Schmargendorf

Pläne für Betonplatz im Maximilians-Quartier ernten Kritik

Die Pläne für den Stadtplatz in Schmargendorfs größtem Bauprojekt werden erstmals öffentlich vorgestellt und stoßen auf Ablehnung

Das geplante Maximilians-Quartier aus südlich-westlicher Richtung. Genau in der Mitte soll der Stadtplatz die nördlichen beiden von den südlichen beiden Blöcken trennen.

Das geplante Maximilians-Quartier aus südlich-westlicher Richtung. Genau in der Mitte soll der Stadtplatz die nördlichen beiden von den südlichen beiden Blöcken trennen.

Foto: Groth-Gruppe

Wo einst Laubenpieper ihre Kleingärten pflegen, verspricht die Groth-Gruppe nun das „Das Beste im Westen“. 973 Miet- und Eigentumswohnungen entstehen auf der 4,7 Hektar großen, westlichen Hälfte der Kolonie Oeynhausen südlich der Forckenbeckstraße in Schmargendorf. Bis 2021 sollen die vier fünf- bis achtgeschossigen Wohnblöcke des „Maximilians-Quartiers“ gebaut werden. In ihrer Mitte ist ein öffentlicher Stadtplatz geplant.

Auf einer gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Stadtentwicklung und für Tiefbau der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf wurden die Pläne für den Platz nun erstmals öffentlich vorgestellt. Landschaftsarchitekt Tim Hagendorf vom Büro „Lützow 7“ erntete dafür von den Bezirkspolitikern zum Teil vernichtende Kritik. Daher wollte der Investor Simulationen für den Platz auch nicht an die Berliner Morgenpost weitergeben. Sie sollen zunächst überarbeitet werden, so Rainer Kieschke von der Groth-Gruppe nach der Ausschusssitzung.

Kritik an unattraktivem Betonplatz

Laut Hagendorf soll der Platz ein Treffpunkt im Quartier sein. Gastronomie und Bänke soll es geben, einige Bäume und Sträucher sollen am Rand gepflanzt werden. Dominiert wird die Struktur allerdings von Beton in verschiedenen Grautönen – ein „Urban Dancefloor“, „atmosphärisch ein bisschen urbaner“ als die umliegende Gegend, so Hagendorf.

Die meisten Bezirkspolitiker vermissten das Grün auf dem Platz. Die Kritik: er lasse Aufenthaltsqualität vollkommen vermissen. „Ein völlig versiegelter Stadtplatz ist für mich völlig inakzeptabel und vor dem Hintergrund des Klimawandels total kontraproduktiv“, kritisierte etwa die SPD-Verordnete Christiane Timper. Wasser oder ein Brunnen, der im Sommer für Abkühlung sorgen könnte, sind nicht vorgesehen. Als „Planerlyrik“ bezeichnete der Bürgerdeputierte der Grünen, Uwe Szelag, die Ausführungen des Architekten. „Hier gilt die Maxime, wie kann man das pflegeleicht und kostengünstig machen.“

Architekt: Feuerwehr fordert Versiegelung

Hagendorf begründete die Versiegelung zum einen damit, dass man keine Konkurrenz zum benachbarten grünen Kissinger Platz herstellen wolle. Außerdem sei eine Betonfläche Anforderung der Feuerwehr. Darin sei lediglich von einer Begeh- und Befahrbarkeit, nicht aber eine totalen Versiegelung die Rede, widersprach der FDP-Verordnete Johannes Heyne entschieden.

Weiterer Kritikpunkt war, dass der Platz prinzipiell befahrbar sein soll. Das sei nicht zuletzt wegen der Gastronomie nötig, so Hagendorf. Absperrungen oder bewegliche Poller solle es nicht geben. „Es ist aber nicht angedacht, dass er ständig überfahren wird.“ Man setze auf die soziale Kontrolle der Anwohner. „Dadurch, dass der Platz sehr betonlastig ist, könnte er natürlich dazu einladen, dass er als Straße genutzt wird“, befürchtet der FDP-Verordnete Felix Recke. Andere sahen auch den Missbrauch als Parkplatz vorprogrammiert. Sobald man den Verkehr zulasse, werde er dominieren, so der SPD-Verordnete Wolfgang Tillinger.

Streit um zukünftige Verantwortung für den Platz

Anders als die privaten Flächen zwischen den Wohnblöcken soll der Platz öffentliches Straßenland sein. Damit sei selbstverständlich das bezirkliche Straßen- und Grünflächenamt zuständig, so Groth-Vertreter Kieschke. In Verhandlungen sei bereits vereinbart worden, dass der Investor den Platz pflege, hielten Vertreter von SPD, CDU und Grünen dagegen. „Wenn diese Zusage gemacht wurde, werden wir das auch tun“, lenkte Kieschke ein.

Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) verwies darauf, dass es sich bei der vorgestellten Planung nur um eine Entwurfsfassung handele. Man könne davon zwar nicht mehr völlig abrücken. Details seien allerdings noch offen. So liefen auch bei der Platzpflege noch Verhandlungen. Eine weitere noch zu klärende Frage sei, in wieweit auf den Privatwegen zwischen den Wohnblöcken ein öffentliches Wegerecht festgeschrieben werden kann. Versperren wolle man sie nicht, so Kieschke.

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