Nach den tödlichen Schüssen am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg sucht die Kriminalpolizei nach einem 22-jährigen Verdächtigen. Der mutmaßliche Schütze ist der Polizei schon als Mehrfachtäter bekannt. Er steht unter dem Verdacht, einen 32-jährigen Mann am Samstagabend mit mehreren Schüssen getötet zu haben, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, sagte.

Das Kottbusser Tor in Kreuzberg von oben
Das Kottbusser Tor in Kreuzberg von oben© Steffen Pletl

Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Tat etwas mit dem Rockermilieu zu tun habe, betonte Steltner. Zwei Mitglieder der kriminellen Rockerbande Hells Angels Türkiye Nomads wurden ganz in der Nähe des Tatorts gesehen, auch ihre Motorräder standen dort. Steltner sagte, einer der beiden sei - ebenso wie das spätere Opfer - an einem Streit an der Adalbertstraße am Kottbusser Tor beteiligt gewesen.

32-Jähriger stirbt nach Schüssen am Kottbusser Tor

Ein 32-Jähriger ist in der Nähe des Kottbusser Tors in Berlin-Kreuzberg erschossen worden.
Ein 32-Jähriger ist in der Nähe des Kottbusser Tors in Berlin-Kreuzberg erschossen worden.© Peise | Peise
Zeugen hatten am Samstagabend gegen 22 Uhr mehrere Schüsse in einem Häuserdurchgang gehört und einen Mann davon rennen sehen.
Zeugen hatten am Samstagabend gegen 22 Uhr mehrere Schüsse in einem Häuserdurchgang gehört und einen Mann davon rennen sehen.© Peise | Peise
In einem Durchgang fanden die Zeugen dann den schwer verletzten 32-Jährigen mit Schussverletzungen im Oberkörper.
In einem Durchgang fanden die Zeugen dann den schwer verletzten 32-Jährigen mit Schussverletzungen im Oberkörper.© Peise | Peise
Zwei Stunden später erlag der Mann seinen Verletzungen im Krankenhaus, wie es hieß.
Zwei Stunden später erlag der Mann seinen Verletzungen im Krankenhaus, wie es hieß.© Peise | Peise
Die Gegend rund um den U-Bahnhof Kottbusser Tor gilt mit zahlreichen Taschendiebstählen und Raubüberfällen als ein Kriminalitäts-Brennpunkz.
Die Gegend rund um den U-Bahnhof Kottbusser Tor gilt mit zahlreichen Taschendiebstählen und Raubüberfällen als ein Kriminalitäts-Brennpunkz.© Peise | Peise
Von 2014 auf 2015 hatten sich die Anzeigen wegen Diebstahls mehr als verdoppelt, auch Raub und Körperverletzungen hatte stark zugenommen.
Von 2014 auf 2015 hatten sich die Anzeigen wegen Diebstahls mehr als verdoppelt, auch Raub und Körperverletzungen hatte stark zugenommen.© Peise | Peise
Es sind sichtbar mehr Polizisten unterwegs
Es sind sichtbar mehr Polizisten unterwegs© Peise | Peise
Im aktuellen Fall ermittelt nun die Mordkommission
Im aktuellen Fall ermittelt nun die Mordkommission© Peise | Peise
Am Tatort am Kottbusser Tor wurden Blumen für den Erschossenen niedergelegt.
Am Tatort am Kottbusser Tor wurden Blumen für den Erschossenen niedergelegt. © Peter Oldenburger
Die Hintergründe der Tat waren zunächst noch völlig unklar
Die Hintergründe der Tat waren zunächst noch völlig unklar© Peise | Peise
Bei dem 32-Jährigen soll es sich um Kadir D. handeln, der in dem Kiez rund um das Kottbusser Tor aufgewachsen sein soll
Bei dem 32-Jährigen soll es sich um Kadir D. handeln, der in dem Kiez rund um das Kottbusser Tor aufgewachsen sein soll© Peise | Peise
Kadir D. soll früher Mitglied einer Gang gewesen sein, heißt es vor Ort
Kadir D. soll früher Mitglied einer Gang gewesen sein, heißt es vor Ort© Peise | Peise
Der Getötete hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.
Der Getötete hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.© Peise | Peise

Zu diesem eigentlich eher harmlosen Streit sei auch der Täter dazu gekommen. Die Situation sei dann eskaliert, es sei lauter und aggressiver geworden. Schließlich habe der Täter mehrmals geschossen. Die beiden Hells-Angels-Rocker seien später von der Polizei nur als Zeugen befragt worden.

Worum sich Auseinandersetzung drehte, ist nicht ganz klar. Am Kottbusser Tor werden viele Drogen verkauft, es gibt viel Kleinkriminalität, Überfälle und Auseinandersetzungen um Reviere und Geld. Von 2014 auf 2015 hatten sich die Anzeigen wegen Diebstahls mehr als verdoppelt, auch Raub und Körperverletzungen hatten stark zugenommen. Im ersten Halbjahr 2016 stieg die Zahl der angezeigten Straftaten weiter. Rockerbanden wie die Hells Angels und arabischstämmige Clans mischen dort mit. Es sind inzwischen sichtbar mehr Polizisten unterwegs.

Nach den Schüssen am Kottbusser Tor haben Passanten Blumen niedergelegt
Nach den Schüssen am Kottbusser Tor haben Passanten Blumen niedergelegt© BM/Steffen Pletl

Zeugen hatten am Samstagabend mehrere Schüsse in einem Häuserdurchgang gehört und einen Mann davon rennen sehen. Das 32-jährige Opfer erlag zwei Stunden später seinen Verletzungen.

Ein Zusammenhang zwischen der Tat am Kottbusser Tor und dem Mord an einem 28-jährigen Mitglied der Rockerbande Guerilla Nation in Berlin-Lichtenberg am Freitag gibt es laut Polizei und Staatsanwaltschaft nicht.

Der Mann war in der Nähe eines Clubhauses der Rockergruppe nahe dem Bahnhof Ostkreuz mit einem Motorrad unterwegs. Ein oder mehrere Täter schossen, das Opfer wurde von mehreren Schüssen getroffen. Schwerverletzt flüchtete der 28-Jährige noch in eine Werkstatt, wo er starb. Der oder die Täter entkamen unerkannt. Nach einem Zeitungsbericht soll die Polizei in der Nähe Spuren von Motorradreifen gefunden haben.

Der ermordete Rocker wird an diesem Donnerstag auf einem Friedhof in Lichtenberg beerdigt. Die Rockerbande Guerilla Nation kündigte das auf einer Facebook-Seite mit den kitschig-pathetischen Worten „Der letzte Weg eines Löwen“ an. Bei ähnlichen Beerdigungen kamen früher Dutzende oder mehr als hundert Rocker auf Motorrädern zum Friedhof. Meist war auch die Polizei mit einem Großaufgebot vertreten.

dpa