Diskussionsrunde

Polizei muss bei Pro-Israel-Demo in Kreuzberg eingreifen

Bei einer Veranstaltung der palästinensischen Aktivistin Manal Tamimi wurden Demonstranten beschimpft und mit vollen Windeln beworfen.

Polizei vor dem Veranstaltungsort, dem Biergarten und Café Jockel

Polizei vor dem Veranstaltungsort, dem Biergarten und Café Jockel

Foto: Julius Betschka

Berlin.  Wer sich solidarisch mit Israel zeigt, hat in Berlin mitunter einen schweren Stand: Das mussten etwa 20 Menschen erfahren, die am Mittwochabend mit Israel-Fahnen in Kreuzberg protestierten. Sie wurden von Teilnehmern einer Veranstaltung der palästinensischen Aktivistin Manal Tamimi im Biergarten „Jockel“ bedroht und mit vollen Windeln beworfen. Eine Teilnehmerin der proisraelischen Demo wurde als „Faschistin“ beschimpft. Brisant: Die Veranstalter der Diskussionsrunde hatten als „Sicherheitskräfte“ den linksextremistischen „Jugendwiderstand“ engagiert, sagte der Moderator der Veranstaltung. Im „Jugendwiderstand“ finden sich teils polizeibekannte Straftäter.

„Unser Plan war eigentlich nur, an der Veranstaltung teilzunehmen, um auch Fragen zu stellen“, sagte eine 23-jährige Berlinerin, die später den Protest organisierte. Doch so weit kam es nicht: Die Männer vom „Jugendwiderstand“ vertrieben die jungen Menschen vom Gelände des Biergartens. Später bedrohten sie die proisraelischen Aktivisten. Erst ein Aufgebot von etwa 20 Polizisten konnte die Situation beruhigen.

Tamimi bezeichnet Israel als "Terrorregime"

Schon im Vorfeld der Veranstaltung mit der Palästinenser-Aktivistin hatte es Kritik gegeben. Manal Tamimi bezeichnet Israelis als Vampire, die Blut der Palästinenser trinken, nennt Israel ein Terrorregime, Mitglieder ihrer Familie sind für blutige Anschläge verantwortlich. Weil Proteste erwartet wurden, sagte ein anderer Veranstaltungsort die Diskussion ab – das hatte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) mitgeteilt.

Auch deshalb war die Veranstaltung selbst geprägt von Nervosität. Fotoverbot, Filmverbot. „Wir haben sehr viele Sicherheitskräfte“, sagte der Moderator. Tamimi selbst erklärte, wie sie und ihre Familie unter „israelischer Besatzung“ litten. Wie ihre Lösung des Nah-Ost-Konflikts aussieht? „Das ist kein Konflikt, sondern eine Besatzung. Erst wenn Palästina befreit ist, kann es eine Lösung geben.“ Das ist ihre Sicht. Eine andere Sicht war offenbar unerwünscht. Wer sie vorbringen wollte, wurde vom „Jugendwiderstand“ bedroht.

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