Berlin

Neue Zentral- und Landesbibliothek entsteht in Kreuzberg

Der Senat hat die Standortfrage nun entschieden – ein Neubau soll an den Blücherplatz in Kreuzberg kommen.

Die Amerika-Gedenkbibliothek am Blücherplatz soll in die Neubauplanungen einbezogen werden

Die Amerika-Gedenkbibliothek am Blücherplatz soll in die Neubauplanungen einbezogen werden

Foto: dpa Picture-Alliance / Schoening / picture alliance / Arco Images

Friedrichshain-Kreuzberg. Der geplante Neubau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) in Berlin soll auf dem Gelände der Amerika-Gedenkbibliothek am Blücherplatz in Kreuzberg entstehen. Das hat der Senat am Dienstag beschlossen. „Damit haben wir das Versprechen aus dem Koalitionsvertrag eingelöst, die Standortfrage noch in dieser Legislaturperiode zu entscheiden“, sagte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) nach der Senatssitzung.

Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit um den Standort. Der Vorgängersenat unter dem früheren Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) favorisierte lange einen Neubau am Rande des Tempelhofer Feldes – bis dieser am Volksentscheid gegen jegliche Bebauung des ehemaligen Airport-Geländes 2014 endgültig scheiterte. Zuletzt im Rennen war neben dem Standort neben der Amerika-Gedenkbibliothek, einem Geschenk der USA an West-Berlin zum Wiederaufbau nach dem Krieg, das sogenannte Marx-Engels-Forum in Mitte.

„Letztlich haben aber in der Analyse der Standorte die Pluspunkte am Ort der Gedenkbibliothek überwogen“, sagte Lederer. So sei der Standort hervorragend an den Nahverkehr angeschlossen, und die ZLB selbst habe den Standort favorisiert. Zudem sei Akzeptanz für den Standort in der Bevölkerung im Kreuzberger Kiez höher als dies in Mitte beim Marx-Engels-Forum der Fall gewesen sei. „Dort hatte es in mehreren Bürgerrunden zur künftigen Bebauung rund um den Alexanderplatz den Wunsch der Stadtgesellschaft gegeben, den Grünflächencharakter des Marx-Engels-Forums zu erhalten“, sagte Lederer. Allerdings werde auch die Grünanlage auf dem Blücherplatz nicht unangetastet bleiben. „Wir werden auch für die Bibliothek am Standort Kreuzberg ein Beteiligungsverfahren starten“, sicherte der Kultursenator zu.

Baubeginn erst gegen 2025

Die Klärung der Standortfrage bedeute aber nicht, dass nun tatsächlich noch in dieser Wahlperiode mit dem Bau begonnen werde, bremste Lederer zu optimistische Erwartungen. Mit einem Baubeginn rechne er wegen der langen Beteiligungs- und Planungsverfahren erst in sieben Jahren, also um das Jahr 2025 herum. Die neue Zentralbibliothek solle „wie eine Art Town Hall auch kultureller Treffpunkt für die Bürger werden“, sagte er. „Die Zeiten der reinen Buchausleihe sind längst vorbei“, sagte Lederer.

Trotz der langfristigen Planungen sprach Bibliotheksdirektor Volker Heller am Dienstag von einem „guten Tag“ für Berlin und die Bibliothek. „Vereint an diesem Standort kann die ZLB ihr volles Potenzial als Metropolenbibliothek entfalten“, sagte der Bibliotheks-Chef.

Bisher ist die mit jährlich 1,5 Millionen Nutzern größte öffentliche Bibliothek Deutschlands auf drei Standorte verteilt. Neben der Amerika-Gedenkbibliothek unweit des Halleschen Tores gibt es auch die Stadtbibliothek an der Breiten Straße in Mitte und das Außenmagazin im Westhafen im Ortsteil Moabit. Vor allem der Hauptsitz, die Amerika-Gedenkbibliothek, platzt seit Jahren aus allen Nähten. Die Kosten für das Neubauvorhaben veranschlagt der Kultursenator mit 360 Millionen Euro. „verlässliche Zahlen werden wir aber erst nach der aktualisierten Bedarfsplanung haben“, sagte Lederer. Mit dieser solle jetzt begonnen werden.

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