
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Bummeln durch den Bergmannkiez mit Zwischenstopp in der Markthalle, last minute Karten für ein Theaterstück im Deutschen Theater kaufen, abends ohne Stress über die Kastanienallee in Prenzlauer Berg schlendern, keine Reservierung vornehmen und trotzdem einen Platz im hippen Frühstückscafé um die Ecke bekommen: An den Feiertagen fühle ich mich wie frisch verliebt in meine Heimatstadt. Alles ist noch schön, alles liebenswert, alles magisch – gerne behalte ich die rosarote Brille auf, bis ab dem 27.12. wieder die Realität durchschimmert. Die wiederum ist aber ein anderer Text. In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten!







