Schmargendorf

Lauben in der Kolonie „Oeynhausen“ werden abgerissen

In der Kleingartenkolonie „Oeynhausen“ müssen 150 Kleingärten für Wohnungen weichen. Arbeiter reißen derzeit die Lauben ab.

zahlreiche Kleingärten der Kolonie Oeynhausen mussten ihre Parzellen räumen.Derzeit wird dort für den Wohnungsbau Platz geschaffen

zahlreiche Kleingärten der Kolonie Oeynhausen mussten ihre Parzellen räumen.Derzeit wird dort für den Wohnungsbau Platz geschaffen

Foto: Steffen Pletl

Holz splittert, Wände werden eingedrückt. Dieselgeruch liegt in der Luft, dazu dröhnen die Motoren der Bagger. Seit Anfang Febbruar werden in der Kolonie "Oeynhausen" 150 von 300 Lauben abgerissen. Die Hälfte der Laubenpieper muss ihre Parzellen räumen. Dort, wo sie sich einst ein kleines Stück Paradies inmitten der Stadt geschaffen haben, wird die Groth-Gruppe in Kürze 900 Wohnungen bauen.

Frank Sassoli war der Pächter des Vereinsheims und muss sich nun eine neue Existenz aufbauen. „Meine vier Angestellten musste ich entlassen“, sagt Sassoli der Berliner Morgenpost mit Wehmut in der Stimme.

Die Stimmung in der Kolonie Oeynhausen ist am Boden, die Kleingärtner sind frustriert. Viele Jahre haben sie gekämpft, 85.000 Unterschriften beim Bürgerbegehren für den Erhalt ihrer Parzellen erhalten. Doch genützt hat es wenig. Nur die Hälfte der Kleingärtner darf bleiben. Das sieht der Kompromiss mit dem Eigentümer, der Groth Gruppe, vor, den das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf und der Bezirksverband der Kleingärtner Berlin Wilmersdorf geschlossen haben. CDU, SPD und Grüne haben zugestimmt, die Piraten nicht.

>>>4000 Euro Entschädigung für einen Berliner Kleingarten<<<

Viele Kleingärtner müssen nun mitansehen, wie die Bagger ihre Lauben dem Erdboden gleichmachen. Manche haben ihre Parzelle geerbt. so auch das Ehepaar Helga und Wolfgang Schleh. Sie ist 80 Jahre alt, er 79. Bereits in der dritten Generation beackern sie die Scholle. Der Großvater von Wolfgang Schleh hatte 1911 dort angefangen, sieben Jahre nach Gründung der Kolonie Oeynhausen in Schmargendorf. „Von Mai bis September waren wir eigentlich immer draußen“, denken die zwei wehmütig zurück.

4100 Euro Entschädigung hat ihnen die Groth-Gruppe zugesagt. Nicht viel für ein Stückchen Paradies, das über Generationen gewachsen ist. „Das reicht mal gerade für einen kleinen Urlaub“, sagt das Paar. „Wir haben gehofft, unsere letzten Jährchen noch den Garten zu haben. Wir hatten dort eine Aufgabe und sind fit geblieben.“

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