20. Jubiläum

Die Besucherzahlen der Bibliotheken steigen

Zum 20. Jubiläum des Verbunds der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB) war man sich einig – Bücher müssen für alle zugänglich sein.

Wie sieht wohl die Bibliothek der Zukunft aus? Schräge Buden machten die Besucher vor der Amerika-Gedenkbibliothek sofort neugierig

Wie sieht wohl die Bibliothek der Zukunft aus? Schräge Buden machten die Besucher vor der Amerika-Gedenkbibliothek sofort neugierig

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Berlin. Man solle bitte eintreten, steht auf dem goldenen Container, „drinnen ist es warm“. Wird gemacht. Kleinkinder, Grauhaarige, Neugierige. Drinnen, im Dunkeln, auf einem großen Bildschirm, sieht man drei schlaksige Teenager sitzen, live übertragen aus einem der 19 anderen Container irgendwo in Kigali, Los Angeles oder Nairobi. Eine Schar Berliner Grundschulkinder fängt gerade an, mit den coolen fremden Jungs begeistert über ihre jeweiligen Lieblings-Fußballvereine zu palavern.

Auf einem Bibliotheksfestival mag so eine interaktive Installation ein wenig naiv wirken. Aber als am Wochenende der Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB) auf dem Gelände der Amerika-Gedenkbibliothek am Blücherplatz sein zwanzigjähriges Jubiläum feierte, mischte sich in den Stolz über das Erreichte ein heimliches, banges Hauptthema: „Was für eine Bibliothek braucht es, um die Demokratie zu retten?“ Das Miteinander-ins-Gespräch-Kommen und Entdecken von Gemeinsamkeiten ist als Antwort da wohl nicht die schlechteste Idee.

Bibliothek als Ort immer wichtiger

Es ist schon seltsam: Der Buchmarkt ächzt, es wird weniger gelesen, die Besucherzahlen in den Bibliotheken nehmen aber eher zu statt ab. Offenbar wird die Bibliothek als Ort, der Kontemplation ermöglicht und zugleich Geselligkeit, immer wichtiger. Eine Entwicklung, die Bibliotheken weltweit unterschiedlich angehen. Die Tage zuvor hatte in den raumschiffartigen Festival-Buden die internationale „Next Library“-Konferenz stattgefunden, jetzt präsentierten sich volksnah die Bezirksbibliotheken, von Spandau bis Pankow. Samt mongolischer Jurte, arabischer Bibliothek mit dicken Sofakissen, einer Kinder-Uni und Bücherbussen. Ein Parcours zwischen Messe, Volkshochschule und Volksfest.

Aber es wurde auch diskutiert, und zwar leidenschaftlich, etwa über den geplanten Neubau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf dem Gelände der Amerika-Gedenkbibliothek. Also da, wo jetzt noch die Food-Trucks Köttbullar verkauften, die man im Schatten alter Eichen beim Gesang eines „Mitsing-chores“ behaglich verzehrte.

Um die Bedeutung des Bauvorhabens zu unterstreichen und den Beteiligten schon jetzt das nötige Selbstbewusstsein einzuhauchen, betonte Kultursenator Klaus Lederer, es handle sich beim VÖBB um Berlins „größte Kultureinrichtung“. Es müsse architektonisch ein „Wow“-Erlebnis werden, ohne aber einzuschüchtern, forderte Senatsbau­direktorin Regula Lüscher. Einig waren sie sich mit Volker Heller, Vorstand der ZLB, dem Architekturkritiker Falk Jaeger und Kreuzbergs Baustadtrat Florian Schmidt darin, die Bibliothek als „nichtkommerziellen Raum“ zu erhalten. „Kommerzfrei heißt aber nicht, dass sich der Ort abschottet. Wer sich den Kaffee in der Caféteria aber nicht leisten kann, der muss seinen eigenen mitbringen dürfen“, sagte Lederer. Die öffentlichen Bibliotheken hätten einen „Grundversorgungsauftrag“, und deshalb müsse „Partizipation unabhängig vom Geldbeutel“ stattfinden. Applaus.

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