Charlottenburg

Ohne Glanz, aber mit Gloria: Der schlichte neue Kudamm

Außer dem Namen erinnert bei den beiden Neubauten am Kudamm 12-14 nichts mehr an die historische Bebauung. Nur das Mampe-Haus bleibt.

So soll die neue Fassade des Gloria Berlin im Sommer 2020 aussehen

So soll die neue Fassade des Gloria Berlin im Sommer 2020 aussehen

Foto: Simulation: Centrum Gruppe

Berlin. Lange wurde im Bezirk und im Baukollegium um die Gestaltung der neuen Häuser am Kurfürstendamm 12-15 gerungen. „Es war ein Prozess, der für den Bezirk mit Schmerzen verbunden war“, sagt Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne). Schließlich musste sich der Bezirk Gutachten beugen, die Fassade des denkmalgeschützten Gloria-Palastes als unsanierbar erklärten. „Wir stehen hier immer wieder vor dem Zwiespalt, dass die Wirtschaft und Investoren schnell vorangehen wollen, die Menschen, die hier leben aber Angst haben, ihre Identität zu verlieren“, sagt der Stadrat.

Trotz des langen Ringens bieten die Neubauten nichts, was neue Identität stiften könnte. Auch wenn Architekt Florian Matzker von Ortner & Ortner Baukunst leidenschaftlich für sein Werk wirbt. Er habe „architektonische Elemente aus der Geschichte des Kudamms aufgenommen“, sagt er. Die „Maßstäblichkeit der historischen Stadtpalais“ will er in den Neubauten verarbeitet haben. Auch von „Opulenz und Tiefe“ spricht er. Wer die Bebauung vor dem Abriss kennt, wundert sich. Nichts mehr erinnert an den Gloria-Palast, kein noch so leiser Versuch beispielsweise der Andeutung eines geschwungenen Vordachs über den Eingängen oder vielleicht die Inte­gration der alte Leuchtreklame als Reminiszenz an das alte Kudamm-Kino werde erwogen. Nur der Namen „Gloria Berlin“ bleibt als Erinnerung.

Die Fassaden sind von Glas geprägt, glatt und klar gegliedert und mit hellem Naturstein verkleidet. Die Sockelgeschosse erstrecken sich über zwei Stockwerke. Ob die Häuser aber am Kudamm oder in der Fußgängerzone von Detmold stehen, dürfte für ein Wiedererkennen keine Rolle spielen. Selbst der inzwichen auch abgerissene, nur etwa 20 Jahre alte Eingangsbau zur ehemaligen Gloria-Passage setzte mit seiner goldenen Gloria-Figur auf der Giebelspitze eine Landmarke im Häusermeer.

Das Projekt soll ein Verbindung zwischen geschichtsträchtiger Gründerzeit und zeitgenössischer Moderne darstellen, versichert indes Peter Knopf, Geschäftsführer der Centrum Projektentwicklung und freut sich sichtlich, dass nach Jahren des Stillstands nun an diesem Donnerstag mit den Tiefbauarbeiten zwischen Upper West und Kudamm begonnen werden kann. Immerhin das denkmalgeschützte „Mampe-Haus“ am Kurfürstendamm 15 bleibt stehen und soll in seiner ganzen gründerzeitlichen Pracht saniert werden. Verantwortlich dafür zeichnet Architektin Petra Kahlfeldt, die von neobarocken Formen, üppigen Verzierungen, wiederentdeckten Deckenmalereien und Kachelöfen schwärmt.

Doch wohnen wird auch in diesem Haus, das 1889 erbaut wurde und Wohnungen für großbürgerliche Ansprüche bot, niemand mehr. Wie auch die neuen Nachbarhäuser wird das Mampe-Haus zum Büro- und Geschäftshaus. Einen Hoffnungsschimmer, dass in „Mampes guter Stube“, in der schon Schriftsteller wie Josef Roth Weltliteratur schrieben, wieder Gastronomie einzieht, gibt es noch. Projektleiter Knopf will zumindest nicht ausschließen, dass das Erdgeschoss, das zuletzt eine McDonalds-Filiale beherbergte, wieder gastronomisch genutzt würde.

Erste Mieter sollen im Frühjahr 2020 einziehen

Die Neubauten verfügen über jeweils fünf oberirdische Etagen sowie ein Staffelgeschoss. Gloria Berlin wird insgesamt über 19.800 Quadratmeter Nutzfläche verfügen. Vom ersten Unterschoss bis ins zweite Obergeschoss entstehen Geschäfte und Boutiquen mit 11.000 Quadratmetern Nutzfläche. Darüber werden Büros eingerichtet. „Alles nach höchsten Ökostandards“, sagt Knopf. Dem Projektleiter zufolge sollen sich die ersten Mieter im Frühjahr 2020 einrichten können. Wer diese sein werden, will der Centrum-Manager noch nicht verraten. Die gesamte Investitionssumme benennt Knopf mit „mehreren 100 Millionen Euro“.

Bewegung kommt nach zehn Jahren auch in eine weitere Hängepartie am Kudamm. Am Donnerstag wurde der städtebauliche Vertrag zum Kudamm-Karree zwischen Bezirksamt und Investor geschlossen. Abgesichert ist darin unter anderem auch ein Theater, in das die Kudamm-Bühnen wieder einziehen sollen. Auch andere Wünsche des Bezirks wie eine Kita und ein Fahrradparkhaus sollen realisiert werden.

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