Wartezimmer sind voll, Telefone klingeln in Dauerschleife: Angesichts aktueller Krankheitswellen stoßen Praxen in Berlin an ihre Grenzen. „Die grippalen Infektwellen sind knackig“, sagte etwa die Friedrichshainer Hausärztin Carola Thumm-Söhle der Berliner Morgenpost. „Im großen Stil“ seien Patienten in diesen Tagen wegen eines grippalen Infekts vorstellig geworden. Zudem kommen Kranke, die Covid-Symptome zeigen würden. Bei dem hohen Aufkommen in ihrer Praxis schaffe sie es gerade noch, die Lungen der Patienten abzuhören - mehr sei aber kaum möglich. „Das ist schon Drehtürmedizin“, sagte sie.
Die Situation wahrgenommen hat auch Wolfgang Kreischer, Arzt in Zehlendorf und Vorstand des Hausärzteverbands Berlin und Brandenburg. „Es ist tatsächlich berlinweit so. Wir erleben auch immer wieder, dass Patienten stundenlang telefonisch nicht bei ihren Praxen durchkommen“, sagte er. Besonders betroffen seien hausärztlich unterversorgte Gebiete. Kreischer nannte dabei den Osten Berlins sowie Reinickendorf. Er appellierte deshalb an die Politik und auch an die Patienten.
Kreischer: Telefonische Krankschreibungen könnten Praxen entlasten

An den Gesetzgeber gerichtet, erneuerte er die Forderung des Bundesvorsitzenden des Hausärzteverbandes, Markus Beier, nach einer schnellen Wiedereinführung der telefonischen Krankschreibung. Das wäre aus Kreischers Sicht notwendig, um die Arztpraxen in Berlin flächendeckend zu entlasten.
Unterstützung erhält er dabei auch von der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin (KV). Auch sie forderte die telefonische Krankschreibung für den Herbst und Winter kurzfristig wiedereinzuführen. „Idealerweise sollte dies dauerhaft möglich sein, wenn die Patient:innten den Praxen bekannt sind“, sagte eine KV-Sprecherin.
Charité rät Mitarbeitern „dringend“ zum Tragen einer Maske
Im Sommer beschloss der Bundestag ein Gesetz von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Es sieht vor, dass Krankschreibungen dauerhaft per Telefon möglich werden sollen. Diese Regelung gab es bereits während der Corona-Pandemie, lief aber im April aus. Der Beschluss soll bis Ende Januar ausgearbeitet werden.
Kreischer sieht aber nicht nur die Politik in der Verantwortung. Zwar gebe es keine Pflicht mehr, dennoch rät er zum Tragen einer Maske. „Das hilft schon im Vorfeld, um sich nicht selbst anzustecken“, sagte er. Auch Kliniken in Berlin reagieren mittlerweile auf die derzeitigen Krankheitswellen. Einem Sprecher zufolge rät die Charité allen Mitarbeitern „dringend“ das Tragen einer Maske. „Patient:innen wird das Tragen einer Maske außerhalb der eigenen Patientenzimmer empfohlen, Besucher:innen das generelle Tragen einer Maske in Gebäuden der Charité, besonders in Patientenzimmern“, so der Sprecher weiter.



