Die Sperrung des größten Schienenverkehrsknotens im Berliner Osten hat am Freitag viele S-Bahn-Nutzer vor Probleme gestellt. Bis zum 12. November lässt die Deutsche Bahn die letzten großen Arbeiten für den Umbau des Ostkreuzes erledigen. Die S-Bahnlinien S3, S5, S7, ­S 75 und S9 fahren nicht zwischen Lichtenberg beziehungsweise Karlshorst sowie Ostbahnhof und Alexanderplatz. Busse leisten den Schienenersatzverkehr. Morgenpost-Mitarbeiter berichten, wie sie mit der Situation umgehen.

Joachim Fahrun, Friedrichshain
Joachim Fahrun, Friedrichshain© Reto Klar | Reto Klar

Joachim Fahrun, Chefreporter: „Der Weg von der östlichen in die westliche Innenstadt ist kompliziert geworden. Hier nich!, knurrt der Wachmann vor dem Flatterband am S-Bahnhof Warschauer Straße uns an, als ich am Freitagmorgen mit meiner Tochter einen Zug nach Charlottenburg besteigen möchte. Normalerweise bin ich mit dem Rad unterwegs, habe deshalb die Sperrungen bei S-Bahn und BVG nicht so im Blick. Ein paar Touristen schauen verwirrt in ihre Smartphons, wie sie denn wohl ohne S-Bahn von Friedrichshain nach Mitte kommen. Ich bin immerhin ortskundig. Nicht so schlimm, denke ich also und zerre das Kind die paar Meter weiter zum U-Bahnhof. Dort wartet die nächste unliebsame Überraschung. Schienenersatzverkehr. Die U-Bahn pendelt nur bis Schlesisches Tor. Wir müssen warten, mehr als ein Zehn-Minuten-Takt wird nicht geboten. Auf der Kreuzberger Seite müssen wir raus aus dem Zug. Auf der Straße warten hundert Leute auf den Ersatzbus. Irgendwann biegt der um die Ecke. Wir drängen uns rein und rumpeln bis Hallesches Tor. Wieder warten auf die U-Bahn. Irgendwann haben wir dann doch die Innenstadt durchquert. Aber ich frage mich, warum zwei parallele Nahverkehrsstrecken gleichzeitig dichtgemacht werden müssen.“

Almuth Weise,  Köpenick
Almuth Weise, Köpenick© Reto Klar | Reto Klar

Almuth Weise, Fotoredakteurin: „Ich ärgere mich schon eine ganze Weile darüber, dass es schwer geworden ist aus Köpenick herauszukommen. Weil es mit dem Auto im Berufsverkehr so lange dauert, nehme ich zum Frühdienst meist die S-Bahn von mir zu Hause ins Büro am Kurfürstendamm. Doch den Ersatzverkehr wollte ich mir am Freitagmorgen dann doch nicht antun. Aber auch mit dem Auto war es echt schwierig, auch wenn wegen der Herbstferien sicherlich weniger Leute unterwegs waren als normalerweise. Auf der Köpenicker Landstraße, der Verlängerung des Adlergestells, blockiert eine Baustelle am Baumschulenweg den Verkehr. Die Aus-weichroute auf der anderen Spreeseite über die Rummelsburger Straße funktioniert ebenfalls nur eingeschränkt. Da fahren nämlich genau die Ersatzbusse für die gesperrte S-Bahn. Und in der Innenstadt angekommen, steht zwischen Schlesischem und Halleschem Tor nur eine Spur zur Verfügung, denn auch hier fährt der Schienenersatzverkehr für die U-Bahn. Ich finde ja in Ordnung, dass die Trassen saniert werden. Aber warum müssen die überall gleichzeitig bauen?“

Christian Latz, Mitte
Christian Latz, Mitte© Reto Klar | Reto Klar

Christian Latz, Bezirksredakteur: „Verkehrschaos? Als ich Freitagvormittag am Alexanderplatz vorbeikam, war davon nichts zu sehen. „Da war rein gar nichts“, beschrieb mir eine Bahn-Mitarbeiterin die Morgenstunden am wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Vorteil hier: Am Anfang des Ersatzverkehrs stieg man in noch leere Busse und U-Bahnen. Auffallend zudem, wie viel Personal die S-Bahn zur Information der Fahrgäste einsetzte. Zwischen den S-Bahn-Gleisen und der Ersatzhaltestelle an der Grunerstraße stieß ich mehrmals auf Mitarbeiter, die den Weg wiesen. Dort standen reichlich Busse bereit. Die An- und Abfahrt in regelmäßigen Takten lief problemlos. Brechend voll waren hingegen die am Alexanderplatz ankommenden Ersatzbusse. Rund lief es aber am Morgen nicht, sagte mir ein Busfahrer in seiner Pause. Die Busse hätten zum Teil im Berufsverkehr festgesteckt. Für zusätzlichen Ärger hätte ein Unfall auf der Hauptstraße in Rummelsburg gesorgt. Zwischenzeitlich hätten zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof nicht alle Fahrgäste im Bus Platz gefunden. Die Probleme werden mit dem Ferienende ab Montag sicher nicht geringer werden.“

Was Sie über die Sperrungen noch wissen müssen:

Sie werden in vier Abschnitten auch die kommenden Tage anhalten. Bis zum 6. November, vier Uhr, durchgehend zwischen Karlshorst/Lichtenberg und Ostkreuz sowie dem Alexanderplatz. Betroffen sind die Linien S3, S5, S7, S75 und die S9 ab Treptower Park.

Am 6. November, 4 bis 16 Uhr, und vom 7. November, vier Uhr, durchgehend bis 9. November, 22 Uhr, zwischen Karlshorst und Ostkreuz. Betroffen sind die Linien S3 und S75. Vom 6. November, 16 Uhr, bis 7.November, 1.30 Uhr, zwischen Erkner und Ostkreuz. Betroffen sind die Linien S3 und S75. Und vom 9. November, 22 Uhr, bis 12. November, 1.30 Uhr, zwischen Karlshorst/Lichtenberg und Ostkreuz sowie dem Ostbahnhof. Betroffen sind wieder die Linien S3, S5, S7, S75 sowie die S9 ab Treptower Park.

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