Was sich in der City West alles ändert

So richtig fertig wird die City West wohl nie. Es wird abgerissen, gebaut, umgekrempelt oder ganz Neues ausprobiert. Ein Überblick.

Wie auf dieser Simulation könnte der Mittelstreifen des Tauentziens umgestaltet werden. Die AG City stellt ihre Pläne vor. Simulation: AG City/Büro Lützow7

Wie auf dieser Simulation könnte der Mittelstreifen des Tauentziens umgestaltet werden. Die AG City stellt ihre Pläne vor. Simulation: AG City/Büro Lützow7

Für Oliver Schruoffeneger muss sich grundsätzlich die Definition der touristischen Zentren in Berlin ändern, eine der Thesen des Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrats bei der Mai-Gesprächsrunde des Kurfürstendamm-Vereins. "Wir können Berlin nicht als einheitliche Marke verkaufen, wie Berlin Tourismus Marketing das macht", sagt Schruoffeneger. Die Zielgruppen, die sich Prenzlauer Berg und Friedrichshain als Ziel aussuchten, seien völlig andere, als die für Potsdamer Platz und Friedrichsstraße oder die, die sich für die City West interessierten. Das sollte auch das Stadt-Marketing herausarbeiten. "Ich glaube, dass der Kudamm am besten dabei fährt, wenn er sich statt auf Easyjet-Touristen eher auf Messe- und Kongressbesucher und den Bereich des hochpreisigen Einkaufens konzentriert. Mit dieser Zielgruppe arbeiten wir noch nicht genug", so der Grünen-Politiker. Doch während diese Theorien eher noch künftiger Natur sind, passiert auch real viel Wandel in der City West.Ein virtueller Rundgang durch die City West

Business Improvement District

Business Improvement Districts, kurz: BIDs sind städtische Zentrums- und Handelsbereiche, in denen sich sämtliche Anlieger zusammenschließen und darauf verständigen, Verbesserungsmaßnahmen (Improvement) gemeinsam umzusetzen und gemeinsam zu finanzieren. 8,7 Millionen Euro wollen Gewerbetreibende und Grundeigentümer investieren, um Kurfürstendamm und Tauentzienstraße zwischen Wittenbergplatz und Uhlandstraße zu verschönern. Zudem sollen City Guides – mehrsprachig und in hellen Kostümen und Anzügen gut zu erkennen – Touristen ihre Fragen beantworten. Die öffentliche Auslegung des Konzepts für das BID läuft noch bis Ende Mai. Am 19. Mai veranstaltet der Bezirk eine öffentliche Anhörung, in der das Konzept vorgestellt wird, aber auch Einwendungen dargestellt werden. Dann muss das Bezirksamt entscheiden. "Der dritte Punkt, der aber sicher noch eine öffentliche Debatte hervorrufen wird, ist eine auf Handy-Basis basierende Publikumsstatistik, mit der die Gewerbetreibenden ermitteln wollen, wer kommt woher, wie viele Besucher sind gerade auf dem Kudamm unterwegs, wie viele kommen aus Osteuropa, wie viele sind Berliner", sagt Schruoffeneger.

Gedächtniskirche und Breitscheidplatz

Der augenblicklich wegen des Kirchentags orange verhüllten Eiermann-Turm der Gedächtniskirche muss in den nächsten Jahren wieder renoviert werden, sagt der Stadtrat. Das sei etwa alle zehn Jahren erforderlich und lasse sich wegen der Wabenstruktur und der eingesetzten Baumaterialien nicht verhindern. "Wir müssen nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz im Dezember aber auch eine Diskussion führen, inwieweit der Platz als Ort für Weihnachtsmärkte und alle anderen Feste so weitergenutzt werden kann", so Schruoffeneger. Diskutiert werden müsse, welche Sicherheitsmaßnahmen und infrastrukturelle Einrichtungen künftig geschaffen werden sollten. Es werde zwar jetzt schon bei Veranstaltungen mit zusätzlichen Absperrungen gearbeitet, aber ob das eine dauerhafte Lösung ist, sei noch offen.

Kudamm-Karree

Nach lange Jahren gibt es jetzt eine Verständigung mit der Sicherung eines Theaters und der Schließung des zweiten. "Das Projekt bringt nochmal ganz neue Bewegungen von Menschen in diese Gegend", sagt Schruoffeneger. Neben der Spielbank Berlin, die Schruoffenger zufolge bereits ihren Mietvertrag für ihren neuen Standort im Kudamm-Karree unterschrieben hat, sind auch ein Hotelbereich, eine Kita, ein Kaufhaus und sehr viele Büros vorgesehen. "Wir hoffen, dass die Pläne diesen Teil des Kudamms stärker beleben, als es jetzt der Fall ist", so der Stadtrat. In Mai/Juni dieses Jahres würden die Bauanträge eingereicht. In der zweiten Jahreshälfte 2021 soll das Vorhaben abgeschlossen sein. "Wie das aber so mit Bauprojekten ist, würde ich nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass das auch wirklich so sein wird", sagt der Stadtrat.

Karstadt am Kudamm

Sachstand ist Schruoffeneger zufolge, dass der Investor gemäß seinem Bauvorbescheidsantrag dort eine "Mall" im klassischen Sinne bauen könne. "Wir haben allerdings als Bezirk sehr deutlich gemacht, dass wir das nicht für das tollste Projekt halten, da noch eine Mall hinzusetzen und haben immer die sehr offene Formulierung einer Mischnutzung verwendet", sagt der Grünen-Politiker. In den letzten Gesprächen im Dezember habe er aber den Eindruck gewonnen, dass die Investoren dem gegenüber nicht völlig abgeneigt sind und nachdenken, ob sie dort nun eine Mall bauen wollen oder etwas anderes. Vom Tisch scheine aber zu sein, dass da auch ein großes Hochhaus gebaut werden soll. Auf die Frage, ob sich auch Miteigentümer Harald Huth von dem Mall-Konzept verabschiedet habe, sagte Schruoffeneger: "Nach meiner Einschätzung plant Benko im Moment ohne Huth."

Gloria-Palast

Schruoffeneger bestätigte, dass der Bezirk einem Abriss des denkmalgeschützten Gloria-Kinos am Kudamm 12 zugestimmt hat: „Mittlerweile ist es so, dass der Bezirk sich von 20 technischen Gutachten, die alle zu dem Ergebnis kommen, diese alte denkmalgeschütze Fassade sei so nicht mehr zu retten, hat überzeugen lassen.“ Die untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks versuche jetzt das Einvernehmen mit der oberen Denkmalschutzbehörde des Landes herbeizuführen. „Das gestaltet sich etwas schwierig“, so der Stadtrat.

Bezirk stimmt dem Abriss des Gloria-Palastes zu

Letztendlich werde die Senatsverwaltung die Entscheidung treffen müssen. Im Haus von Klaus Lederer (Linke), zu dem der Landesdenkmalschutz nun gehört, gibt man sich in dieser Frage indes zugeknöpft. „Die Angelegenheit ist im Verfahren. Die Oberste Denkmalschutzbehörde hat zwei Woche Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Vorher können wir nichts sagen“, sagt Julia Marg, Sprecherin der Senatskulturverwaltung. Schruoffeneger zufolge gab es unterdessen auch eine Auseinandersetzung um die Neubauplanung. Der Investor habe zwischendurch überlegt, sich bei der Höhenentwicklung des Neubaus am Sockelgeschoss des Upper West zu orientieren. „Das fand der Bezirk aber nicht so richtig überzeugend“, so der Grünen-Politiker. Im Moment scheine es so zu sein, dass es eine Neubauplanung gebe, die sich in der Höhe am umliegenden Bestand orientiert.

Bahnhof Zoo und Hardenbergplatz

Ob und wann wieder Fernzüge am Bahnhof Zoo halten würden, wollte Kurfüstendamm-Vereinschef Peter-Michael Riedel wissen. Der Verein habe im Mai 2006 den letzten ICE im Bahnhof Zoo verabschiedet, und hoffe seither, dass es da wieder einen Sinneswandel bei der Bahn gebe. "Da ist die Antwort nicht so ganz optimistisch. Da gibt es nicht die Spur eines Signals der Deutschen Bahn sich da zu bewegen", sagte Schruoffeneger. Es gebt in dieser Ecke verschiedene Diskussionen, die auch Baumaßnahmen beträfen. Offen seien beispielsweise die Sanierung oder der Neubau des Huthmacher-Hauses oder der Umbau des Hardenbergplatzes. "Es gibt eine Auseinandersetzung zwischen Senat und Bezirk, wer in diesem Bereich planerisch eigentlich den Hut auf hat", so der Bezirksstadtrat. Man sei im Moment so verblieben, dass man die "Historie gegenseitiger Beschimpfungen" in den letzten Jahren jetzt mal lassen wolle und gemeinsam eineinhalb Jahre an einem Masterplan für die City West für den Bereich zwischen Ernst-Reuter-Platz, Technischer Universität, dem Gelände der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) und Hardenbergplatz arbeiten wolle. Erst danach werde entschieden, wer welche Bebauungspläne übernimmt.

Ehemaliges Aschinger-Haus

Es hat Jahre gedauert, bis das Haus aus dem Boden kam. Nun wächst es aber. "In eineinhalb bis zwei Jahren müssten sie durch sein", vermutet der Stadtrat. Einziehen soll zum Missfallen vieler Anlieger dort der irische Textil-Discounter Primark. "Wir werden es nicht verhindern können, dass ein privater Besitzer seine Räume an so eine Firma vermietet. Wir werden es aber aus inhaltlichen Gründen deutlich bekämpfen, weil das die Firma ist, die weltweit am verrufensten ist, was beispielsweise Kinderarbeit angeht. Letztlich ist es aber so, wie es ist."

Ehemaliges Riesenrad-Grundstück an der Hertzallee

Das Grundstück ist Teil des Masterplan-Prozesses, aber es gibt Schruoffeneger zufolge derzeit keine konkrete Planung, was der Eigentümer mit dem Grundstück plant, ein Riesenrad aber nicht.

TU und BIMA

Die Technische Universität ist dabei unter dem Gesichtspunkt des Campus-Gedankens die Hertzallee zu öffnen. Es werde dafür auch ein Tourismus-Gutachten des Bezirks geben. Das Gebiet soll dann auch Richtung Kudamm und Tauentzien abstrahlen. Auch die Bima schreibt einen Wettbewerb für die Umgestaltung auf ihrem Gelände zwischen Hardenbergstraße und Hertzallee aus. "Da ist aber mein Eindruck, dass die Bima dieses Gelände recht bald verlassen wird, und es dann auch dem Markt angeboten wird. So dass die Frage, was passiert da zwischen Bahnhof Zoo und Fasanenstraße, mit völlig neuen Playern zu diskutieren sein wird", sagt Schruoffeneger.

S-Bahnbögen am Zoo

Am Yva-Bogen siedelt sich noch in diesem Jahr die Yorck-Kinogruppe mit sieben Kinos an. "Wir diskutieren im Moment, ob es Sinn macht, die ganze Ecke unter dem Stichwort "Bewegte und stehende Bilder" als Kulturstandort zu profilieren", erklärt der Stadtrat. Neben den künftigen Kinos gibt es bereits das Delphi-Kino, die C/O Galerie und das Museum für Fotografie an der Jebensstraße. Dann könnte auch die Passage neben dem Ullrich-Markt "ganz anders bespielt" werden. "Im Moment ist das ja eher so eine Ecke, durch die man ungern durchgeht", so der Stadtrat.

Stuttgarter Platz

Das Areal birgt Schruoffeneger zufolge viel Potenzial, um auch für Touristen interessanter gestaltet zu werden. Ein neuer Anziehungspunkt könnte das neue Café-Restaurant mit großer Garten-Terrasse werden, das gerade gegenüber dem Hostel "Happy go Lucky" mit seiner quietschbunten Fassade gebaut wird.

Lehniner Platz

Hier soll ein Café-Kiosk den Platz wieder beleben. Die BVG-Tochter Urbanis, die auch am Bayerischen Platz das Café Haberland eingerichtet hat, will hier bauen. Laut Schruoffeneger soll das Café eine Glasfassade haben, damit das Haus einen transparenten Charakter bekomme und sich im Sommer durch ein Zurückschieben der Glaswände zu einem offenen Raum zum Platz hin entwickeln könnte. Noch sei unklar, ob Urbanis mit dem Bau im Herbst 2017 oder erst im Frühjar 2018 beginne. Im Bezirk habe die Planung aber genehmigt, und es könnte losgehen, so Schruoffeneger.

ICC und Autobahnkreuz

"Es haben sich im Bezirk in den letzten Monaten zwei oder drei potenzielle Investoren vorgestellt. Ich glaube aber nicht, dass das zukunftsfähige Konzepte waren", sagt Schruoffeneger auf eine Frage des Charlottenburg-Wilmersdorfer CDU-Verordenten Gerald Mattern, wie es mit dem ICC weitergehen soll. Der Bezirk sei insgesamt der Meinung, "da müssten wieder Messen und Kongresse rein". Das Gebäude weise aber einen erheblichen Sanierungsbedarf auf, für das das "Land Berlin schon ins Portemonnaie greifen muss".

Schruoffeneger glaubt, dass die Zeit für die Auffassung des Bezirks spielt. "Je länger da nichts passiert, desto stärker wird sich die Einsicht durchsetzen, dass es gar kein anderes Nutzungskonzept als Messen und Kongresse gibt." Auch bei der Umgestaltung des maroden Autobahnkreuzes müsse überlegt werden, ob man das "gleich vernünftig macht" und dabei 30 bis 40 Prozent der Flächen wieder für andere Projekte verfügbar machen kann. "Auch die Passarelle unter dem Messedamm muss weg. Die ist eine Katastrophe", sagt Schruoffeneger. In diesem Gesamtzusammenhang steht das ICC, und ich hoffe, dass wir da in ein, zwei Jahren damit zu Potte kommen."