Drogenhandel

Mit nur einem Imbissstand gegen die Dealer im Görlitzer Park

Mit drei Imbissständen will der Bezirk die Dealer aus dem „Görli“ vertreiben. Doch der Parkrat hätte es gerne eine Nummer kleiner.

Um Dealer von den Eingängen zu verdrängen und Besuchern ein Gastro-Angebot zu schaffen, soll der Görlitzer Park Imbissbuden bekommen.

Um Dealer von den Eingängen zu verdrängen und Besuchern ein Gastro-Angebot zu schaffen, soll der Görlitzer Park Imbissbuden bekommen.

Foto: Julie Woodhouse / picture alliance / imageBROKER

Berlin. Es dauert nicht lange, bis man im Görlitzer Park gefragt wird, ob man Drogen kaufen möchte. Die Grünanlage in Kreuzberg gilt als einer der größten Drogenumschlagplätze in Berlin. Seit Jahren beklagen sich Besucher und Anwohner des Parks über Belästigungen durch die Drogenverkäufer. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat nun einen Vorschlag gemacht, um dem Wunsch nach mehr Sicherheit nachzukommen. Doch in dem von den Grünen regierten Bezirk soll das Problem statt durch verstärkte Polizeipatrouillen auf unkonventionelle Weise bewältigt werden. Der Lösungsvorschlag: Mobile Imbissbuden sollen an den Eingängen des Parks platziert werden.

Görlitzer Park soll nur einen Imbissstand bekommen

Denn das Bezirksamt erwägt, drei mobile Gastronomie-Stände im Görlitzer Park zu erlauben. Diese sollen an den Eingängen Falckenstein- Ecke Lübbener Straße, Glogauer Ecke Forsterstraße sowie am Eingang des ehemaligen „Cafés Edelweiß“ platziert werden. Auf diese Weise sollen die Dealer verdrängt und die Dominanz des Drogenhandels im Park eingeschränkt werden, heißt es vom Bezirksamt.

Mit den Ständen soll auch ein Ersatz für das „Café Edelweiß“ geschaffen werden, das seit einem Jahr aufgrund von Sanierungsmaßnahmen geschlossen ist. „Seitdem gibt es keine Möglichkeiten mehr für die Besucher, einen Kaffee zu trinken oder ein Eis zu essen", so Sara Lühmann, Pressesprecherin des Bezirksamts

Parkrat hat Vor- und Nachteile abgewogen

Der Parkrat, ein Gremium von Anwohnern, hat die Vor- und Nachteile des Vorschlags abgewogen. Auf der einen Seite solle eine Kommerzialisierung des Parks vermieden werden, auf der anderen Seite sei die Situation mit dem Drogenverkauf so extrem, dass einige Menschen den Park meiden.

„Uns ist bewusst, dass es nur ein Element von vielen ist, um das Drogenproblem zu lösen“, sagt Martin Heuß, Mitglied der Parkinitiative. „Es geht uns primär nicht darum, die Dealer zu vertreiben, sondern lediglich ihre Dominanz an den Eingängen zu verdrängen und dort das Klima positiv zu verändern.“

Dreimonatige Testphase für 2020 geplant

Anders als vom Bezirksamt empfohlen, hat sich der Parkrat dazu entschieden, statt drei Ständen im Park einen zuzulassen. In der kommenden Saison soll es eine dreimonatige Testphase geben. Dafür gibt es klare Regeln: Der Verkauf von Alkohol und Drogen sei strikt verboten, und das Angebot dürfe lediglich Getränke sowie kleine Snacks umfassen. Ein nachhaltiges Konzept zur Verpackungs- und Müllvermeidung solle beispielsweise durch ein Pfandsystem umgesetzt werden, so Heuß. Außerdem dürfe der Anbieter keine Werbung am Stand oder an anderen Stellen im Park machen.

Kritiker halten Polizeikontrollen für notwendig

Kritiker bezweifeln die Wirksamkeit des Konzepts. „Mit Imbissständen wird sich das massive Drogenproblem im Görlitzer Park nicht lösen lassen“, sagt Kurt Wansner, CDU-Abgeordneter aus Friedrichshain-Kreuzberg. Es gebe genügend Gastronomie rund um die Grünanlage. „Besser wäre es, das seit fast einem Jahr geschlossene ,Café Edelweiß’ zu sanieren und wieder zu eröffnen, statt es ungenutzt verfallen zu lassen“, so Wansner weiter. Außerdem seien laut dem CDU-Politiker neben verstärkter Polizeipräsenz auch Zugangskontrollen oder Nachtwachen sinnvoller. „Solange der Bezirk dem Handel aber nur zusieht, wird der Park weiter Berlins größter Drogenumschlagplatz bleiben.“