Friedrichshain

Aus dem einstigen Kaufhof am Ostbahnhof wird Zalando

Das Ex-Kaufhof-Gebäude wird für 100 Millionen Euro runderneuert, für die natürliche Belichtung werden die Fassaden „aufgeschnitten“

Projekt der Signa an der Koppenstraße 8: So soll das frühere Gebäude, in dem sich die Galeria Kaufhof am Ostbahnhof befand, nach dem Umbau aussehen

Projekt der Signa an der Koppenstraße 8: So soll das frühere Gebäude, in dem sich die Galeria Kaufhof am Ostbahnhof befand, nach dem Umbau aussehen

Foto: Signa / BM

Berlin. Das Gebäude, in dem sich bis Mitte 2017 das Warenhaus Galeria Kaufhof unweit des Ostbahnhofs befand, wird komplett umgebaut und neu gestaltet. Das Baukollegium, ein vom Senat bestelltes Expertengremium externer Fachleute, hat sich jetzt mit diesem Projekt beschäftigt und Anregungen gegeben, wie die Planungen verbessert werden könnten.

Im Innern ist das markante Gebäude bereits entkernt, die Fassaden sind größtenteils abgebaut. Jetzt sollen die „Abrisse“ beginnen. „Wir schneiden an jeder Seite Dreiecke heraus, um Licht in die Tiefe des Gebäudes zu bringen“, erläutert Nils Anacker, der das Bauprojekt bei Signa betreut. Rund 100 Millionen Euro sollen nach seiner Auskunft in die Kernsanierung und der kompletten Erneuerung der Fassade investiert werden. Im dritten Quartal 2020 soll alles fertig sein. Der nächste Nutzer der Immobilie steht schon fest: es ist der Online-Versandhändler Zalando.

Das österreichische Unternehmen Signa ist seit 2016 Eigentümer des Gebäudes an der Koppenstraße 8 in Friedrichshain. Kaufhof hatte nach Auskunft der Signa den Mietvertrag 2016 auslaufen lassen. Mit der Grundfläche von 80 mal 80 Metern galt das frühere Warenhaus zu DDR-Zeiten als das modernste Kaufhaus des Ostens. Es war Ende der 70er-Jahre von einem schwedischen Unternehmen gebaut worden, mit geschlossenen Fassaden und blickdichten Fenstern – eben als Warenhaus.

Das Gebäude wird nach dem Umbau zwei Geschosse höher

Weil die neuen Eigentümer bei der Nachnutzung Wert auf eine natürliche Belichtung legen, werden die großen keilförmigen Einschnitte in die Fassaden geschnitten. Diese dadurch verloren gehenden Flächen sollen auf das Gebäude aufgesetzt werden. Zwei Geschosse höher wird es nach Auskunft des Architekten Martin Jasper dadurch. Statt jetzt etwa 40 Metern habe es dann eine Höhe von 46 Metern, so der Projektmanager.

Die neuen Loft-Büros in Form von „zeitgenössischen Bürolandschaften“ böten je zur Hälfte alternative Arbeitsplätze und normale Schreibtischplätze. Das Erdgeschoss soll öffentlich genutzt werden – mit Gastronomie, Supermarkt, Drogerie, Apotheke und möglicherweise auch Arztpraxen. Erschlossen werde das Haus, das als Adresse bislang Koppenstraße 8 hat, künftig über den Hermann-Stöhr-Platz, wie der Architekt bei der Vorstellung des Vorhabens ankündigte.

Das Baukollegium würdigte nach der Vorstellung der Pläne den architektonischen Entwurfsansatz als plausibel, kritisierte jedoch eine fehlende Konsequenz bei dessen Umsetzung, teilte die Senatsverwaltung auf Morgenpost-Anfrage mit. Um das architektonische Konzept – Volumen aus der vorhandenen Kubatur zu entfernen – zu stärken, habe das Baukollegium empfohlen, auf umlaufende Staffelgeschosse in den oberen Etagen zu verzichten. Auch die Form der Fassaden-Ausschneidungen sollte noch einmal überprüft werden – unter dem Aspekt, wie sich der Gebäudeentwurf in die Umgebung einbettet.

Auch die Anmutung im Innern des Gebäudes – geplant ist, dass die Struktur aus den 70er-Jahren mit dem Betonskelett erlebbar sein soll und beispielsweise nicht durch abgehängte Decken kaschiert wird – sah das Baukollegium kritisch und riet: Im Zusammenhang mit der eher „rohen“ Atmosphäre im Inneren zu überprüfen, ob die geplante Fassade nicht zu „slick“, zu glatt, zu glänzend, sei.

Florian Schmidt (Grüne), Stadtrat für Stadtentwicklung in Friedrichshain-Kreuzberg, sagte nach der Vorstellung des Projekts im Baukollegium: „Der Architekt und der Bezirk haben einige Empfehlungen erhalten, deren Machbarkeit und Berücksichtigung im weiteren Planungsprozess kurzfristig abzustimmen sind. Einer der Punkte, die der Bezirk zu lösen hat, ist die Darstellung der Einbindung in das weiterzuentwickelnde Umfeld.“ Von besonderem Interesse seien dabei die geplante Neubebauung des Parkplatzes mit einer Schule gewesen, die Neubebauung des Areals an der Erich-Steinfurth- Straße sowie die Entwicklung der Freifläche zwischen dem ehemaligen Kaufhaus und der Bahnhofshalle. Auch bei der geplanten Wohnbebauung an der Köpenicker Straße 11/12 gegenüber der Mercedes-Benz Arena muss nachgebessert werden: Am Ufer stehen laut Stadtrat Schmidt die Nutzungen „etwas in Konkurrenz zueinander“: die geplante naturbelassene Fläche, der Außenbereich der Kita und die öffentliche Grünfläche.

Entwurf des Wohnhauses an der Spree fand Zustimmung

Dort werde noch nach der optimalen Lösung gesucht. Diskutiert worden sei auch der Übergang vom Bestandsgebäude Köpenicker Straße 10A zum geplanten Wohngebäude Köpenicker Straße 11–12. Die vorgestellte Variante habe im Grundsatz die Zustimmung des Baukollegiums gefunden. Sie soll jedoch noch detaillierter bearbeitet werden.

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