Bergmannstraße

Baukammer: Findlinge sind "gefährlicher Eingriff" in Verkehr

Die Felsstücke an der Bergmannstraße sorgen für Kritik. Baustadtrat Florian Schmidt nennt Zahlen und wehrt .

Die Findlinge auf dem Sackgassen-Teil der Bergmannstraße sorgen für Kritik.

Die Findlinge auf dem Sackgassen-Teil der Bergmannstraße sorgen für Kritik.

Foto: Reto Klar / Funke Foto Services

Die Menschen aus dem Bergmannkiez sind einiges gewohnt. Parklets, Punkte, Straßenverengung: Damit muss man man zurechtkommen. Die in der vergangenen Woche abgelegten Felsbrocken sorgten bei manchen Passanten für weiteren Unmut. Ihnen ist nicht klar, wozu sie dienen. Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) erklärte jetzt die Hintergründe und nannte erstmals Zahlen.

Demnach hat das Straßen- und Grünflächenamt (SGA) von Friedrichshain-Kreuzberg 21 Eiszeitfindlinge verbaut. Gesamtgewicht: 25 Tonnen. Sie liegen in einem kurzen, momentan ursprünglich nicht zur Nutzung vorgesehenen Abschnitt der Bergmannstraße von der Ecke Zossener Straße bis zur Friesenstraße, die hinauf zum Columbiadamm führt.

Findlinge sind die neuen „Kreuzbergrocks“

Die vom Stadtrat salopp als „Kreuzbergrocks“ bezeichneten Steine kosteten 2175 Euro. Die Stücke kommen aus dem Kiestagebau in Mecklenburg-Vorpommern, in der Weichsel-Eiszeit vor 10.000 Jahren aus dem südlichen Finnland nach Mitteleuropa geschwemmt. Für verkehrsrechtliche Anordnung und verkehrssichernde Abschirmung mit Baken, Farbmarkierungen und Sonderzeichen wurden weitere rund 1500 Euro verbucht.

Die klärende Darstellung darf als vorauseilende Maßnahme Schmidts nach früheren Vorwürfen aus der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) verstanden werden. Kritiker der Begegnungszone aller vertretenden Parteien, außer den Grünen, fragten in den zurückliegenden Monaten dort bei ihm regelmäßig jene Kosten ab, die entstanden sind, nachdem Anwohner und Politiker wieder vom Aufbau neuer Verkehrsmaßnahmen auf der Bergmannstraße überrascht worden waren.

Kritik von der Baukammer

Unterdessen übte die Baukammer harsche Kritik an den Findlingen. Die Ideen und Handlungen einer Berliner Straßen- und Grünflächenämter seien an "Einfallsreichtumg der Absurditäten" kaum noch zu übertreffen. Das Auslegen der Findlinge ohne Absperrmaterial und Warnlampen in der Dunkelheit sei für alle Verkehrsteilnehmer auf der Fahrbahn eine akute Verkehrsgefährdung. "Der Straftatbestand der § 315 b StGB (Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr - die Redaktion) steht im Raum."

Der zuständige Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) kommentierte auf Anfrage der Berliner Morgenpost, er empfehle der Baukammer „sich vor Ort ein Bild zu machen“. Tatsächlich gebe es an und entlang der Findlinge zahlreiche sichernde Ausschilderungen und rot-weiße Verkehrsbaken. Schmidt fügte an, den Kritikern aus der Baukammer scheine es wohl um „den Erhalt von Illegalen Parkplätzen zu gehen“.

Pleiten, Pech und Pannen

Die Begegnungszone Bergmannstraße wurde ursprünglich mit Zustimmung der BVV von Bezirk und Land Berlin umgesetzt. Sie krankt aber seit ihrem geplanten Start im Oktober 2018 an Pleiten, Pech und Pannen. Hinzu kommt eine Kommunikation durch Verwaltung und Politik, der es nicht gelang, der gesamten Öffentlichkeit den Sinn der vorübergehend vorgesehenen Verkehrsmaßnahmen klar zu machen.

So sind vielen in der Nachbarschaft die beiden Gründe für die neue Spur der Steine auf der Bergmannstraße völlig unbekannt. Bis Ende Juli ist die Friesenstraße eine Baustelle. Das sorgte für Verkehrsverstöße durch Autofahrer. Sie bogen entgegen der Ausschilderung in den Stumpf der Bergmannstraße, um dann umständlich und oft gefährlich zu wenden. In den vergangenen Wochen funktionierten sie dann das Teilstück mit absolutem Parkverbot in eine Parkfläche um. Das war bequem und kostete sie zudem inmitten der neu eingerichteten Parkzone keinen Cent. Zudem wurden die Baumaßnahmen behindert und eine termingerechte Fertigstellung gefährdet.

Begegnungsplatz

Der zweite Grund: Der Test bis Ende Juli eines „Begegnungsplatzes“ vor der beliebten Marheineke Markthalle. Dies ist eine Idee, die direkt von den Anwohnern kam. Bis die Friesenstraße zu Ende gebaut ist, soll auf Betreiben der langjährig aktiven Initiative „Leiser Bergmannkiez“ bis zum 31. Juli der Straßenstumpf für Autos gesperrt und ohne Geländer bleiben. So ist ein Vorplatz gewonnen.

Langfristig würde eine Sperrung es unmöglich machen, dass Autofahrer vom Columbiadamm über Zossener Straße abkürzend zur Gneisenaustraße und gen Mitte gelangen, was Durchgangsverkehr bis hin zu Flixbussen in den engen Kiez treibt, sagt Sprecher Hans-Peter Hubert. Als jetzt die Falschparker die Testphase zunichte zu machen drohten, drängelten Hubert und Co. beim Bezirksamt, endlich einzuschreiten. Dies sei kaum mehr als ein „Begegnungs-Parkplatz“, so der Sprecher.

Mit der Felslösung dagegen ist er jetzt zufrieden. „Das ist ein Dreiviertel-Schritt in die Richtung, in die wir wollen“, sagt er.

Im August haben dann bei Zusammenkünften, sogenannten „Perspektiv-Werkstätten“ jene 4000 Bürger aus dem Kiez das Wort, die jetzt nach Zufallsprinzip von Land und Bezirk schriftlich eingeladen wurden. Gefragt ist ihre Meinung zur Testphase auf der Bergmannstraße.