Ein 22-Jähriger ist in Berlin festgenommen worden und befindet sich seit Donnerstag in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: Er solle in den Morgenstunden des 21. Juni eine Frau im Görlitzer Park vergewaltigt haben. Die Ermittlungen, insbesondere auch gegen die weiteren Tatverdächtigen, dauern an.

Erst jetzt wurde bekannt, dass vor mehr als einen Monat mehrere Männer eine 27-Jährige vor den Augen ihres gleichaltrigen Begleiters vergewaltigt haben sollen. Der Mann sei „mit Gegenständen verletzt und zu Boden gebracht worden“, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstagabend mit. Beide seien zuvor ausgeraubt worden.

Die Polizei Berlin in der Kritik: Öffentlichkeit wurde nicht zeitnah informiert

Die Tat vom 21. Juni wird offenbar als Einzelfall gewertet. Für eine Serie entsprechender Taten im Görlitzer Park gebe es allerdings nach bisherigen Erkenntnissen keine Anhaltspunkte, heißt es von Polizei und Staatsanwaltschaft. Würden dies vorliegen, würde man eine entsprechende Warnung herausgeben. Die Polizei steht seit Bekanntwerden des Vorfalls mitunter in der Kritik, dass sie die Öffentlichkeit nicht zeitnah informierte.

Die Behörden verweisen in diesem Zusammenhang auf die mögliche schwere Traumatisierung durch solch eine Tat. „Durch frühzeitige Berichterstattung und die Bekanntgabe von Hintergründen und/oder Details aus den Ermittlungsverfahren besteht die Gefahr, dass die Opfer in ihrem Aussageverhalten beeinflusst werden, die Aussage anpassen oder derart verschreckt werden, dass sie gar keine Angaben mehr tätigen wollen.“ Zudem seien Aussagen von Opfern von Sexualdelikten „naturgemäß mit der Bekanntgabe intimster Details verbunden“.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verteidigt die Zurückhaltung der Ermittler. Es gelte immer, die Ermittlungen nicht zu gefährden und die Betroffenen zu schützen, sagte der Vorsitzende des Berliner Landesverbands Stephan Weh. „Wer Opfer einer solchen Straftat wird, trägt auch massive psychische Verletzungen davon.“ Durch Veröffentlichungen könnten zusätzliche traumatische Belastungen entstehen.

Berlins Innensenatorin Spranger fordert Schwerpunkt-Staatsanwälte für die kriminalitätsbelasten Orte

Innensenatorin Iris Spranger verspricht jetzt, das „Problem an der Wurzel anzugehen“ und „die polizeiliche Arbeit an den kriminalitätsbelasteten Orten zu verbessern“. Der Görli gilt als einer der sogenannten kbO. „Mit der diesjährigen Eröffnung der ‚Kotti-Wache‘ setzen wir dieses Vorhaben um“, sagte die SPD-Politikerin der Berliner Morgenpost. „Die Einsatzkräfte sind seitdem dichter am Geschehen und können in unmittelbarer Nähe eines Kriminalitätsschwerpunkts Identitätsfeststellungen durchführen.“

Laut Spranger habe die Polizei ihre Präsenz im Park „spürbar erhöht“. Eine weitere Verbesserung könne mit „den sogenannten Staatsanwältinnen und Staatsanwälten vor Ort gelingen, die Strafverfahren gegen Tätergruppen an kriminalitätsbelasteten Orten zentral und prioritär bearbeiten“.

Ermittlungsgruppe wegen Vergewaltigungen gebildet

Mit der Aufklärung des Vorfalls im Görlitzer Park ist die Ermittlungsgruppe „Calor“ beim Landeskriminalamt (LKA) betraut. Sie war nach Sexualstraftaten vom 9. auf den 10. Juni 2023 am Schlachtensee gebildet worden. In diesem Fall gibt es nach Angaben der Staatsanwaltschaft vier Verdächtige im Alter von 14 bis 19 Jahren. „Calor“ ist Spanisch und heißt „Hitze“ und „Wärme“. In der Nacht, in der es zu den Taten am Schlachtensee gekommen sein soll, war es sehr warm. Einen Zusammenhang zu der Tat im Görlitzer Park sehen die Ermittler jedoch nicht. Die Sachverhalte seien völlig anders gelagert, heißt es.

Mitte Juli hatte es bei den Verdächtigen vom Schlachtensee Durchsuchungen gegeben. Die Auswertung der beschlagnahmten Datenträger dauere an, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die vier Verdächtigen befinden sich demnach auf freiem Fuß.

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Görlitzer Park ein Kriminalitätsschwerpunkt in Berlin

Der Görlitzer Park gehört vor allem wegen des Drogenhandels zu den Kriminalitätsschwerpunkten in der Hauptstadt. Nach einer aktuellen Polizeistatistik wurden dort im laufenden Jahr von Januar bis Ende Juni acht Taten in der Kategorie Vergewaltigung/sexuelle Nötigung/sexueller Übergriff registriert. Das geht aus der Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken hervor. Im Jahr 2022 wurden für den Zeitraum Juli bis Dezember ebenfalls acht Fälle ausgewiesen.

Für den Görlitzer Park brauche es unabhängig davon eine „städtebaulicher Kriminalprävention, zum Beispiel mehr Licht“, so der GdP-Landeschef Weh weiter. Auch über einen Sicherheitsdienst für den Park müsse man nachdenken, um die Polizei zu entlasten.

Philipp Siebert