Das Schild über dem Eingang ist teils überklebt. Jemand hat am Schriftzug „Markthalle“ das „H“ durch ein handgeschriebenes „für“ ersetzt. Was da jetzt zu lesen ist, symbolisiert den Protest vieler Anwohner in Kreuzberg, die nicht wollen, dass ihr Aldi-Supermarkt auszieht. Sie fordern: „Markt für alle“.

Am Mittwoch bringt die SPD das Streitthema in die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg ein. Für Sonnabend ist um 15 Uhr vor dem Eingang Eisenbahnstraße eine Kundgebung angesetzt. Derart unter Druck, haben die Betreiber für den heutigen Dienstag Anwohnerinitiativen zu einem ersten gemeinsamen Gespräch geladen.

Martkhalle Neun: Mehr preisgünstige Lebensmittel gefordert

Im Februar war bekannt geworden, dass die Chefs der Markthalle, Bernd Maier, Florian Niedermeier und Nikolaus Driessen, dem dort seit 1977 ansässigen Discounter zum 31. Juli gekündigt haben. Was Ernährung und Produktion betrifft, passe das Supermarktkonzept nicht in ihre Philosophie. Sie wollen ausschließlich auf Nachhaltigkeit und kleinteilige Marktanbieter setzen. Möglicherweise schwerwiegender bei ihrer Entscheidung: Solange der günstige Discounter da ist, machen die restlichen Händler schlechte Geschäfte.

Viele Anwohner sind erzürnt, weil sie die Vergabe der Halle vor acht Jahren unterstützt hatten, nun aber fürchten müssen, daran gar nicht mehr teilhaben zu können, weil die Preise der verbleibenden Anbieter für Gourmets und Touristen gemacht seien.

Betreibern der Markthalle sollen sich für Erhalt des Supermarkts einsetzen

Die SPD-Bezirksverordnete Sevim Aydin will bei der BVV-Sitzung am Mittwoch einen Antrag einbringen, mit dem das Bezirksamt beauftragt wird, sich bei den Betreibern der Markthalle für den Erhalt des Supermarkts einzusetzen. Zudem solle es seinen Einfluss geltend machen, dass in der Markthalle vermehrt Lebensmittel im Niedrigpreissegment angeboten werden. Die Betreiber müssten daran erinnert werden, eine „Halle für alle“ mit „vielseitigem Lebensmittelangebot für alle sozialen Schichten unter Berücksichtigung der Bedarfe der Nachbarschaft zu schaffen“.

Die Interessen der Anwohner müssten auch darum einbezogen werden, weil sich unter anderem die BVV dafür eingesetzt hatte, dass die Markthalle bei der Vergabe 2011 nicht an den höchsten Bieter, sondern an das verträglichste Konzept vergeben wurde.

Die Betreiber indes verweisen darauf, dass sie auch Unterstützung der Anwohner erreiche. Mancher erkläre, durch die Markthalle zu bewussterer Ernährung gefunden zu haben, oder freue sich, dass statt des Supermarkts ein in der Umgebung fehlender Drogeriemarkt nachzieht.

Am Dienstag haben die Betreiber alle involvierten Initiativen, Händlervertreter bis hin zu Kirche und Kiezmanagement eingeladen. Man wolle darstellen, wie soziale Teilhabe in der Halle möglich sei und Vorschläge der Teilnehmer sammeln. Der nicht öffentliche Ort der Kiezkonferenz passt zum Streit um den scheidenden Discounter: ein Besprechungsraum unter dem Aldi-Lager.