Den Anwohnern im Kiez rund um das linke Szene-Objekt in der Rigaer Straße 94 in Friedrichshain steht vermutlich ein weiterer Großeinsatz der Polizei bevor. Denn bei der Begehung des Hauses vor rund einem Monat stellte ein Brandschutzgutachter zu beseitigende Mängel fest. Die linksmilitanten Bewohner werden Bauarbeitern aber womöglich nicht freiwillig Zugang gewähren. Die Polizei müsste die Arbeiten daher absichern. Damit sind neuerliche Ausschreitungen zu befürchten.

Das nach der Begehung erstellte Brandschutzgutachten liegt der Berliner Morgenpost vor. Der von der Eigentümerin, der britischen Gesellschaft Lafone Investments, beauftragte Prüfingenieur stellte dabei keine Mängel fest, die einen sofortigen Leerzug erforderlich machen würden. Der Zustand entspreche im Wesentlichen dem „eines derzeit unverändert genutzten Gebäudes eines Baujahres vor 1900“, heißt es.

Rigaer Straße: Das Eingangstor wurde per Trennschleifer geöffnet

Der Gutachter sieht aber Brandschutzprobleme, die zu beseitigen sind. Eines davon betrifft das Eingangstor zur Rigaer Straße, das die Bewohner nachträglich eingebaut hatten. Bei der Begehung am 17. Juni musste es die Polizei gewaltsam per Trennschleifer und anderem Gerät öffnen.

Jeder habe erkennen können, dass die Polizei den Durchgang nicht „in angemessener Zeit“ habe öffnen können, schreibt der Gutachter. Auch die Feuerwehr hätte nicht schneller in das Haus kommen können. „Wirksame Löscharbeiten und die Rettung von Mensch und Tier“ seien in dieser Situation nicht möglich, heißt es. Die Personen im Gebäude wären „den Folgen eines Brandes ausgeliefert“ gewesen.

Das nachträglich eingebaute Tor ist weg

Der Eingangsbereich von der Straße müsse ohnehin angepasst werden, befand der Gutachter. Der Zugang sei mit nur 1,40 Meter zu schmal. Denn die Feuerwehr müsse im Brandfall mit Drehleitern und einem Sprungpolster in den Hinterhof gelangen können. Bei der derzeitigen Situation sei das nicht möglich. Für neun Wohnungen in den oberen Geschossen des Hinterhauses und des Seitenflügels fehle somit der vorgeschriebene zweite Rettungsweg.

Auch der Durchgang zum zweiten Hof sei zu schmal und müsse baulich geändert werden. In der derzeitigen Form entspreche er „unter keinen Umständen den bauaufsichtlichen Anforderungen“. Im Fazit formulierte der Gutachter: „Die Zugänglichkeit zu den Aufstellflächen für die Feuerwehr muss dringend dem heutigen Leistungsvermögen der Berliner Feuerwehr angepasst werden.“

Kneipe „Kadterschmiede“ ohne Genehmigung

Die als Rückzugsort und Szene-Treffpunkt genutzte illegale Kneipe „Kadterschmiede“ im Erdgeschoss des rechten Seitenflügels ist laut Gutachter als Schank- und Speisegaststätte mit mehr als 40 Plätzen einzustufen. Dafür sei eine Baugenehmigung erforderlich. Eine „genehmigte Nutzung“ gehe aus den Unterlagen aber nicht hervor.

Wann und wie die Mängel beseitigt werden, ist unklar. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg teilte mit, das Gutachten liege ihm seit 1. Juli vor. Wegen der laufenden Prüfung würden zu möglichen Maßnahmen keine Informationen veröffentlicht. Die Eigentümergesellschaft hatte stets signalisiert, sämtliche Mängel beseitigen zu wollen. Zu erwarten ist, dass sie die Polizei dafür um Schutz ersuchen wird.

Friedrichshain-Kreuzberg blieb lange untätig

Der Brandschutzbegehung am 17. Juni war ein langer Streit vorausgegangen. Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann und Baustadtrat Florian Schmidt (beide Grüne) sahen sich dem Vorwurf ausgesetzt, über die linksmilitanten Bewohner ihre schützende Hand gehalten zu haben.

Vor der Begehung hatten die Bewohner einige der gröbsten Mängel, etwa Falltüren im Treppenhaus, selbst beseitigt. Am Tag vor der Prüfung durch den Gutachter hatten sie Barrikaden in Brand gesetzt, Polizistinnen und Polizisten mit Steinen beworfen. Am Tag selbst besprühten sie Einsatzkräfte mit dem Inhalt von Feuerlöschern. Der Versuch der Polizei, die Täter ausfindig zu machen, misslang. Auf Durchsuchungen von Wohnungen verzichtete die Behörde. Diese seien rechtlich nicht zulässig gewesen.

Barrikaden brennen an der Rigaer Straße

Brennende Barrikaden an der Rigaer Straße
Brennende Barrikaden an der Rigaer Straße© Thomas Peise | Unbekannt
Unterstützer vor der Rigaer 94.
Unterstützer vor der Rigaer 94.© Omer Messinger/Getty Images | Unbekannt
Annette Riedl/dpa
Polizisten stehen bei einer Demonstration von Unterstützern der Bewohner des Hauses in der «Rigaer 94». © Unbekannt | Unbekannt
Ein Polizist setzt bei einer Demonstration von Unterstützern der Bewohner des Hauses in der «Rigaer 94» Reizgas ein.
Ein Polizist setzt bei einer Demonstration von Unterstützern der Bewohner des Hauses in der «Rigaer 94» Reizgas ein. © Annette Riedl/dpa | Unbekannt
"Rigaer 94 verteidigen" steht auf dem Banner, auf einem anderen: "Together we stand we fight".
"Rigaer 94 verteidigen" steht auf dem Banner, auf einem anderen: "Together we stand we fight".© Omer Messinger/Getty Images | Unbekannt
Polizisten sichern die Demonstration am Donnerstagabend.
Polizisten sichern die Demonstration am Donnerstagabend. © Odd ANDERSEN / AFP | Unbekannt
Unter Polizeischutz findet die Brandschutzprüfung statt.
Unter Polizeischutz findet die Brandschutzprüfung statt. © Omer Messinger/Getty Images | Unbekannt
Die Brandschutzprüfer (mit bunten Helmen) betreten unter Polizeischutz die Rigaer Straße 94.
Die Brandschutzprüfer (mit bunten Helmen) betreten unter Polizeischutz die Rigaer Straße 94.© John MACDOUGALL / AFP | Unbekannt
Ein Polizist sammelt gefundene Feuerlöscher in der Rigaer Straße ein.
Ein Polizist sammelt gefundene Feuerlöscher in der Rigaer Straße ein. © Omer Messinger/Getty Images | Unbekannt
Beamte werden am Donnerstag im Haus und auf dem Hof mit Farbe beworfen.
Beamte werden am Donnerstag im Haus und auf dem Hof mit Farbe beworfen.© Thomas Peise | Unbekannt
Eine vermummte Person beobachtet den Polizeieinsatz aus einem Fenster in der Rigaer Straße. "Fight" steht auf dem Transparent.
Eine vermummte Person beobachtet den Polizeieinsatz aus einem Fenster in der Rigaer Straße. "Fight" steht auf dem Transparent.© Omer Messinger/Getty Images | Unbekannt
Ein Aktivist hält eine Rauchbombe aus einem Fenster in der Rigaer Straße 94.
Ein Aktivist hält eine Rauchbombe aus einem Fenster in der Rigaer Straße 94.© John MACDOUGALL / AFP | Unbekannt
Einsatzkräfte schützen sich mit Schildern am Eingang der Rigaer 94.
Einsatzkräfte schützen sich mit Schildern am Eingang der Rigaer 94.© John MACDOUGALL / AFP | Unbekannt
Im Haus wurde eine Rauchbombe gezündet.
Im Haus wurde eine Rauchbombe gezündet.© John MACDOUGALL / AFP | Unbekannt
Ein Polizeibeamter trägt ein übergroßes Schutzschild aus dem Haus Nr. 94 in der Rigaer Straße.
Ein Polizeibeamter trägt ein übergroßes Schutzschild aus dem Haus Nr. 94 in der Rigaer Straße.© Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa | Unbekannt
Die Polizei verschafft sich am Donnerstagmorgen Einlass zur Rigaer 94.
Die Polizei verschafft sich am Donnerstagmorgen Einlass zur Rigaer 94.© John MACDOUGALL / AFP | Unbekannt
Die Polizei versucht am Donnerstagmorgen ins Haus zu gelangen.
Die Polizei versucht am Donnerstagmorgen ins Haus zu gelangen.© Thomas Peise | Unbekannt
Politzisten öffnen die Tür dem Haus Rigaer 94 in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain.
Politzisten öffnen die Tür dem Haus Rigaer 94 in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain. © Carsten Koall/dpa | Unbekannt
Einsatzkräfte bringen sich am 17. Juni in der Rigaer Straße in Position.
Einsatzkräfte bringen sich am 17. Juni in der Rigaer Straße in Position.© Omer Messinger/Getty Images | Unbekannt
Etwa 350 Polizeikräfte sind am Donnerstagmorgen in der Rigaer Straße im Einsatz.
Etwa 350 Polizeikräfte sind am Donnerstagmorgen in der Rigaer Straße im Einsatz.© Omer Messinger/Getty Images | Unbekannt
Polizisten am Donnerstagmorgen vor der Rigaer Straße 94.
Polizisten am Donnerstagmorgen vor der Rigaer Straße 94.© Patrick Goldstein | Unbekannt
Behelmte Polizisten vor dem Haus.
Behelmte Polizisten vor dem Haus.© Thomas Peise | Unbekannt
Transparent an der Fassade des Hauses an der Rigaer Straße 94.
Transparent an der Fassade des Hauses an der Rigaer Straße 94.© Patrick Goldstein | Unbekannt
Rauchschwaden im Friedrichshainer Nordkiez am Mittwochvormittag.
Rauchschwaden im Friedrichshainer Nordkiez am Mittwochvormittag.© Thomas Peise | Unbekannt
Mittwoch: Der Bereich um die Rigaer Straße ist abgesperrt, ein Wasserwerfer fährt auf.
Mittwoch: Der Bereich um die Rigaer Straße ist abgesperrt, ein Wasserwerfer fährt auf.© Thomas Peise | Unbekannt
Die Polizei agierte am Mittwoch zunächst defensiv.
Die Polizei agierte am Mittwoch zunächst defensiv.© Thomas Peise | Unbekannt
Mittwoch in der Rigaer: Nach den Löscharbeiten entspannte sich die Lage.
Mittwoch in der Rigaer: Nach den Löscharbeiten entspannte sich die Lage.© Ulrich Kraetzer | Unbekannt
Feuerwehrleute nach den Löscharbeiten am Mittwoch.
Feuerwehrleute nach den Löscharbeiten am Mittwoch.© Thomas Peise | Unbekannt
Löscharbeiten in der Rigaer Straße.
Löscharbeiten in der Rigaer Straße.© John MACDOUGALL / AFP | Unbekannt
Ein Räumpanzer der Polizei schiebt in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain eine Barrikade beiseite, dahinter fährt ein Wasserwerfer.
Ein Räumpanzer der Polizei schiebt in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain eine Barrikade beiseite, dahinter fährt ein Wasserwerfer. © Andreas Rabenstein/dpa | Unbekannt
Polizisten laufen am Mittwoch in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain an einer brennenden Barrikade vorbei.
Polizisten laufen am Mittwoch in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain an einer brennenden Barrikade vorbei. © Andreas Rabenstein/dpa | Unbekannt
Pflastersteine liegen in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain.
Pflastersteine liegen in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain. © Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa | Unbekannt
Ein Wasserwerfer der Polizei fährt durch die Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain.
Ein Wasserwerfer der Polizei fährt durch die Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain. © Andreas Rabenstein/dpa | Unbekannt
Eine Barrikade brennt am Mittwoch in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain.
Eine Barrikade brennt am Mittwoch in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain. © Andreas Rabenstein/dpa | Unbekannt
Zwei Aktivisten stehen am Mittwoch auf dem Dach des Hauses
Zwei Aktivisten stehen am Mittwoch auf dem Dach des Hauses© Thomas Peise | Thomas Peise
Polizisten betreten am Mittwoch ein Gebäude in der Rigaer Straße.
Polizisten betreten am Mittwoch ein Gebäude in der Rigaer Straße.© Thomas Peise | Thomas Peise

Die Eigentümergesellschaft kündigte nach der Begehung an, die Wohnungen räumen lassen zu wollen. Die linksmilitanten Bewohner rechnen offenbar mit weiteren Auseinandersetzungen. Im Internet kündigten sie einen „Antirepressionsworkshop“ an. In der „Kadterschmiede“ werde es „leckeres BBQ“ (Barbecue) geben.