Uwe Schmidt kommt es gerade fast so vor, als wäre Weihnachten. Der Schulleiter der Mildred-Harnack-Sekundarschule in Lichtenberg kann sich über mehr Geld für seine Schule freuen. 20.833 Euro wird die Schule noch in diesem Jahr bekommen, weitere 50.000 Euro im kommenden Jahr.

Wofür sie das Geld ausgeben, darüber dürfen er und seine Kollegen selbst entscheiden. „Wir haben gerade angefangen, uns darüber Gedanken zu machen“, sagt Schmidt. Er wisse erst seit einer Woche, dass seine Schule diese zusätzliche Unterstützung bekommen soll. Vielleicht könnten sie jemanden einstellen, der die Schulbibliothek wieder zum Laufen bringt oder das Geld für den Schüleraustausch nutzen, den die Schule seit 1998 mit Russland, Frankreich und den USA pflege. Schmidt hat viele Ideen.

Die Mildred-Harnack-Sekundarschule ist eine von 28 Berliner Schulen, die im August in das Bonus-Programm aufgenommen werden sollen, mit dem die Bildungsverwaltung Schulen in sozialen Brennpunkten unterstützt. Das Programm ist im Februar 2014 gestartet worden. Bisher haben 218 Schulen davon profitiert und bis zu 100.000 Euro jährlich zur freien Verfügung bekommen.

Fortbildung für die Schulleitungen

An der Mildred-Harnack-Schule lernen 800 Schüler, 250 davon in der Oberstufe. Die Schule ist zudem eine staatliche Europaschule für die Fächerkombination Deutsch-Russisch. Und sie hat einen Wahlpflichtkurs Fußball, in dem nur Schüler mitmachen können, die in einem Fußballverein trainieren.

Schulleiter Schmidt wehrt sich allerdings dagegen, seine Schule als Brennpunktschule zu bezeichnen. „Bei uns brennt es nicht, wir sind eine ganz normale Sekundarschule“, sagt er. Die Kriterien zur Aufnahme in das Bonus-Programm würde seine Einrichtung natürlich dennoch erfüllen. Mehr als die Hälfte der Schüler seien von der Zuzahlung zu Lernmitteln befreit. „Die Eltern vieler unserer Schüler verdienen nicht so viel“, sagt Schmidt.

In zwei Wochen können Uwe Schmidt und seine Leitungskollegen an einer Schulung teilnehmen. Zu der sind alle neuen Bonus-Schulen eingeladen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), die die Schule am Freitag mit SPD-Chef Raed Saleh besuchte, sagte dazu: „Die Schulleitungen erfahren Details zur Landeshaushaltsordnung und zum Vergaberecht, die auf das Bonus-Programm zugeschnitten sind.“

Fördermittel genutzt: Lernwerkstatt, Schulbücherei, Leseraum

Auch einen Workshop wird es geben. Die neuen Bonus-Schulen sollen von erfahrenen Schulen lernen, wie das geht, sich Ziele zu setzen, Verträge zu vereinbaren und Sachmittel zu vergeben. Die zusätzlichen Mittel für die Schulen setzen sich aus einer Basiszuweisung, einem Leistungsbonus sowie einer Kooperationszulage zusammen, die die Schulen erhalten, wenn sie mit freien Trägern zusammenarbeiten. Zusätzliches Geld gibt es auch dann, wenn sich die Schulen in einem sozial schwachen Umfeld befinden.

Im vergangenen Jahr sind laut Bildungsverwaltung fast alle Bonusmittel von den Schulen abgerufen worden. Die Neuköllner Hans-Fallada-Grundschule baut mit dem Geld beispielsweise ihre Schulbücherei aus. Außerdem will sie einen Leseraum für die fünften und sechsten Klassen einrichten.

Die Theodor-Storm-Grundschule investiert in die Einrichtung einer Lernwerkstatt und arbeitet dabei mit einem freien Träger zusammen, der der Schule eine Sozialpädagogin zur Verfügung stellt. Die Röntgen-Sekundarschule und das Albert-Schweitzer-Gymnasium, ebenfalls in Neukölln, haben sich den Aufbau einer Schüler-Bigband zum Ziel gesetzt.

Für sieben Schulen, darunter die Kreuzberger Lenau-Grundschule, die Tempelhofer Tempelherren-Grundschule oder die Bruno-Taut-Grundschule in Neukölln, läuft die Förderung durch das Bonus-Programm bereits wieder aus. „Bei diesen Schulen liegt die Anzahl der Kinder, die von der Zuzahlung zu den Lernmitteln befreit sind, inzwischen unter fünfzig Prozent“, sagte Scheeres.