Lange Nacht der Museen

Technikmuseum zeigt Drucker-Historie

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Druckt bei der Langen Nacht der Museen: Stefan Krämer.

Druckt bei der Langen Nacht der Museen: Stefan Krämer.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Stefan Krämer ist Vorführer im Deutschen Technikmuseum – und einer der Gastgeber bei der Langen Nacht der Museen.

Berlin.  In anderthalb Stunden kommt die nächste Kindergruppe. Stefan Krämer hat in seiner Abteilung für Drucktechnik die Karten bereitgelegt, mit der die Mädchen und Jungen gleich an einer der vielen opulent verzierten Maschinen im Ausstellungsraum einen eigenen Aufdruck ausprobieren können. Im Deutschen Technikmuseum ist Krämer Ende des Monats einer der Gastgeber bei der Langen Nacht der Museen.

Wie denn während der jährlichen Veranstaltung zu später Stunde die Besucher so seien? „Mir kommt es vor“, sagt Krämer ohne zu zögern, „als hätten da alle ein Lächeln im Gesicht.“ 70 Museen mit 700 Veranstaltungen halten in diesem Jahr am 27. August die Pforten länger als üblich geöffnet. Neben den Exponaten können Besucher etwa im Museum für Kommunikation einen Illusionisten erleben. Das Alte Museum bringt Tanz und Performance in den Lustgarten. Und das Kreuzberger Technikmuseum empfängt in der Ladestraße sowie im Science Center Spektrum. Dort lässt sich in dieser Nacht mit einem Windkanal experimentieren, das Morsealphabet kennenlernen, 3-D-Druck erleben und bei Stefan Krämer open-air drucken.

Krämer ist sogenannter Vorführer. Wie ihn gibt es Auskenner und Erklärer in vielen Bereichen. Etwa für Papierschöpfen, Schmuckherstellung, Luftfahrt, den Roboter „Nao“ und sogar die geheimnisvolle Chiffriermaschine „Enigma“ der Deutschen Wehrmacht aus dem Zweiten Weltkrieg.

Krämers Abteilung befindet sich im Altbau. Der ist verwinkelt, da sind seine 200 Quadratmeter Ausstellungsfläche plus Lehrdruckerei nicht sofort zu entdecken. Wer sie jedoch findet, sieht sich umgeben von mannshohen Geräten, filigranem Werkzeug und Apparaten, mit denen Menschen Kommunikation betrieben, für die man eine Briefmarke brauchte oder einen zuverlässigen Vertrieb.

Vitrinenwand mit Schreibmaschinen aller Art

Da ist beispielsweise eine Vitrinenwand, gefüllt mit Schreibmaschinen aller Art und aller Jahrzehnte, bei denen die Kunst des Schreibens schon vom elegant-funktionellen Design beflügelt wurde. Ausführlich erklärt Krämer bei seinen täglich fünf Vorführungen die Exponate.

Die Linotype-Setzmaschine aus dem Jahr 1902 beispielsweise ist ein dunkles Ungetüm mit Hebeln, Platten, Einschüben. Wer damals Zeitungen drucken wollte, stellte damit die Texte her. Mit der Hand werden die Vorlagen eingesetzt. Zudem ist an der Maschine ein Ofen in Betrieb, der Blei schmilzt und zuletzt Zeile für Zeile auswirft.

Umstellung bei der New York Times

Daneben steht eine spätere Variante. Elektroknöpfe, Tastatur: Ein Produkt von 1972: „Sie ist zwei Jahre älter als ich“, sagt Krämer und lächelt, „darum verstehen wir uns gut.“ Dort gelangen die Buchstaben in die richtige druckbereite Reihenfolge, indem das Manuskript des Autoren – der Sportbericht, die Premierenkritik aus dem Opernhaus, ein eilig verfasster Nachruf – mit der Hand in eine Art Schreibmaschine getippt wird. Selbst die New York Times, sagt Krämer, habe sich von diesem System erst 1986 verabschiedet, sei vom Hochdruckverfahren auf Offsetdruck gewechselt.

Krämer ist die Faszination für sein Thema anzumerken. Der 47-Jährige liebt die Musik, ist Frontmann bei einer Metal-Band, trägt am Tag unserer Begegnung das T-Shirt seiner Band „Circles of Malice“. Aber richtig in Fahrt kommt er, wenn es um die Verdienste Johannes Gutenbergs geht, der „nicht umsonst zum ,Mann des Jahrtausends’ erklärt wurde“ für seine Erfindung der Druckerpresse, durch die – und das sagt er auch besuchenden Schulklassen – sich das Lesen und Schreiben erst verbreiten konnte.

Vorführer Krämer ist tief verwurzelt im Druckerhandwerk. Das erlernte er als junger Mann daheim in der Eifel, stellte Geschäftsmaterial, Briefbogen und Umschläge her. „Wenn damit alles stimmte, hatte man am Ende ein Stück gute Arbeit in der Hand. Da gab es dann nichts dran zu rütteln.“ Mit den gleichen Maßstäben geht er an Aufnahmen mit seiner Band heran.

Geld drucken in der Bundesdruckerei

Später kam Krämer nach Berlin, ging zur Bundesdruckerei. „Ich habe dreieinhalb Jahre nichts anders gemacht als Fuffies herzustellen“, sagt er. Immer 48 Stück, oder, so der Fachbegriff: Nutzen, produzierte er pro Bogen. Später mussten sie ausgeschnitten werden.

Inzwischen arbeitet er in seiner Abteilung mit Schülern, weist Kunststudenten ein. Von Decke und Wänden seiner Lehrwerkstatt hängen ihre Arbeiten: mehrfarbige Linolschnitte, Bilder, Slogans. Und eine Kopie der irischen Unabhängigkeitserklärung von 1916, bei der – Fachmann Krämer weist amüsiert auf die Details hin – den Setzern irgendwann unübersehbar die Original-Lettern mit dem kleinen „e“ ausgingen.

Wozu brauche ich das alles?, habe in der Werkstatt neulich ein Junge gefragt. Bei ihm zuhause stehe doch ein Drucker. Die Kinder wüchsen eben in einer anderen Welt auf, sagt Krämer. Medien gelangen zum Nutzer elektronisch und kommen auf den Bildschirm. „Aber für mich bleibt Zeitung wichtiges Medium und ein gedrucktes Buch, richtig schön gebunden, wird immer ein wertvolles Stück Arbeit sein“, sagt er.

Das Programm des Technikmuseums in der Langen Nacht der Museen.