Es war eine kurze und vor allem kurzfristige Ankündigung des Bezirks. Die Ausstellung „Of Love“ in der Galerie im Ratskeller in Lichtenberg sowie die dazugehörige Vernissage am Donnerstag „finden nicht statt“, hieß es in einer Mitteilung am Donnerstagnachmittag letzter Woche. Als Grund wurde eine abweichende politische Haltung zwischen Bezirksamt und den Künstlerinnen und Künstlern genannt.
Der Bezirk habe erst beim Aufbau Kenntnis über die einzelnen Kunstbjekte erhalten, hieß es weiter. Und: „Das Bezirksamt wird kein Ausstellungsort sein, in dem über den ersten Jahrestag des 7. Oktober hinweg von einem ‚Völkermord in Gaza‘ die Rede ist, ohne mit einem Wort die Gräueltaten des 7. Oktober 2023 zu erwähnen.“
CDU stellt sich hinter Entscheidung
Die Freiheit der Kunst stehe dabei „nicht zur Diskussion“, ergänzte das Bezirksamt. Um welche und wie viele Kunstwerke es sich handle, nannte der Bezirk zunächst nicht. Auch nicht, von wem die beanstandeten Werke stammen.
Doch die Reaktionen folgten promt. Die CDU Lichtenberg begrüßte „die Entscheidung von Bezirksbürgermeister Martin Schaefer, eine Ausstellung in der rk-Galerie abzusagen“ und lobte „die klare Haltung des Bezirksbürgermeisters in dieser Angelegenheit“.
Auf Nachfrage beim Bezirk stellt sich die Angelegenheit jedoch offenbar anders dar. Die Ausstellung sei nicht vom Bezirksbürgermeister und Kulturstadtrat Martin Schaefer abgesagt worden, sondern „durch das Künstlerkollektiv“, teilte der Bezirk der Berliner Morgenpost mit.
In der Ausstellung hätten neue Werke von vierzehn Künstlerinnen und Künstlern vom Lichtenberger Kollektiv „Hier&Jetzt: Connections“ präsentiert werden sollen. Laut Ankündigungstext befasste sie die Schau „mit Taten des Mitgefühls in der Gesellschaft und in der Natur“.
Textbeitrag löste den Streit aus
Auf Nachfrage konkretisiert der Bezirk, dass es sich bei dem beanstandeten Werk um einen Textbeitrag unter einem Handout gehandelt habe. Der Bezirk habe den Künstlerinnen und Künstlern mitgeteilt, dass dieses „nicht mit Logo des Bezirksamtes veröffentlicht werden“ dürfe. Auf Kompromissvorschläge sei das Kollektiv nicht eingegangen. Der betroffene Künstler habe sich nicht auf ein Gespräch eingelassen.
Damit sei dem Kollektiv klar gewesen, dass sie mit ihrer Entscheidung die Ausstellung für alle Teilnehmenden des Kollektivs „formal absagen“ – so formuliert es der Bezirk. Inwieweit das zutreffend ist, lässt sich nicht abschließend überprüfen. Die Künstlerinnen und Künstler waren für die Berliner Morgenpost auch nach mehreren Kontaktanfragen nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Der Vorgang verdeutlicht auch, wie festgefahren die Debatte ist. Politische und kulturelle Institutionen stellen sich oftmals hinter die deutsche Staatsräson, mit der einige Künstlerinnen und Künstlern allerdings fremdeln und die sie als einseitig wahrnehmen.
Jüdische Gemeinde kritisiert Kulturszene
Gleichzeitig kritisiert die Jüdische Gemeinde zu Berlin, „dass insbesondere nach dem 7. Oktober 2023 immer mehr jüdische Stimmen verstummen“. Jüdische und israelische Künstler würden von großen Teilen der Berliner Kulturszene „regelrecht boykottiert werden“.
Vor diesem Hintergrund und aufgrund der „Weigerung der Künstler, von ihrem einseitigen Narrativ abzuweichen“, habe der Bezirk „keine Wahl, als die Ausstellung abzusagen“, erklärte der Beauftragte gegen Antisemitismus, Sigmount A. Königsberg.


