City West

Karstadt-Eigner Signa kauft Berliner Hochhaus „Upper West“

Signa übernimmt insgesamt fünf größere Immobilien in Deutschland – und will sie „langfristig halten“, hieß es.

Der Doppelturm des "Upper West" prägt das Gesicht der City West

Der Doppelturm des "Upper West" prägt das Gesicht der City West

Foto: Frank Lehmann

Berlin. Der österreichische Karstadt-Eigentümer Signa hat den größten deutschen Immobiliendeal des Jahres besiegelt. Für 1,5 Milliarden Euro kauft Signa ein Immobilienportfolio des Frankfurter Investors RFR, wie die beiden Unternehmen am Donnerstag mitteilten. Das Portfolio umfasst neben dem Berliner Hochhaus „Upper West“ am Breitscheidplatz auch das „Kaufmannshaus“ und die „Alsterarkaden“ in Hamburg, das noch im Bau befindliche Einkaufszentrum „Upper Zeil“ in Frankfurt sowie die 50-prozentige RFR-Beteiligung am „Karstadt am Münchner Hauptbahnhof“. Die restlichen 50 Prozent hielt Signa bereits.

Insgesamt verfügen die Immobilien in diesem Paket über rund 160.000 Quadratmeter Mietfläche, davon 70.000 Quadratmeter Einzelhandel, 55.000 Quadratmeter Büro und 17.000 Quadratmeter Hotel. Die Objekte verfügen Signa und RPR zufolge allesamt über langfristig gesicherte und bonitätsstarke Mieter sowie einen diversifizierten Nutzungsmix mit zusätzlichem Wertsteigerungspotenzial. Das nahezu vollvermietete Portfolio soll, wie es bei Signa heißt, langfristig gehalten werden und für die weitere Diversifizierung des Portfolios hinsichtlich Mieteinnahmen, Nutzungsmix und langen Laufzeiten der Mieten sorgen.

Investor René Benko hat schon das KaDeWe gekauft

Hinter Signa steckt der österreichische Investor René Benko, dessen Fokus auch in Deutschland auf Immobilien in besten Innenstadtlagen liegt. 2014 hat der Tiroler die Karstadt-Warenhäuser, darunter auch die Luxus-Kaufhäuser KaDeWe in Berlin, Oberpollinger in München und Alsterhaus in Hamburg von Nicolas Berggruen übernommen. 2015 gab Benko die Mehrheit der KaDeWe Group an die thailändische Central Group ab. Deren Tochter, das traditionsreiche italienische Kaufhaus-Unternehmen La Rinascente, übernahm 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der drei Luxushäuser. 49,9 Prozent verblieben bei Signa. Vergangene Woche hat die Signa nun auch eine drei Milliarden Euro schwere Offerte für den Karstadt-Konkurrenten Kaufhof beim nordamerikanischen Eigner Hudson’s Bay vorgelegt. Beim Verkauf der Warenhauskette 2015 hatte der Österreicher den Kürzeren gezogen. Der Metro-Konzern verkaufte die Kette an das US-Unternehmen.

Das Upper West, in dem die Signa Gruppe ihren Berlin-Sitz hat, ist erst im September dieses Jahres fertiggestellt geworden und nahezu vollständig vermietet. Signa-Sprecher Robert Leingruber zufolge besitzt das von Christof Langhof entworfene Objekt einen hohen Wiedererkennungswert und besondere Strahlkraft in der boomenden City West und entwickle sich zu einer Landmark-Immobilie in Berliner Bestlage.

Insgesamt stehen in dem Turm an der Kantstraße sowie im 37 Meter hohen Riegelgebäude am Breitscheidplatz 53.000 Quadratmeter zur Verfügung. Davon entfallen 25.500 Quadratmeter auf Büro- und 5500 Quadratmeter auf Einzelhandelsflächen. Auf den unteren 19 Etagen hat das Flagship-Hotel der Motel-One-Gruppe mit 582 Zimmern eröffnet. Von der Terrasse des Frühstücksrestaurants in der 10. Etage, die auch öffentlich zugänglich ist, hat man einen Blick über Tiergarten und Gedächtniskirche.

Die Etagen darüber haben sich Unternehmen für Büros gesichert. Die Wirtschaftskanzlei Görg, die in- und ausländische Unternehmen in Rechtsfragen berät, ist mit ihren 150 Mitarbeitern gleich auf mehreren Etagen eingezogen. Der „fantastische Ausblick“ war Görg-Partner Daniel Seibt zufolge aber nicht das Hauptargument für den Umzug in den „Weißen Turm“. Entscheidender seien Kriterien wie „Größe, Lage, Architektur und Flächeneffizienz“ gewesen. Auch Contora Offices hat sich Flächen im „Weißen Turm“ gesichert und vermietet dort exklusiv ausgestattete Büros kurzfristig für einen Tag, eine Woche, einen Monat oder auch ein Jahr. „Die Monatsmiete für ein Bürozimmer mit einem Arbeitsplatz startet bei rund 1000 Euro“, so Contora-Mitgründer Lars Henckel.

Raum für Entwicklungen bietet indes noch die etwa 1000 Quadratmeter große Skybar, die das oberste Stockwerk krönt. Sie soll erst von einem neuen Besitzer nach dessen Wünschen ausgebaut werden.

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