Gruppe „Jugendwiderstand“

Israel-Hasser demonstrieren am 1. Mai in Neukölln

Die Gruppe "Jugendwiderstand" verehrt Stalin und Mao und will gegen „Ausbeutung, Schmarotzer, Blutsauger und Parasiten“ demonstrieren.

Berlin hat einen überwiegend friedlichen 1. Mai erlebt. So war der Tag in Berlin im Video.

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Sie hassen Israel, greifen andere Linke an und bedrohen Journalisten. Es sind junge, gut trainierte Männer, die sich in ihrer Freizeit zu Kampfsporttreffen verabreden. Sie nennen sich: „Jugendwiderstand“, verehren Lenin und Diktatoren wie Stalin und Mao. Am 1. Mai werden sie unter dem Motto „Heraus zum Roten 1. Mai“ durch Neukölln marschieren und gegen „Ausbeutung, Schmarotzer, Blutsauger und Parasiten“ demonstrieren. Laut Informationen der Berliner Morgenpost werden bei der Demonstration etwa 150 Teilnehmer erwartet.

Bei ihren Aktionen geht es dieser linksextremistischen Gruppe oft um mehr als linke Folklore. Viele sind polizeibekannt. Vor allem in Neukölln und Mitte fallen sie seit etwa 2015 mit Straftaten auf. Mit Sachbeschädigungen, aber auch durch Angriffe auf Menschen, die sich solidarisch mit Israel zeigen, oder auf andere linke Gruppen. Die Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung.

Israelfeindliche Parolen bei den Demonstrationen

Denn Israelhass scheint zur DNA dieser Gruppe zu gehören. So dokumentierte die Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) in einem kürzlich erschienenen Bericht eine dem Jugendwiderstand zugeschriebene Parole an einer Neuköllner Hauswand: „9 mm für Zionisten“. Auch bei Demonstrationen des Jugendwiderstandes werden israelfeindliche und pro-palästinensische Parolen gerufen.

Dadurch wird der überwiegend deutschstämmige Kern des Jugendwiderstandes oft um arabischer Jugendliche ergänzt – vereint im Hass auf Israel. Eine Recherche der „Berliner Initiative gegen politische Gewalt“ zeigt, dass auch Privatpersonen immer häufiger vom Jugendwiderstand bedroht werden. Die Initiative gründete sich, weil in der linken Szene zunehmend Angst vor dem Jugendwiderstand umgehe, sagte ein Sprecher dieser Zeitung. Die Aussagen der Opfer liegen dieser Redaktion vor. So wurde im vergangenen Jahr in Neukölln eine Frau als „Zionistenfotze“ beleidigt.

Gewaltbereitschaft der Gruppe laut Polizei merklich gestiegen

Einem anderen Opfer wurde gedroht, die Nase zu brechen. Ein Mann, der Kleidung trug, die einen Bezug zum Judentum erkennen ließ, wurde gesagt, man wolle „solche Scheiße“ nicht sehen. Er flüchtete in eine Bäckerei. Bereits 2017 überfielen Mitglieder des Jugendwiderstandes offenbar eine Silvesterparty einer anderen linken Gruppierung. „Wir beobachten mit Sorge, dass sich die Aktivitäten der Gruppe in den letzten Monaten intensiviert haben“, sagte ein Sprecher der Initiative. Die Gewaltbereitschaft sei merklich gestiegen. Fragt man bei der Berliner Polizei scheint die Gruppe auch dort wohlbekannt.

Im Kern, so ein Polizeisprecher, handele es sich um eine zweistellige Zahl von Personen. Der Polizei ermittele in mehreren Fällen, die dem Jugendwiderstand zugerechnet werden und „bei denen ein antisemitischer Tathintergrund wahrscheinlich ist“. Allerdings sei die Gruppe deshalb in linken Kreisen isoliert. Was aber passiert, wenn verschiedene linksextreme Gruppen am 1. Mai zusammentreffen, ist bislang nicht absehbar. Bei einem Aufzug im vergangenen Jahr blieb es aber friedlich.

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