Berlin-Kreuzberg

Mord am Kottbusser Tor: Polizei sucht Intensivtäter

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Nach den tödlichen Schüssen am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg sucht die Kriminalpolizei nach einem 22-jährigen Verdächtigen.

Nach den tödlichen Schüssen am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg sucht die Kriminalpolizei nach einem 22-jährigen Verdächtigen. Der mutmaßliche Schütze ist der Polizei schon als Mehrfachtäter bekannt. Er steht unter dem Verdacht, einen 32-jährigen Mann am Samstagabend mit mehreren Schüssen getötet zu haben, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, sagte.

Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Tat etwas mit dem Rockermilieu zu tun habe, betonte Steltner. Zwei Mitglieder der kriminellen Rockerbande Hells Angels Türkiye Nomads wurden ganz in der Nähe des Tatorts gesehen, auch ihre Motorräder standen dort. Steltner sagte, einer der beiden sei - ebenso wie das spätere Opfer - an einem Streit an der Adalbertstraße am Kottbusser Tor beteiligt gewesen.

Zu diesem eigentlich eher harmlosen Streit sei auch der Täter dazu gekommen. Die Situation sei dann eskaliert, es sei lauter und aggressiver geworden. Schließlich habe der Täter mehrmals geschossen. Die beiden Hells-Angels-Rocker seien später von der Polizei nur als Zeugen befragt worden.

Worum sich Auseinandersetzung drehte, ist nicht ganz klar. Am Kottbusser Tor werden viele Drogen verkauft, es gibt viel Kleinkriminalität, Überfälle und Auseinandersetzungen um Reviere und Geld. Von 2014 auf 2015 hatten sich die Anzeigen wegen Diebstahls mehr als verdoppelt, auch Raub und Körperverletzungen hatten stark zugenommen. Im ersten Halbjahr 2016 stieg die Zahl der angezeigten Straftaten weiter. Rockerbanden wie die Hells Angels und arabischstämmige Clans mischen dort mit. Es sind inzwischen sichtbar mehr Polizisten unterwegs.

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Zeugen hatten am Samstagabend mehrere Schüsse in einem Häuserdurchgang gehört und einen Mann davon rennen sehen. Das 32-jährige Opfer erlag zwei Stunden später seinen Verletzungen.

Ein Zusammenhang zwischen der Tat am Kottbusser Tor und dem Mord an einem 28-jährigen Mitglied der Rockerbande Guerilla Nation in Berlin-Lichtenberg am Freitag gibt es laut Polizei und Staatsanwaltschaft nicht.

Der Mann war in der Nähe eines Clubhauses der Rockergruppe nahe dem Bahnhof Ostkreuz mit einem Motorrad unterwegs. Ein oder mehrere Täter schossen, das Opfer wurde von mehreren Schüssen getroffen. Schwerverletzt flüchtete der 28-Jährige noch in eine Werkstatt, wo er starb. Der oder die Täter entkamen unerkannt. Nach einem Zeitungsbericht soll die Polizei in der Nähe Spuren von Motorradreifen gefunden haben.

Der ermordete Rocker wird an diesem Donnerstag auf einem Friedhof in Lichtenberg beerdigt. Die Rockerbande Guerilla Nation kündigte das auf einer Facebook-Seite mit den kitschig-pathetischen Worten „Der letzte Weg eines Löwen“ an. Bei ähnlichen Beerdigungen kamen früher Dutzende oder mehr als hundert Rocker auf Motorrädern zum Friedhof. Meist war auch die Polizei mit einem Großaufgebot vertreten.

( dpa )