In Berlin-Lichtenberg ist erneut eine hitzige Debatte über das Gedenken an Eugeniu Botnari entbrannt, der 2016 in Folge eines rassistischen Angriffs starb. Anlass ist die Errichtung einer Gedenktafel für Eugeniu Botnari auf dem Vorplatz des Bahnhofs Lichtenberg, der ebenfalls nach ihm benannt ist. Am 19. Mai sollen die Tafel und der Platz offiziell eingeweiht werden.

Doch schon jetzt wird in sozialen Medien Kritik an dem Vorgang laut – teilweise in menschenverachtender Wortwahl. „Es scheint wohl in Mode zu sein, dass man Straßen nur noch nach kriminellen Taugenichtsen benennt“, schreibt ein Nutzer. „Ein Krimineller bekommt eine Gedenktafel. Finde den Fehler“, kommentiert eine andere Nutzerin. Auch der Tenor vieler weiterer Kommentare lautet: Ein Straftäter, der sich möglicherweise illegal in Deutschland aufgehalten habe, verdiene kein Gedenken.

Dabei ist gar nicht klar, ob Eugeniu Botnari überhaupt einen Ladendiebstahl begangen hat. Botnari war 2015 aus Moldau nach Berlin gekommen, um als Hilfsarbeiter auf dem Bau zu arbeiten. Zunächst kam er bei Bekannten unter, dann landete er auf der Straße. Am 17. September 2016 soll er die Edeka-Filiale im Bahnhof Lichtenberg betreten haben. Für einen Besuch bei der Familie wollte er offenbar eine Flasche Schnaps besorgen. Dass er sie tatsächlich klauen wollte, kann vermutet werden, ist aber nicht gerichtlich bewiesen.

Ins Getränkelager geschleppt und verprügelt

Der Filialleiter André S. beobachtete Botnari über die Überwachungskameras, zog sich seine mit Sand verstärkten Quarzhandschuhe über und führte den Moldauer gemeinsam mit einem Mitarbeiter ins hintere Getränkelager. Dort schlug der Filialleiter ihn krankenhausreif. Eugeniu Botnari starb drei Tage später im Alter von 34 an einer Gehirnblutung.

Obwohl die Tat nicht als „rechtsmotivierte Straftat“ eingestuft wird, wurde während der Gerichtsverhandlung das rassistische Motiv des Filialleiters festgestellt. Viele Akteure im Bezirk setzten sich daraufhin für eine Umbenennung des bisher namenlosen Bahnhofvorplatzes ein. Anfang 2023 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) mit Stimmen der Grünen, Linken und SPD, den Platz in Eugeniu-Botnari-Platz umzubenennen.

Auch dagegen gab es damals bereits heftige Kritik. Vor allem die FPD wollte die Umbenennung verhindern. So schrecklich es sei, Opfer eines rassistischen Angriffs zu werden, schrieb die FDP Lichtenberg in einem Statement, „ist dies allein keine Lebensleistung, die eine persönliche Ehrung rechtfertigt“.

Nun, kurz vor der Einweihung der Gedenktafel, also wieder dieselbe Debatte. Jana Adam, Projektleiterin des Berliner Registers, hält argumentativ dagegen: „Das Gedenken an Eugeniu Botnari ist ein Zeichen der Erinnerung – und ein Aufruf, rechter und rassistischer Gewalt im Alltag klar und entschieden entgegenzuwirken.“

Bezirksstadträtin Filiz Keküllüoğlu (Grüne) erklärt: „Aus Mitgefühl für Eugeniu Botnari und um ein klares Zeichen gegen Ausgrenzung und Diskriminierung von Obdachlosen und migrantischen Personen zu setzen, wird die Erinnerung an Eugeniu Botnari am Leben erhalten.“ Mit der neuen Gedenktafel werde der Prozess der Benennung komplettiert.

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