Die Schülerschaft am Coppi-Gymnasium im Lichtenberger Ortsteil Karlshorst ist in Aufruhr. Grund ist eine Podiumsdiskussion am kommenden Dienstag (11. Februar), zu der neben den Kandidatinnen und Kandidaten der anderen relevanten Parteien auch die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch eingeladen wurde.

Die Schülerinnen und Schüler fühlen sich von der Schulleitung übergangen. „Der AfD eine Bühne zu geben, und das an einer Schule, die nach Widerstandskämpfenden benannt ist, empfinden wir als gefährlich und antidemokratisch“, heißt es in einer Mitteilung, die derzeit in den sozialen Netzwerken kursiert. Am Dienstag sei deshalb zwischen 13 und 16 Uhr eine Protestkundgebung geplant. Man wolle zeigen, dass „unser Kiez bunt bleibt und die rassistischen und diskriminierenden Positionen an unseren Schulen keinen Platz haben“, heißt es weiter.

Eine Diskussion mit Beatrix von Storch an einem Ort wie dem Coppi-Gymnasium empfinden viele als Affront. Benannt wurde die Schule nach Hilde und Hans Coppi, einem antifaschistischen Ehepaar, das sein Engagement gegen die Nazis mit dem Tod bezahlte. Die bewegende Lebensgeschichte von Hilde Coppi, die 1943 in Plötzensee hingerichtet wurde, hat Andreas Dresen kürzlich mit Liv Lisa Fries in der Titelrolle für das Kino verfilmt.

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Über den Umgang mit der AfD an Schulen wird derweil heftig gestritten. „Es ist kontrovers, die AfD an eine Schule einzuladen. Ich persönlich würde es nicht tun“, sagte Landesschülersprecher Orcun Ilter dem „Tagesspiegel“.  Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses in Berlin, hält dagegen. „Es macht wenig Sinn, die AfD auszuschließen. Dann kann sie wieder die Opferrolle ausspielen und bekommt Aufmerksamkeit“, glaubt Heise.

Hilde Coppi / Foto
Hilde Coppi (1909-1943) wurde von den Nazis in Plötzensee ermordet.© picture-alliance / akg-images | akg-images

Die jüngsten Äußerungen von Storchs zu einer möglichen Ausladung scheinen Heise Recht zu geben. „Wer Andersdenkenden den Mund verbieten will, ist ein Feind der Meinungsfreiheit und damit zwingend auch der Demokratie“, sagte die AfD-Politikerin dem „Tagesspiegel“. Von Storch darf sich gute Chancen auf das Direktmandat in Lichtenberg ausrechnen. Laut einer Umfrage der Plattform YouGov liegt sie im Bezirk mit 23 Prozent in Führung, vor Ines Schwerdtner von der Linken (19 Prozent).

Heftigen Gegenwind für die AfD-Politikerin gab es im Bezirk zuletzt schon einmal – bei einer Diskussion mit den anderen Lichtenberger Direktkandidaten im Kulturhaus Karlshorst, ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag am 27. Januar. Am Odesaplatz hatten sich zahlreiche Gegendemonstranten eingefunden. Sollte die Veranstaltung am Coppi-Gymnasium mit von Storch stattfinden, dürfte es nicht anders sein.

Proteste in Lichtenberg
Vor dem Kulturhaus in Karlshorst demonstrierten etwa 100 Leute gegen den Auftritt von Beatrix von Storch von der AfD.© BM | Leonard Laurig