Zwischenfall auf Spree

Schiff mit AfD-Abgeordnetem trifft auf Demo: Gläser fliegen

Eine Demonstration für die Seenotrettung auf der Oberbaumbrücke trifft auf ein Schiff mit AfD-Anhängern. Die Lage eskaliert.

Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Berlin. Zwischen Anhängern der AfD und Aktivisten, die für die Seenotrettung im Mittelmeer demonstrierten, ist es am Mittwoch zu einer heftigen Auseinandersetzung gekommen. Die Demonstranten standen dabei auf der Oberbaumbrücke, die AfD-Anhänger auf einem Ausflugsdampfer auf der Spree.

Gläser flogen und Schimpfwörter fielen. Es wurde so wild, dass der Kapitän des Spreedampfers die Fahrt abbrechen musste. Das Ganze führte zu einem Großeinsatz der Berliner Polizei. Die Bilanz: Mehrere Anzeigen wegen Landfriedensbruches - gegen die Demonstranten und die AfD-Anhänger - und eine Anzeige wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung.

Flüssigkeiten werden verschüttet, Bierkrüge fliegen

Doch der Reihe nach: Das Restaurantschiff MS Bellevue hatte am Mittwoch neben Berliner Touristen auch eine Besuchergruppe des früheren niedersächsischen AfD-Vorsitzenden Armin-Paul Hampel an Bord. Ein Bild auf Twitter zeigt den Bundestagsabgeordneten mit Polizisten. Neben dem Besuch des Reichstages und in Bundesministerien stehen bei diesen politischen Kaffeefahrten auch Touren auf der Spree im Programm. So weit, so normal.

Als das Schiff gegen 19 Uhr die Oberbaumbrücke in Friedrichshain passierte, demonstrierten auf der Brücke Aktivisten für die private Seenotrettung im Mittelmeer. In Rettungswesten blockierten sie die Brücke über die Spree. Laut einem Sprecher der Polizei sollen die AfD-Anhänger auf dem Schiff die Demonstranten mit AfD-Sprechchören provoziert haben.

Beim zweiten Aufeinandertreffen eskaliert die Situation

Doch damit nicht genug: Wie die Reederei der Berliner Morgenpost bestätigte, drehte das Schiff direkt hinter der Brücke und fuhr wieder zurück gen Friedrichstraße. Bei diesem zweiten Aufeinandertreffen sollen Flüssigkeiten von der Brücke auf die Passagiere des Schiffs geschüttet worden sein. In beide Richtungen flogen Gegenstände.

Nach den Tumulten an Bord brach der Kapitän der MS Bellevue die Fahrt ab und legte am Anleger Friedrichstraße an. Er konnte die Sicherheit der Fahrgäste nicht mehr gewährleisten und alarmierte deshalb auch die Polizei.

Bierkrug trifft Demonstrantin

Gegen 20 Uhr waren dann insgesamt 24 Beamte im Einsatz um die Situation zu beruhigen, Zeugen zu befragen und Anzeigen aufzunehmen. Zwei 50 und 52 Jahre alte Männer aus der Gruppe der AfD wurden beschuldigt. Keinen konkreten Verdacht gibt es bei den Ermittlungen gegen die Demonstranten auf der Brücke - als die Polizei eintraf, waren die meisten schon verschwunden.

Eine 30 Jahre alte Frau, die auf der Brücke demonstrierte, hat Anzeige wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung gestellt. Vom Schiff sei ein Bierkrug nach ihr geworfen wurden, der sie an der Wade traf. Die Frau wurde nicht verletzt.

Reederei will keine AfD-Gruppen mehr reservieren lassen

Am Donnerstag veröffentliche die Reederei, der die MS Bellevue gehört, ein Statement auf Facebook. "Zu unserem großen Bedauern ist es am Mittwochabend auf einem unserer Schiffe zu starken Auseinandersetzungen zwischen zwei Besuchergruppen der AfD, die über das Bundespresseamt die Fahrt gebucht hatten, und Demonstranten auf einer Brücke gekommen", schreiben sie dort. Seit Jahren arbeite man problemlos mit dem Bundespresseamt zusammen. Bislang habe es nie Probleme gegeben.

Nach dem Zwischenfall ziehen die Reeder nun Konsequenzen: "Alle zukünftigen Reservierungen, die im Zusammenhang mit der AfD stehen, werden wir nicht annehmen und bereits gebuchte Fahrten haben wir selbstverständlich abgesagt." Alle anderen Besucher unabhängig ihrer Sexualität, Religion, Kultur oder Herkunft seien aber willkommen.

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