Nachdem im Rathaus Lichtenberg eine Ausstellung wegen unterschiedlicher Meinungen zum Gaza-Krieg kurzfristig abgesagt wurde, haben sich nun die Künstlerinnen und Künstler sowie der bbk (Berufsverband bildender Künstler*innen) zu Wort gemeldet.
In der Absage der Ausstellung „Of Love“ sehe der bbk Berlin eine „Verletzung der Kunstfreiheit“, denn „Kunst kann nur dann ihre gesellschaftliche Funktion erfüllen, wenn sie unabhängig bleibt und ihre eigene Sprache findet“, hieß es in einer Stellungnahme des bbk, der den Bericht der Künstlerinnen und Künstler veröffentlichte.
„Wird die verfassungsmäßig garantierte Freiheit der Kunst – wie in diesem Fall berichtet – eingeschränkt, stellt das unsere offene und demokratische Gesellschaft infrage“, hieß es weiter.
Umstrittener Begriff des „Völkermords“
Die Ausstellung „Of Love“ des Kunstkollektivs „HIER&JETZT: Connections“ war im August am Tag der geplanten Eröffnung kurzfristig abgesagt worden. Der Bezirk hatte damals in einer Pressemitteilung erklärt: „Das Bezirksamt wird kein Ausstellungsort sein, in dem über den ersten Jahrestag des 7. Oktober hinweg von einem ‚Völkermord in Gaza‘ die Rede ist, ohne mit einem Wort die Gräueltaten des 7. Oktober 2023 zu erwähnen.“
Erst beim Ausstellungsaufbau habe das Bezirksamt Kenntnis über die einzelnen Kunstobjekte erhalten. „Dabei wurde deutlich, dass die politische Haltung des Bezirksamtes und die Haltung der Künstlerinnen und Künstler so abweichen, dass es zu keiner Einigung kommen konnte.“
Textbeitrag löste Diskussion aus
Auf Nachfrage hatte der Bezirk konkretisiert, dass es sich bei dem monierten Werk um einen Textbeitrag handele, der nicht mit Logo des Bezirksamtes veröffentlicht werden durfte. „Es wurden Optionen diskutiert und auch das Gespräch dem Künstler angeboten. Dies wurde leider abgelehnt“, hatte das Bezirksamt mitgeteilt. Die Ausstellung sei daraufhin von Seiten der Künstlerinnen und Künstler abgesagt worden.
In dem Bericht der Kunstschaffenden heißt es nun, dass trotz zweier Gespräche mit dem Bezirksamt keine Lösung gefunden werden konnte, „da jede der uns vorgeschlagenen Optionen eine Veränderung oder Entfernung des Kunstwerks erforderte.“ Der Vorschlag, die Galerie könne eine Stellungnahme in ihrem Namen veröffentlichen, sei nicht angenommen worden. Daraufhin habe der Bezirk die Ausstellung abgesagt.
Das Kunstkollektiv veröffentlichte auch den vom Bezirk kritisierten Textbeitrag. Darin war vom „andauernden israelischen Völkermord in Gaza“ die Rede. Ob der Krieg in Gaza als „Völkermord“ bezeichnen werden kann, ist jedoch umstritten. Experten betonen, dass für die Bezeichnung „Völkermord“ ein Vernichtungswille erkennbar sein müsse, der sich bei der israelischen Staatsführung bislang aber kaum nachweisen lasse.


